Was passiert zwischen vier und acht Uhr in Leverkusen? Besuch in einer Metzgerei, bei der Hitdorfer Fähre und der Deutschen Post.
24 Stunden LeverkusenWährend die erste Fähre ablegt, brutzelt schon der Fleischkäse

Kapitän Tan Minh Nguyen steuert seit 27 Jahren die Hitdorfer Fähre.
Copyright: Stefanie Schmidt
4.10 Uhr: Die erste Erkenntnis des noch jungen Tages: Grüne Welle auf der Herbert-Wehner-Straße kann tatsächlich funktionieren. Fast ohne Stopp und andere Autos auf der Straße schafft man es in sensationellen zwölf Minuten von Schlebusch nach Wiesdorf. Und ist noch vor dem frühen Metzgermeister an dessen Wirkungsstätte.
4.32 Uhr: Daniel Pickartz schließt den Hintereingang seiner Metzgerei in der Wiesdorfer Dhünnstraße auf. 2022 hat der heute 36-Jährige die Traditionsmetzgerei von Bert Emundts übernommen. Früh aufstehen macht ihm nichts aus, der erste Griff gilt aber dem kleinen Radio in der Küche. Musik am frühen Morgen muss sein.

Als Erstes ist der Fleischkäse dran: Chef Daniel Pickartz kümmert sich selbst darum.
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4.50 Uhr: Als Erstes kommt der vorbereitete Fleischkäse in den Backofen. „Wenn man früh genug hier ist, kann man sich Zeit lassen und die Temperatur etwas niedriger einstellen, damit der ganz in Ruhe fertig werden kann und saftig bleibt“, sagt Pickartz. Am frühen Morgen geht es erst einmal darum, alles für die Theke vorzubereiten. Häufig stehen schon zur Öffnung um 6.30 Uhr einige Menschen vor der Tür, die sich für die Arbeit mit Mettbrötchen, Fleischkäse und Frikadellen ausstatten. 70 bis 80 belegte Brötchen bereiten Pickartz und sein Team am Morgen vor. „Die sind meistens in der ersten Stunde weg, danach machen wir dann nur noch auf Bestellung, damit nichts weggeschmissen werden muss.“
5.10 Uhr: Pickartz schaut auf den Zettel, den er am Vortag geschrieben hat. Darauf steht, was am Tag produziert werden muss. Fleischwurst in diversen Ausführungen von klassisch bis Pistazie und Bärlauch. „Und ganz dringend Chili-Cheese-Frikadellen, die sind schon seit zwei Tagen aus.“ Die Kreation hat er neu entwickelt und sie komme sehr gut an. Wie auch der Mittagstisch. Für heute stehen ein Rindersteak-Burger oder Gulasch mit Kartoffelpüree auf der Speisekarte. Überraschend sind nicht die klassischen Kantinengerichte wie Currywurst die beliebtesten Mittagsgerichte bei Pickartz. „Nein, viele Leute sagen, da draußen gibt es nur noch Fastfood.“ Am besten gehe tatsächlich Hausmannskost: Rouladen, Rinderbraten, Sauerbraten, selbst jetzt auch gerne mit Rotkohl und Klößen. „Solange die Menschen nicht selbst hinter dem Herd stehen müssen, mögen sie das auch im Sommer.“ Damit lassen wir ihn mit den weiteren Vorbereitungen erst einmal alleine.
5.28 Uhr: Matthias Müller kommt als Erster am Anleger der Hitdorfer Fähre an. Der Fährmann schließt zunächst das Büro auf und fährt das Buchungsgerät hoch, mit dem er später die Kosten für die Überfahrt kassiert. Wenig später springt Kapitän Tan Minh Nguyen schwungvoll an Bord. „Je älter man wird, umso schwieriger wird das frühe Aufstehen“, sagt er. Das sieht man dem 55-Jährigen aber nicht an, der gut gelaunt zunächst das Armaturenbrett in seiner Steuerkabine reinigt. „Ein sauberer Arbeitsplatz muss sein!“ Seit 27 Jahren fährt Nguyen die Hitdorfer Fähre, zunächst die Fritz Middelanis, seit genau zwei Jahren jetzt die St. Michael. „Zwei, drei Tage musste man sich daran gewöhnen, dass die etwas anders reagiert, aber eigentlich funktionieren beide genau gleich.“

