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Hitdorfer FähreLandwirte wollen nicht mit dem Mähdrescher durch Köln nach Leverkusen

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Friedhelm Kamphausen vom Grunder Hof Fähre fritz Middelanis

Der Leverkusener Landwirt Friedhelm Kamphausen vom Grunder Hof hat die Fähre Fritz Middelanis zum Beispiel im März 2018 für einen Stroh-Transport genutzt.

Ein Landwirt aus Pulheim setzte sich im Leverkusener Finanzausschuss dafür ein, die Fährennutzung auch für große Fahrzeuge zu erhalten.

Dass der Fährbetrieb über den Rhein zwischen Hitdorf und Köln-Langel erhalten bleiben soll, darin sind sich in Politik und Verwaltung alle einig. Doch wie genau das vonstattengehen soll, ist nach wie vor ein Thema reger Diskussion. Das zeigte sich auch in der jüngsten Sitzung des Finanz- und Digitalisierungsausschusses.

Die Stadt hatte zuvor schon mitgeteilt, dass die Reparatur der fahruntüchtigen Fähre „Fritz Maddelanis“, die im Dezember 2023 havariert ist, nicht mehr wirtschaftlich sei. Stattdessen wolle man künftig auf eine neue batteriebetriebene Fähre setzen, um Fußgänger und Radfahrer über den Rhein zu bringen. 

Verwaltung befürwortet batteriebetriebene Personen- und Fahrradfähre

Ein Grund dafür, eine reine Personen- und Radfähre zu bevorzugen, sei laut Verwaltungsvorlage vor allem, dass seit der Pandemie die Beförderung von Autos stark abgenommen habe, auch werde die Fähre von Motorrädern und landwirtschaftlichen Fahrzeugen sowie Lkw eher selten genutzt. Die neue Autobahnbrücke in nur fünf Kilometern Entfernung mache demnach eine Fähre für motorisierte Fahrzeuge „überflüssig“, heißt es im Antrag. 

Dem widersprach jedoch ein Pulheimer Landwirt vehement. Markus Wipperfürth, der den Hahnenhof nördlich von Köln betreibt, hatte Rederecht im Ausschuss beantragt und machte deutlich, wie nahezu unersetzlich ein Fährbetrieb zwischen Langel und Hitdorf für Landwirte der Umgebung sei. „Wir müssen regelmäßig mit Traktoren und Mähdreschern auf die andere Rheinseite“, machte Wipperfürth klar. „Wir fahren vom Rheinland aus Stroh ins Bergische und holen Heu wieder rüber. Und ich habe kaum eine andere Möglichkeit, um auf die andere Rheinseite zu kommen.“

Landwirte kommen mit ihren großen Gefährten nicht gut durch Köln

Warum? Mähdrescher und ähnliche Fahrzeuge hätten oft Überbreite. Man könne ja mal versuchen, damit durch Köln durchzufahren und dann über die Rheinbrücke, so Wipperfürth. „Wäre die Fähre nicht mehr für mich nutzbar, würde ein kompletter Betriebszweig wegbrechen“, sagte der Landwirt. 

Ähnlich gehe es auch seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Umland und aus Leverkusen, bei denen er eine Umfrage zum Thema Rheinfähre gestartet und die Ergebnisse zusammengetragen habe. Müssten die Betriebe und Landwirte „über Land“ fahren, wären das bei vielen von ihnen teilweise bis zu 40  Kilometer mehr Strecke. Insgesamt wären das bei rund 40 befragten Betrieben 39.721 Kilometer mehr ohne eine Fähre, so Wipperfürth. Der zusätzliche Kraftstoffverbrauch läge dann bei etwa 19.869,5 Litern. Wegen maroder Brücken in Köln könnten die meisten Landwirte und Betriebe ausschließlich über die Deutzer Brücke und Severinsbrücke über den Rhein fahren.

Wir können vielleicht eine zukunftsfähige Fähre mit Vorbildfunktion ans Laufen kriegen.
Landwirt Markus Wipperfürth

Es gebe nach Wipperfürths Ansicht aber auch gute Lösungen. „Im Prinzip steht ja alles zur Verfügung, man müsste es nur zusammenbringen“, sagte er dem „Leverkusener Anzeiger“. In Kooperation mit der Uni Aachen könnte eine Fähre umgerüstet werden, ist einer seiner Vorschläge, zum Beispiel auf Wasserstoff. Oder man könne die Strömung des Rheins wie bei einem Dynamo in Energie umwandeln. Es gehe um Ökologie und Ökonomie. „Wir haben innerhalb so kurzer Zeit so viele offene Türen, dass wir vielleicht auch eine zukunftsfähige Fähre ans Laufen kriegen, die eine Vorbildfunktion für ganz Deutschland dienen könnte.“

Der Redebeitrag von Markus Wipperfürth brachte zusätzlich Gesprächsstoff in die Debatte. Die CDU hatte zum Ausschuss einen Änderungsantrag gestellt, nach dem die Anschaffung einer Auto- und Personenfähre geprüft werden solle, anstatt einer reinen Personenfähre. Zudem schlägt die CDU die Miete oder den Kauf einer gebrauchten Fähre vor, die möglicherweise auf umweltfreundlichere Antriebsmittel umgerüstet werden könne. Und die Verwaltung solle prüfen, „inwieweit eine Betreibung der Fähre alternativ über eine privatwirtschaftlich geführte Gesellschaft oder Genossenschaft erfolgen kann“.

Fördermöglichkeiten und Kooperationen sollen geprüft werden

In ihrem Änderungsantrag geht die CDU ebenfalls auf die Bedeutung der Fährverbindung für Landwirte ein: „Gerade die Bauern und Landwirte beiderseits des Rheins brauchen eine befahrbare Fähre. Für den Transport regionaler landwirtschaftlicher Produkte. Der Verweis auf die befahrbare A1-Brücke ist für den landwirtschaftlichen Verkehr leider nicht zielführend.“

Dem stimmten einige im Ausschuss zu, so wie Monika Ballin-Meyer-Ahrens von der FDP. Sie sei froh über die Änderung der CDU, denn die Verwaltung habe eher einen „Schnellschuss“ in Sachen Fähre gemacht. Auch betonte sie, dass die Vorschläge von Markus Wipperfürth hilfreich seien: „Ich würde bitten zu prüfen, welche Fördermöglichkeiten und Kooperationsmöglichkeiten es gibt. Es ist wichtig, diese wirtschaftlich notwendigen Fahrten der Landwirte mitzuberücksichtigen.“ Das alles solle nochmal genauer geprüft werden, Leverkusen sollte breiter aufgestellt werden, so Ballin-Meyer-Ahrens. Deshalb beantragte sie, die Entscheidung in den Rat zu vertagen. 

Das sahen die anderen Ausschussmitglieder ähnlich, sodass die Vertagung in den Rat angenommen wurde – mit einer Gegenstimme der Linken. Stefan Baake von den Grünen merkte noch an, dass es viele Facetten zu bedenken gebe. Geld, Mobilität, Umwelt. Es sei außerdem seitens der CDU richtig gewesen, nach einer Sofortmaßnahme und Übergangslösung zu fragen, schließlich dauere eine Umrüstung oder Anschaffung einer Fähre auch ihre Zeit.

Skeptischer reagierte Milanie Kreutz aus der SPD-Fraktion. „Wir führen viel Verkehr durch unsere Stadt und sagen an anderen Stellen, das wollen wir nicht. Jetzt, wo es ein Politikum ist, sagen wir, wir müssen das unterstützen. Das finde ich schwierig.“

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