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6000 Kinder in ArmutWie Leverkusen gegen Hunger bei Kindern kämpft

3 min
Stolz auf die eigene Ernte: Solin und Ahmed mit Zucchini aus dem Jugendhaus-Garten

Stolz auf die eigene Ernte: Solin und Ahmed mit Zucchini aus dem Jugendhaus-Garten

Der Rotary Club unterstützt Kochprojekte in Leverkusener Jugendhäusern – dabei geht es um mehr als Nahrungsversorgung.

Jedes fünfte Kind in Leverkusen ist von Armut bedroht. Das sind rund 6000 Kinder. „Als ich hörte, dass Kinder nach der Schule in Leverkusener Jugendhäuser kommen und Hunger haben, hat es bei mir direkt ‚Klick‘ gemacht“, sagt Guido Zaß. In seiner Amtszeit als Präsident des Rotary Clubs Leverkusen war es seine Aufgabe, das Hauptspendenziel für das Jahr auszumachen. Kriterien: Das Geld soll regional in Leverkusen eingesetzt werden, vor allem Kindern zugutekommen, und eine Bedürftigkeit soll vorhanden sein. „Und Hunger ist natürlich eindeutig eine Bedürftigkeit“, sagt Zaß.

8000 Euro vom Rotary Club Leverkusen

„Gemeinsam gut essen – Armut bekämpfen, Chancen stärken“ ist der Name des Projekts, das der Rotary Club daraufhin ausgerufen und mit 8000 Euro unterstützt hat. Davon wurde zum einen das Ernährungszelt beim Sommerspektakel im Neulandpark unterstützt. Der Rest des Geldes fließt in die fünf Jugendhäuser der Stadt, um deren Kochprojekte zu fördern.

Die Kinder helfen gerne bei den Vorbereitungen

Die Kinder helfen gerne bei den Vorbereitungen

Dabei geht es um viel mehr als Nahrungsversorgung, erklärt Stefan Münch, Leiter des Jugendhauses Schöne Aussicht. „Das Geld hilft uns, um mit den Kindern pädagogisch arbeiten zu können: Wir kochen gemeinsam, lernen etwas über gesunde Lebensmittel und besuchen auch Bauernhöfe und Supermärkte, um zu sehen, wo die Nahrungsmittel herkommen.“ Wenn das Essen fertig ist, ist die pädagogische Arbeit noch nicht beendet: Gemeinsam an einem Tisch sitzen, mit Messer und Gabel essen – „das klingt so selbstverständlich, ist es für viele Kinder aber nicht“, sagt Münch.

Dafür arbeiten die Jugendhäuser schon lange mit Projektpartnern zusammen. Das Jugendhaus Schöne Aussicht bezieht zum Beispiel nicht mehr benötigte Lebensmittel von der Gesamtschule Schlebusch, dem Bergischländer Handel, dem Projekt Kinderarmut und von Foodsharing. Auch lokale Bauernhöfe beteiligen sich. „Schön wäre, wenn wir noch ein paar Supermärkte dazugewinnen könnten“, sagt Münch.

Ceyda Yildiz und Ahmed kochen Spaghetti Bolognese.

Ceyda Yildiz und Ahmed kochen Spaghetti Bolognese.

Auch dabei will der Rotary Club helfen, damit das Projekt nachhaltig wirkt. „Ich habe heute noch mit einer Supermarktkette gesprochen“, berichtet Zaß. So lernen Kinder auch, dass durch den Einkauf gesunder Lebensmittel, die Nutzung von Lebensmittelspenden sowie gemeinsame Koch- und Ernährungsangebote gesunde Ernährung nicht grundsätzlich kostspielig sein muss. Und schmeckt.

Händewaschen und sich nicht verbrennen

Dass Obst und Gemüse lecker sind, haben die Kinder im Jugendhaus Schöne Aussicht schon gelernt. Im Garten pflanzen sie ihre eigene Ernte an: Erdbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren – und Zucchini, die so groß geworden sind, dass Solin und Ahmed sie kaum mit einer Hand halten können. An diesem Tag kochen sie gemeinsam mit Ceyda Yildiz Spaghetti Bolognese, eines der Lieblingsgerichte der Kinder. Auch gesunder Nudel- oder Couscoussalat steht auf dem Speiseplan, es darf aber auch mal Pizza sein. Worauf muss man beim Kochen achten? „Vorher Hände waschen!“, ist die erste Antwort der Kinder. Es folgen: Haare zusammenbinden, aufpassen, dass man sich am Topf nicht verbrennt – und auch, dass das Essen nicht anbrennt.

Alle Kinder schneiden, bruzzeln und rühren freiwillig mit, keiner muss helfen, um zu essen. „Aber es macht Spaß, sein eigenes Essen zu essen“, sagt der elfjährige Ahmed.