Tan Minh Nguyen überprüft jeden Morgen die Technik auf der Hitdorfer Fähre
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5.43 Uhr: Bevor es losgehen kann, muss Nguyen seine Sicherheitsrunde drehen. Unter vier großen Klappen schaut er in die Technik der Fähre, sucht nach defekten Keilriemen, überprüft Ölstände und Dichtungen. „Das ist in der neuen Fähre etwas schwieriger, da sind die Räume etwas enger und tiefer.“ Einen kaputten Keilriemen könne er selbst austauschen, nur wenn etwas an der Elektrik nicht stimmen sollte, muss ein Spezialist gerufen werden, dann kann es zu Verzögerungen bei der Abfahrt kommen. Das ist aber heute nicht der Fall, alles in Ordnung. Wegen des Niedrigwassers ist die Fähre mit zusätzlichen Tauen am Ufer verankert, diese lösen Nguyen und Müller gemeinsam, bevor der Motor mit einem lauten Knattern angeschmissen wird und ein Ruck durch die Fähre geht.

Leinen los: Matthias Müller und Tan Minh Nguyen arbeiten zusammen, bei Niedrigwasser ist die Fähre noch einmal speziell am Ufer vertäut.
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5.55 Uhr: Der Kapitän ist in die Fahrerkabine zurückgekehrt, streckt den Daumen hoch und Müller löst die letzten Taue am Fähranleger. Dann setzt die St. Michael ein paar Meter seitlich über, wo schon die ersten Fahrgäste warten.
5.58 Uhr: Der erste Gast des Tages ist Federico Capice, der mit seinem E-Bike auf dem Weg von Monheim zur Arbeit im Chempark Dormagen ist. „Zum Glück fährt die Fähre wieder“, sagt er. Anfang der Woche war sie wegen Niedrigwasser ausgefallen. Was er da noch nicht weiß: Auch ab Sonntag, 26. Juli, wird sie wieder wegen Niedrigwasser im Hafen bleiben. Dann muss er den Umweg über die Autobahnbrücke nehmen. „Das ist 50 Minuten länger.“ Dem stimmt auch Martin Schulz zu, der ebenfalls mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit ist, allerdings heute ohne Motor, weil bei seinem E-Bike die Kette gerissen ist. Da würde der Umweg über die Brücke noch mehr in den Beinen schmerzen. „Wenn die Fähre nicht fährt, nehme ich doch eher das Auto“, sagt er. „Da kriege ich Ärger mit meiner Frau, wenn ich der das Auto wegnehme“, lacht Capice. Die arbeitet ebenfalls auf der anderen Rheinseite, im Kölner Aqualand. Bei Spätschichten kommt sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht nach Hause, auch für Capice ist das keine Alternative: „Da wäre ich mehr als zwei Stunden unterwegs – wenn die Bahn denn fährt.“

Die Radpendler Martin Schulz (l.) und Federico Capice sind die ersten Fahrgäste des Tages.
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6.04 Uhr: Die Fähre kommt zum ersten Mal an diesem Tag in Langel an, neben den beiden Radpendlern ist auch noch ein Traktor mit Anhänger an Bord. „Da drüben warten noch zwei Landwirte“, freut sich Kapitän Nguyen auf dem Rückweg gen Leverkusen. „Das macht Spaß, wenn an Bord auch was los ist.“ Gerade die Landwirte hatten sich vehement dafür eingesetzt, dass nach dem Aus der Fritz Middelanis wieder eine Autofähre angeschafft wird – schließlich können sie nicht mit Mähdreschern über die Autobahn fahren, auch viele Kölner Brücken sind wegen Schäden für sie gesperrt. Und überhaupt sei es kein Spaß, mit einem landwirtschaftlichen Gespann durch die Großstadt zu fahren.

Für Landwirte ist die Hitdorfer Fähre von besonderer Bedeutung.
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6.11 Uhr: Zurück in Leverkusen, wo jetzt sogar drei Traktorengespanne warten. Zwei passen auf die Fähre, eines muss noch eine Runde warten. Normalerweise hat Kapitän Nguyen nach der Frühschicht um 12.30 Uhr Feierabend. An diesem Tag wird er bis 14 Uhr fahren, denn der zweite Kapitän hat Urlaub. Radpendler Martin Schulz hat das gedanklich notiert: Pünktlich Feierabend machen und ja nicht die letzte Fähre verpassen.

Bei Pickartz ist die Theke mittlerweile gefüllt
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6.28 Uhr: Erneuter kurzer Stopp bei der Metzgerei Pickartz: Tatsächlich steht schon vor der Öffnung der erste Kunde vor der Tür. Er braucht 1,2 Kilo Mett für ein Geburtstagsfrühstück bei der Arbeit. Die Theke ist voll bestückt mit Fleisch, Aufschnitt, belegten Brötchen und warmem Essen. In der Küche läuft jetzt die Produktion: Daniels Bruder Patrick Pickartz bereitet Fleisch für Bratwürste vor, die Neffen, die zu Besuch aus Berlin gekommen sind, helfen eifrig beim Brötchenschmieren.

