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JubiläumBayer Akkordeonorchester feiert 80. Geburtstag mit Konzert

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Bayer Akkordeonorchester

Bayer Akkordeonorchester

Das Akkordeon-Orchester Bayer Leverkusen gehört zu den erfolgreichsten Orchestern seiner Art in Europa. Jetzt feiert es 80. Geburtstag.

Die Dirigentin wartet auf Ruhe, es macht sich eine besondere Atmosphäre breit, man versteht sich blind. Dann ertönen zauberhafte Harmonien im Saal – es ist die Generalprobe vor dem Jubiläumskonzert des Akkordeon-Orchesters Bayer Leverkusen (AOB) und jede Note sitzt. 

Ursprünglich, als Otto Radzio das AOB 1942 gründet, soll es den Werksmitarbeitenden als Ausgleich dienen. Diese Funktion hat es auch heute noch für Viele. Der zweite Vorsitzende Michael Thielen zum Beispiel sagt: „Musik ist das Wichtigste in meinem Leben.“ Seit dem sechsten Lebensjahr spiele er schon Akkordeon – für ihn eine konstante Erdung im Alltag. Die ersten Auftritte hat das AOB 1943 im „Der Werkfunk am Mittwoch“. In den Kriegsjahren ist dann erst mal Schluss, bis am 12. Juli 1945 die Proben – ohne ein einziges gebliebenes Akkordeon oder Notenblatt – wieder anlaufen.

Bis heute stellt Nachwuchs ein Problem dar, schon 1952 erfolgt die Gründung eines Jugendorchesters zur Nachwuchsförderung. Schon beim Festkonzert zum zwanzigjährigen Bestehen spielt aber ein besonderer Mensch mit: Günther Schmitz. Heute ist er mit achtundachtzig Jahren der Erfahrenste im AOB, dabei habe er nie Musiker werden wollen, wie er verrät: „Ich habe nie gerne geübt, aber konnte immer gut vom Blatt spielen.“ Mit 18 hat er so sogar seine Ehefrau kennengelernt, als sie mit ihrem Akkordeonkoffer auf dem Fahrrad vom Gewölbe des Erholungshauses gerade wieder nach Hause radeln wollte.

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1986 erster internationaler Wettbewerb

Im Jahre 1975 beendet Gustav Haseke seine Dirigententätigkeit und Eberhard Schneider übernimmt. Dieser war Kölner Kantor und Regional-Schulleiter mit einem Repertoire, welches sich von Kirchenmusik bis zur moderne Musikrichtung erstreckt. Mit ihm nahm das AOB 1986 erstmals am internationalen Akkordeon-Festival in Innsbruck teil. Ein weiteres Highlight dieser Zeit ist der Beginn einer Freundschaft mit dem Shanty-Chor aus Brunsbüttel. „Gemeinsame Fahrten waren und sind immer gerne gesehen“, so Joachim Schmitz, „am liebsten gehen wir Wandern.“

Den Taktstock übernimmt von 1997 bis heute dann Monika Schneider. Neben ihrer Arbeit als staatlich geprüfte Akkordeonlehrerin in Leverkusen und Langenfeld leitete sie die Jugendorchester der Musikschule Leverkusen. Schon vom Beginn der Neunziger übernimmt sie den Taktstock des Akkordeon-Orchesters in Monheim-Baumberg.

Dieses musste sich vor kurzem, wie viele Akkordeon-Orchester in unseren Breitengraden, auflösen. Viele der Musikerinnen und Musiker spielen nun im AOB. Schneider hat es geschafft, ihre eigenen Akzente im Orchester zu verwirklichen und mit modernem, musikalisch anspruchsvollem Einfluss auch internationale Erfolge zu erzielen.

Ende 2001 gibt es einen Wechsel im Vorstand: Der jahrzehntelange erste Vorsitzende Günther Schmitz gibt sein Amt an seinen Sohn Joachim Schmitz – quasi ein Kind des AOB – weiter. Dennoch spielt der ehemalige Chef immer noch bei den wöchentlichen Proben regulär mit. Besondere Meilensteine in den zweitausender Jahren sind auch die Auftritte auf der Landesgartenschau. „Das spielerische Können der Konzertmeisterin im AOB“, beeindrucke Günther Schmitz am meisten.

Er erinnere sich bis heute auch besonders gerne an ein Konzert von Rudolf Würthner: „Dieser hat das Akkordeon umgedreht, da er an der rechten Hand den Daumen und einen Finger verloren hatte.“ Ihm selbst mache langsam das Gewicht des Akkordeons zu schaffen. Selbst das Entfernen der Stimmstöcke habe wenig Gewicht einsparen können. Der 88-Jährige lasse sich nicht gerne beim Tragen des über zwölf Kilogramm schweren Instrumentes helfen, verraten die anderen Musikerinnen und Musiker.

Musiker zwischen 23 und 88 Jahre alt

Am liebsten spiele er melodiöse, nicht zu moderne Stücke: „Ich mag nicht, dass vieles einfach zu schnell gespielt wird.“ Wohl auch deshalb fühle er sich im AOB so wohl, was sich schon immer durch eine große Bandbreite von Rock und Pop über Kirchenmusik bis hin zu modernen Stücken auszeichnet. „Die Musik, die wir machen, ist genauso unterschiedlich wie wir selbst“, findet Joachim Schmitz. Das AOB bestünde ihm nach aus fünfunddreißig bunt gemischten Menschen. Mit dreiundzwanzig ist Lorenz Briger der jüngste im Bunde. Für ihn sei die Akkordeon-Musik eine Konstante im Schichtdienst: „Ich kann hier noch so schlecht gelaunt reinkommen, ich gehe gut gelaunt wieder raus.“

In den nächsten Jahren geht es wieder Richtung Innsbruck zum „World-Music-Festival“. Es wurden große Erfolge erzielt – 2010 zum Beispiel der „Pokal aus Bergkristall“, eines der persönlichen Highlights von Joachim Schmitz. Durch die Umstrukturierung der Vereinsbetreuung der Bayer AG wird das AOB im Jahr 2011 zu einem eigenständigen Verein – Bayer fungiert lediglich noch als Sponsor.

Vor der Pandemie reist das AOB noch ein letztes weitere Mal nach Innsbruck zum „World-Music-Festival" und erzielt in der „Oberstufe A1“ die Auszeichnung „Hervorragend“. Dann muss es zuerst aus der lang genutzten Probestätte „Wiesdorfer Treff“ ausziehen, bevor durch Corona und nur noch wenig und online geprobt wird. Die erste Präsenzprobe kann erst wieder im August 2021 in der Musikschule Leverkusen mit reduzierter Besetzung stattfinden.

„Seit dem wir wieder voll besetzt sind, haben wir Asyl in der Kantine der Bayer Gastronomie in Flittard“, sagt Joachim Schmitz. Hier werde nun wöchentlich geprobt und es gibt glückliche Gesichter. Schriftführerin Annette Ahrens-Moritz beschreibt, dass beim Musizieren in der Gemeinschaft alles von ihr abfällt: „Musik macht glücklich!“

Das Jubiläumskonzert findet am Sonntag, 26. März, im Erholungshaus statt.

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