Das Disziplinarverfahren gegen sie wegen mehrerer Vergehen läuft davon unabhängig weiter.
Hausverbot aufgehobenLeverkusener Dezernentin Andrea Deppe darf wieder ins Büro kommen

Andrea Deppe kommt als Dezernentin zurück.
Copyright: Ralf Krieger
Die Baudezernentin Andrea Deppe soll wieder in den aktiven Dienst zurückkehren. Die Voraussetzungen für das Verbot der Führung der Dienstgeschäfte gemäß Beamtenstatusgesetz (Paragraf 39) lägen nicht mehr vor, schreibt die Stadt Leverkusen in einer Pressemitteilung am Montagabend. Sie soll am 1. August 2026 ins Büro in der Wiesdorfer Hauptstraße zurückkehren. Das Disziplinarverfahren, mit dem ihre möglichen Dienstvergehen wegen der nicht eingenommenen Rettungsdienstgebühren in Höhe von bis zu 84 Millionen Euro geahndet werden sollen, ist nicht beendet, sondern läuft unverändert fort. Deppe war mit fortlaufenden Bezügen vom Dienst freigestellt.
Ermittlungsführerin in diesem Disziplinarverfahren ist nicht die Stadt Leverkusen, sondern eine externe Kanzlei. Dies gewährleiste eine strikte Trennung zwischen Ermittlung und Verwaltungsgeschäften, schreibt die Verwaltung.
Andrea Deppe: Vorwürfe wegen versuchter Einflussnahme und Verschleierung
Im Raum stehen zudem der Vorwurf der versuchten Einflussnahme auf einen unabhängigen Gutachter durch Deppe und die Verschleierung des gesamten Vorgangs. Zudem soll Deppe die Aufklärungsarbeit der früheren SPD-Fraktionschefin Milanie Kreutz aktiv behindert haben, als diese als Ratsmitglied ihr Recht auf Akteneinsicht ausüben wollte. Milanie Kreutz soll noch nicht als Zeugin gehört worden sein.
Gegen Andrea Deppe war mit Eröffnung des Verfahrens ein Hausverbot für Verwaltungsräume ausgesprochen worden, um sicherzugehen, dass keine Beweise verschwinden. Die Verwaltung schreibt: Ermittlungen, Beweisanträge, Zeugenbefragungen und Akteneinsichtnahmen seien in der Zwischenzeit durch die Kanzlei erfolgt. Sämtliche relevanten elektronischen Daten seien gesichert worden. Der Gefahr einer Verdunkelung konnte in der Zwischenzeit unter Wahrung datenschutzrechtlicher und weiterer juristischer Vorgaben begegnet werden. Infolgedessen sei der Grund für das „Verbot der Führung der Dienstgeschäfte“ und die Hausverbote jetzt entfallen. Die Stadt schreibt aber, dass die Ermittlungen nicht beendet seien. Deshalb wäre es jetzt nicht mehr verhältnismäßig, Deppe weiter von der Dienstführung auszuschließen.
Fast ein Jahr nicht im Büro
Deppe war seit dem 25. August 2025 nicht mehr im Büro. Zum Ermittlungsstand gibt die Stadtverwaltung keine Informationen. Es gelte wie bei allen dienstrechtlichen Verfahren die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil festgestellt werde. Erst nach Abschluss des Verfahrens seien Maßnahmen zu treffen.
Gleichzeitig mit Deppe war ihre Büroleiterin aus dem Büro entfernt worden. Auch sie soll jetzt wieder arbeiten gehen dürfen. Weitere städtische Mitarbeiter sind mit der Dezernentin in das Disziplinarverfahren involviert: Neben Sachbearbeitern wird gegen den amtierenden Feuerwehrchef Thomas Kresse und den inzwischen pensionierten, ehemaligen Leiter der Feuerwehr, Hermann Greven, als „in der Leistungserbringungskette verantwortliche Verwaltungsbeamte“ ermittelt.
Wenn Andrea Deppe nächsten Monat wieder ins Büro kommt, wird sie keine Fehler mehr bei der Feuerwehr machen können: Die Verantwortung für die Feuerwehr bleibt vorübergehend organisatorisch im Dezernat des Beigeordneten Alexander Lünenbach, der auch in den vergangenen Monaten zuständig war. Sobald ein neuer Kämmerer gefunden worden ist, wird entschieden, von welchem Dezernat die Feuerwehr organisatorisch betreut werden soll.
Der Baudezernentin bleiben jetzt folgende Ämter: Stadtplanung, Katasteramt, Bauaufsicht, Grünflächenamt, Gebäudewirtschaft. Auch die TBL-Aufsicht und das Tiefbauamt übernimmt sie wieder.
Die Politiker wurden am Montagabend in der nicht-öffentlichen Ratssitzung über die Rückkehr Deppes in Kenntnis gesetzt. Als der Entschluss fiel, sollen die Grünen und die erste Reihe der CDU applaudiert haben.
Während ihrer Abwesenheit im Amt scheiterte ein Abwahlversuch aus der Politik. Um ein Abwahlverfahren einzuleiten, hätte die Hälfte aller Ratsmitglieder den Antrag per Unterschrift unterstützen müssen. Ratsherr Benedikt Rees (Klimaliste) hatte den Versuch gestartet, die erforderliche Mehrheit kam jedoch nicht zustande. Neben den Grünen lehnten auch die CDU-Mitglieder im Rat es ab, einen Abwahlantrag zu unterstützen.
