Auch gegen den amtierenden und den ehemaligen Feuerwehrchef wurden Disziplinarverfahren eingeleitet. Insgesamt wird gegen sechs Beamte ermittelt.
Verfahren gegen die Leverkusener BaudezernentinSchärfste Kritikerin soll als Zeugin aussagen

Andrea Deppe sitzt auf diesem Archivbild von 2023 zwischen Ex-OB Uwe Richrath und Markus Märtens (links).
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Fast neun Monate ist es her, dass die Leverkusener Baudezernentin Andrea Deppe von ihren Dienstpflichten entbunden wurde. Das war im vergangenen Sommer, Ende August. Seither erhält sie zwar ihre ansehnlichen Beamtenbezüge als Dezernentin weiter, darf aber nicht arbeiten. Eine eigentlich untragbare Situation, denn die Stadt kann die Führungsposition im Baudezernat nicht nachbesetzen, solange sie formal im Amt ist. Gegen Andrea Deppe läuft ein Disziplinarverfahren, das jetzt in Schwung kommen soll. Eingeleitet wurde es noch unter Oberbürgermeister Uwe Richrath, jetzt führt es Stefan Hebbel weiter.
In dem Verfahren fällt ausgerechnet der von den eigenen Genossen abgesägten ehemaligen SPD-Fraktionschefin Milanie Kreutz eine zentrale Rolle zu: In der nächsten Ratssitzung soll Kreutz von ihrer Schweigepflicht als ehemalige Ratsfrau entbunden werden, damit sie als Zeugin in dem Disziplinarverfahren aussagen kann. Sie gilt als Deppes schärfste Kritikerin. Ein entsprechender Antrag der Verwaltung, unterzeichnet von Stefan Hebbel, wurde in die nicht öffentliche Abteilung des Ratsinformationssystems eingestellt. Er liegt dem „Leverkusener Anzeiger“ vor.

Milanie Kreutz (links) war bis Oktober 2025 SPD-Fraktionschefin im Leverkusener Rat und hatte Versäumnisse bei den Rettunsdienstgebühren angeprangert.
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Die Vorwürfe gegen Andrea Deppe, die in einem zunächst außergerichtlichen Disziplinarverfahren geklärt werden sollen, beziehen sich auf Rettungsdienstgebühren, die die Stadt über Jahre nicht eingenommen hatte. Über lange Zeit soll Leverkusen keine gültige Gebührensatzung für den Rettungsdienst gehabt haben. Für die Feuerwehr war und ist das Dezernat der Baudezernentin zuständig.
Insgesamt könnten der Stadt bis zu 84 Millionen Euro verloren gegangen sein, weil Feuerwehrmitarbeiterinnen und -mitarbeiter von den Krankenkassen Geld für erbrachte Fahrten nicht abgerufen haben. Im Raum stehen zudem der Vorwurf der „versuchten Einflussnahme“ auf einen unabhängigen Gutachter durch Deppe, die „Verschleierung“ des gesamten Vorgangs und die Abwehr von Prüfversuchen aus der Politik, namentlich von Milanie Kreutz, über die im Verwaltungsantrag steht: „Das frühere Ratsmitglied Milanie Kreutz (SPD) hat im Rahmen ihrer politischen Tätigkeit im Sommer 2025 zur Aufdeckung des zugrundeliegenden Sachverhalts erheblich beigetragen. Zur Aufklärung des Sachverhalts ist es erforderlich, sie als Zeugin zu hören.“
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Milanie Kreutz hatte sogar nicht erst im Sommer 2025 ihre Nase in den Akten. Schon 2021 hatte sie auf das Problem aufmerksam gemacht. Aus der Zeit stammt ein erster Antrag von ihr, der auf Fehler im Dezernat hinwies und Aufklärung in der Sache forderte. Schon 2021 könnte Schaden in Millionenhöhe entstanden sein, aber im Dezernat scheinen die Versäumnisse weitergelaufen zu sein, die sich innerhalb von Jahren zu dem Rettungsdienstkomplex ausgewachsen hatten.
Ratsfrau soll behindert worden sein
Kreutz soll zu Beginn ihrer Recherche in der Verwaltung nicht unterstützt worden sein, sie sprach einmal davon, sie sei behindert worden. Das, obwohl Ratsmitglieder das Recht haben, Akteneinsicht zu nehmen, wenn ihnen Informationen fehlen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Sie sind dann allerdings bei vertraulichen Informationen zum Stillschweigen verpflichtet, was auch nach Beendigung des Ehrenamts noch gilt, weshalb Kreutz jetzt von der Verschwiegenheitspflicht entbunden werden muss.
Als gelernte Finanzbeamtin war die vormalige Fraktionschefin in der Lage, die Berechnungen zu durchschauen. Milanie Kreutz arbeitet in der Oberfinanzdirektion und übt eine Tätigkeit als stellvertretende Bundesvorsitzende im Deutschen Beamtenbund aus. Ein Termin für die Anhörung der Zeugen und Beteiligten im Dienstaufsichtsverfahren steht nicht in dem Antrag. Die Ermittlungen führen zwei Anwälte einer renommierten Wirtschaftskanzlei.
Mit Andrea Deppe sind weitere städtische Mitarbeiter in das Disziplinarverfahren verstrickt: Neben einigen Sachbearbeitern wird auch gegen den amtierenden Feuerwehrchef Thomas Kresse und den inzwischen pensionierten ehemaligen Leiter der Feuerwehr, Hermann Greven, als „in der Leistungserbringungskette verantwortlichen Verwaltungsbeamte“ ermittelt. In Grevens Amtszeit dürfte der wesentliche Anteil der nicht eingezogenen Gebühren gefallen sein. Gemeinsam mit Deppe soll ihre Büroleiterin, eine Beamtin, seit August 2025 von ihren Aufgaben im Baudezernat entbunden worden sein. Auch gegen sie hat die Stadt Leverkusen ein Disziplinarverfahren eröffnet.
Die Dezernentin Andrea Deppe ist eine Wahlbeamtin, 61 Jahre alt. Der Rat könnte sie abwählen, dann wäre eine Neubesetzung der wichtigen Stelle möglich. Das Disziplinarverfahren bliebe davon unberührt. Um eine Abwahl anzustoßen, müsste die Hälfte aller Ratsmitglieder die Absicht per Unterschrift bekunden. Ratsherr Benedikt Rees (Klimaliste) hatte diesen Versuch gestartet, die Mehrheit kam aber nicht zustande. Neben Grünen wollten auch die CDU-Mitglieder im Rat einen Abwahlantrag nicht unterschreiben. Ob ihre Beziehung zu dem einflussreichen CDU-Ratsherrn Frank Schönberger dabei eine Rolle spielt, ist nicht bekannt. Unbestätigten Informationen aus dem Rathaus zufolge soll die studierte Architektin eine Rückkehr in ihr Amt anstreben.
