Ibis wird NikiiLeverkusener Hoteliers wollen Chance in der Krise nutzen

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Die Brüder Lazar und Filip Vucinic vor ihrem neuen Projekt: Das ehemalige Ibis in der Lichstraße wird ein zweites Nikii.

Die Brüder Lazar und Filip Vucinic vor ihrem neuen Projekt: Das ehemalige Ibis in der Lichstraße wird ein zweites Nikii.

Leverkusen – Hotellerie und Gastronomie sind von der Coronakrise besonders schwer betroffene Bereich. Die Brüder Lazar und Filip Vucinic betreiben in ihrem Nikiis an der Lichstraße beides: Ein kleines Boutiquehotel mit 18 Zimmern und ein Steakhaus. Letzteres ist seit November geschlossen, auch einen Lieferservice bieten sie nicht an. „Wir haben einiges ausprobiert, aber wir können die Qualität gerade beim auf den Punkt gegarten Fleisch nicht zum Abholen anbieten, und dann lassen wir es lieber ganz“, sagt Lazar Vucinic.

Verhandlungen mit Vermieter

Zeit also, den Kopf in den Sand zu stecken? Überhaupt nicht. „Wir wollten unsere Marke immer erweitern und jetzt ist die beste Zeit dafür“, sagt Filip Vucinic. Zum einen, weil sich neue Perspektiven eröffnet haben, in direkter Nachbarschaft: Der Betreiber des Ibis-Hotels an der Lichstraße 72 hat den Standort aufgegeben. „Wir haben lange mit dem Besitzer gesprochen und er war bereit, uns mit der Miete entgegen zu kommen, so dass wir hier die Möglichkeit haben, langsam etwas aufzubauen“, sagt Lazar Vucinic. „Als er gesehen hat, dass wir beide mit eigenen Händen die alte Tapete von der Wand gerissen haben, wusste er, dass er den richtigen Partner gewählt hat.“

Staubige Großbaustelle

Denn das ist der zweite Faktor: Die Brüder haben aktuell Zeit. Das bestehende Hotel läuft zwar weiter und ist unter der Woche mit Geschäftsreisenden auch ganz gut gebucht. „Ansonsten steht jetzt ohnehin alles still, da hat man keinen Zeitdruck.“ Bis auf das Lieferdatum der Möbel, die Betten sind aktuell für Mitte Juni angekündigt. „Das verschiebt sich durch Corona alles stark“, sagt Lazar. Aktuell ist das Gebäude mit 63 Zimmern eine staubige Großbaustelle, es wird parallel an der Lobby, den Böden und Wänden der Zimmer gearbeitet. Entstehen soll ein Cityhotel, das modern sein, aber auch den Industriecharakter der Stadt spiegeln soll. „Es wird bunt und gemütlich, eine Mischung aus Holz, Samt und Grün“, schwärmt Filip Vucinic.

Aus altmodisch und abgewohnt soll modern und gemütlich werden – hier der Frühstücksraum.

Aus altmodisch und abgewohnt soll modern und gemütlich werden – hier der Frühstücksraum.

Auch die Küche soll hier grüner sein, als im naturgemäß fleischlastigen Steakhaus. „Das wird eher in Richtung Bowls gehen, gesünder und urbaner.“ Zum 1. Juli hoffen die Brüder eröffnen zu können. Von ihren Partnern wie der benachbarten Pronova BKK, Kronos, Bayer oder Lanxess haben sie bereits die Zusagen, dass sie Bedarf an weiteren Übernachtungsmöglichkeiten für Geschäftspartner haben. Eine wichtige Stütze. „Natürlich gehen wir hier ein großes finanzielles Risiko ein“, sagt Lazar Vucinic. „Aber wir haben in den letzten zwei Jahren gut gewirtschaftet und es war immer unser Plan, die Marke zu erweitern.“ So wollen sie bei allem Risiko die Chance nutzen, die die Krise auch mit sich bringt.

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Die gebürtigen Leverkusener hatten auch in Betracht gezogen, nach Düsseldorf zu expandieren, haben sich nun aber bewusst dafür entschieden, den nächsten Schritt in der Heimat zu gehen. „Auch wenn Geschäftsreisen durch Videokonferenz weniger werden, glauben wir, dass sich das auf Leverkusen nicht so stark auswirkt, weil es hier viel Industrie gibt“, denken die Brüder. Dennoch wollen sie vor allem mit dem neuen Hotel, das auch günstiger sein soll, auch Touristen ansprechen. „Mit dem Zug sind es zehn Minuten nach Köln und 15 nach Düsseldorf, die Lage ist doch perfekt.“

Appell an Kollegen

Ein bisschen Heimatliebe ist auch dabei. „Wir glauben an Leverkusen“, sagt Lazar. „Und wir wollen auch ein bisschen die Fahne hochhalten.“ Und an andere das Signal senden, gerade jetzt nicht den Kopf in den Sand zu stecken. „Sprecht mit Euren Vermietern, sucht nach kreativen Lösungen“, appelliert Lazar Vucinic an alle Kollegen in Not. „Es darf nicht sein, dass nach der Krise nichts mehr übrig ist.“

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