Patrick Pickartz bereitet Fleischmasse für Bratwürste vor
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6.50 Uhr: Im neuen Zustellstützpunkt der Deutschen Post an der Maybachstraße in der Fixheide nimmt die Arbeit Fahrt auf. Erst seit knapp drei Wochen ist das neue Zentrum in Betrieb, aber die Abläufe sitzen schon. Seit 6 Uhr ist die stellvertretende Standortleiterin Verena Thomas mit drei Innendienstlern da und bereitet alles vor: Insgesamt drei Sattelzüge mit Paketen erwartet sie heute, dazu eine Brieflieferung.

Verena Thomas zeigt, wie Pakete gescannt werden.
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7 Uhr: Pünktlich trifft der zweite Lkw des Tages ein. Thomas wirft einen Blick rein: „Der ist auch voll.“ Dann rückt ein Gabelstapler an, um die auf Rollbehältern verladenen Pakete schnellstmöglich auszuladen, der Fahrer muss wieder weg, strikter Zeitplan. „Ich bin froh, dass die WM vorbei ist“, sagt Thomas. Vor und während des großen Fußballturniers hatten sich Elektromärkte mit Angeboten für Fernseher überboten. „Teilweise hatten wir neun bis zwölf Rollbehälter nur mit Fernsehern hier stehen und die Kisten sind wirklich unhandlich.“ Es ist eben nicht nur die Weihnachtszeit, die die Post vor große Herausforderungen stellt. Auch der nächste Black Friday kommt bestimmt.

Am Check-in-Schalter werden die Arbeitsgeräte ausgegeben.
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7.05 Uhr: Die ersten Zusteller treffen ein. Dienstbeginn ist offiziell erst um 7.30 Uhr. „Viele kommen schon früher, um im Aufenthaltsraum zu frühstücken und sich mit den Kollegen auszutauschen“, erklärt Britta Töllner von der DHL Gruppe. Das sei etwas, was viele am Zustellerberuf schätzen: Teil eines Teams zu sein, gleichzeitig später bei der Ausfahrt aber auch sein eigener Chef.

Was nicht durch die Maschine passt, wird von Hand einsortiert.
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7.25 Uhr: Reger Betrieb am Check-in-Schalter. Hier holen alle Zusteller ihre Ausstattung für den Tag ab. Autoschlüssel, Drucker und vor allem den Scanner, der sie durch den Tag führt. Darauf ist alles gespeichert: die Route, jedes Paket und auch nützliche Informationen wie versteckte Briefkästen oder bissige Hunde. „Das Klischee vom Briefträger, der vom Hund gebissen wird, stimmt leider wirklich“, sagt Thomas aus eigener schmerzvoller Erfahrung.
7.45 Uhr: Die Sortierung läuft auf Hochbetrieb, die Stimmung auch: Es wird viel gescherzt und gerufen. Wer hat heute die meisten Pakete auf seinem Scanner? Briefe werden zum größten Teil vorsortiert geliefert, das hat eine Maschine übernommen, die nicht nur Adressen erkennt, sondern mittlerweile sogar so sortieren kann, dass bei Hochhäusern die Reihenfolge der Briefkästen von links oben nach rechts unten eingehalten wird. Einiges aber ist nicht sortierfähig: Zeitungen zum Beispiel oder Briefsendungen mit Nachweis. Die werden von Hand in Register sortiert, die jede Straße mit Hausnummer ausweisen.
Von dort kommen sie dann in die Transportboxen. Weiter hinten im Logistikzentrum arbeiten die Paketsortierer. Vier Verteilkreise mit jeweils sieben Autobezirken sind akribisch aufgebaut: Für jeden Autobezirk gibt es durchnummerierte Paketcontainer. Ein Mitarbeiter nimmt ein Paket vom Stapel, scannt es – dann wird auf dem Gerät die Nummer angezeigt, in das es von einem weiteren Mitarbeiter abgelegt wird. „Wer als Kind Tetris gespielt hat, hat hier auf jeden Fall Vorteile“, sagt Thomas. In dem Moment, in dem der Mitarbeiter das Paket scannt, bekommt der Kunde die Nachricht „Paket in Zustellung“. Denn wenig später ist die Flotte an gelben E-Autos auf der Straße.
