Leverkusen – Kicken, laufen, raufen – und sich wieder vertragen: All das machen Kinder und Jugendliche auf Bolzplätzen. Diese Sportstätten sind damit ein wichtiger Teil im Leben der Heranwachsenden. Nachdem die Bolzplatzkultur vom NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft als „immaterielles Kulturerbe“ anerkannt worden ist, wurde nun in Rheindorf der erste Ascheplatz an der Boberstraße mit einer Plakette versehen. Als erster Platz in ganz Nordrhein-Westfalen. Zwölf weitere Bolzplätze in Leverkusen sollen folgen.
Initiiert hatte die Aktion der Rheindorfer Landtagsabgeordneter Rüdiger Scholz (CDU), der die Plakette auch aus eigener Tasche bezahlt. Die Auszeichnung besitzt aber Strahlkraft: Stefan Kießling, ehemaliger Profispieler bei Bayer 04, und Manuel Neukirchner, Direktor des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund, waren am Freitag vor Ort und halfen bei der Anbringung der Plakette.
Schon seit jüngster Kindheit
Auf Bolzplätzen spielen habe er gemacht „seit er laufen kann“, erzählt Kießling. Als er acht, neun, zehn Jahre alt gewesen ist, hieß es: „Nach der Schule nach Hause und ab aufs Rad zum Bolzplatz. Man wusste immer: Auf dem Platz ist jemand.“ Es sei „unheimlich wichtig“, dass es auch heutzutage diese Möglichkeit gebe, die er gehabt habe, betonte Kießling.
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Manuel Neukirchner hob die Bedeutung der Sportplätze für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hervor: „Es ist wunderbar zu sehen, welche Kreativität, Selbstorganisation und Toleranz auf Bolzplätzen herrscht.“ Man werde „sofort integriert“, Kinder und Jugendliche würden freiwillig Regeln anerkennen und sich selber organisieren: „Die Kinder verständigen sich einfach“, erklärte er und sprach vom „sozialen Kitt“. Der Leiter des deutschen Fußballmuseums bedauerte aber gleichzeitig, dass es durch die Urbanisierung weniger Bolzplätze gebe und freute sich über die Leverkusener Initiative, die die Stadt zu einem „Vorreiter“ mache.
Bewerbung wird eingereicht
Nachdem bereits NRW Bolzplätze als immaterielles Kulturerbe anerkannt hat, soll nun auch der Bund folgen. Die Bewerbung werde bis Ende November eingereicht, kündigte Neukirchner an. Dafür arbeite man aktuell unter anderem mit der Sporthochschule Köln zusammen.
Durch die Auszeichnung wolle man auch „Druck“ aufbauen, damit nicht noch mehr Plätze verschwinden, sagte Manuel Neukirchner. In Rheindorf in der Wittenbergstraße habe es früher einen weiteren Bolzplatz gegeben, der musste nach der Klage eines Anwohner wegen Lärm aber geschlossen werden, bedauert Marc Adomat, Schuldezernent in Leverkusen. Auch in Manfort habe es früher einen gegeben. Der Bolzplatz an der Boberstraße, an dem die erste Plakette hängt, wurde in den 1960er-Jahren gebaut.


