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Karneval mit Kabarett„Leverkusens Kleinste Sitzung“ ist wieder ganz groß

4 min
Das Team von „Leverkusens Kleinster Sitzung“ schart sich auf der Bühne um eine Schatzkiste.

Ende gut, alles gut nach vier Stunden Sitzung: Der Schatz der Nibelungen ist gefunden.

Wo ist der Nibelungenschatz versteckt? Die Suche nach dem Glück bestimmt den Abend und endet natürlich im Kulturausbesserungswerk.

Eine Schatzsuche als übergeordnetes Thema? Wer auf so etwas im Fasteleer trifft, ist nicht in irgendeiner Sitzung. Sondern in der kleinsten. „Leverkusens Kleinste Sitzung“ ist längst groß geworden, bietet vier Stunden Spaß. Und sie hat die Corona-Zwangspause ganz gut verdaut. Ist vielleicht auch leichter, als Karnevalszüge am Leben zu erhalten.

Voriges Mal gab’s nur Video, ein bisschen was davon kann man recyceln ohne zu langweilen im Kulturausbesserungswerk. Was wird gesucht, was ist das Glück, von dem immer wieder die Rede ist? Klar, der Nibelungenschatz. Wir sind ja in Leverkusen an der Dhünn. Natürlich ist die gemeint mit der Duna, an deren Gestaden die sagenumwobene Kiste laut der Überlieferung vergraben ist. Und nicht die Donau. Wäre doch gelacht, wenn das nicht die Wahrheit wäre. Stand doch am 1. April 1984 im „Leverkusener Anzeiger“.

Bayer-Kreuz, Bay-Arena, Bayer-Deponie

Der zweiköpfige Suchtrupp besteht aus Michael Meierjohann, dem Mastermind der LKS und dem Co-Moderator des Abends. Das ist diesmal Ex-Prinz Dieter, der in Wirklichkeit Fabian Vollbach heißt. Wer das nicht weiß, bekommt an der Theke Bescheid. Da sitzen Fans, direkt an der Quelle.

Die eigentliche Conférence ist in bewährten Händen. „Dä Gündä“, alias Wolfgang Müller-Schlesinger, hat längst einen derartigen Kultstatus, dass er samt Ohrensessel in den Saal zu tragen ist. Dann sitzt er links am Rand, im Lichte einer Stehlampe, die jedes Wohnzimmer im Gelsenkirchener Barock zum Strahlen bringen würde.

Trommeln auf Sondermüllfässern

So ist die Bühne frei für das, was Spaß macht. Für die DrumDocZ etwa, die – wir sind in Leverkusen – auf den blauen Plastiktonnen trommeln, die sich am Sondermüllofen immer weiter bewähren.

Oder Mark Welte, auch so ein lokaler Held, der diesmal als Sonderling auftritt, als erstes und einziges Mitglied des Vereins für politische Blockflöte. Der bringt nicht nur deshalb nichts auf die Reihe, weil die Blockflöte stumm bleibt. (Was das für ein Segen ist, macht Welte am Schluss vor: Die schlaue Uhr am Handgelenk reagiert auf das Geflöte mit einer Lärmwarnung.) Teil von Weltes Aktivistenbiographie ist eine Gruppierung, die am Ende nur backt und auf der Demo Muffins schmeißt. Und eine für Unentschlossene, die sich nie auf ein Treffen einigen kann. So versandet der politische Kampf – und am Ende auch ein bisschen Weltes Auftritt.

Stress mit der Fischsuppe

Mehr Gas geben die Klimakleber, die für ordentlich Stress im Publikum sorgen, weil sie einen Topf mit womöglich heißer Suppe dabei haben. Und eine Kelle, die drohend über manchem Kopf schwebt. Dass einer eine Heißklebe-Pistole dabei hat, deren Gebrauch am Fehlen einer Steckdose scheitert – klar, die kleinste Sitzung ist schließlich Karneval und Kabarett in einem.

Das zwischendurch politisch ist. Es ergeht – jetzt mal im Ernst – ein Aufruf, kommenden Dienstag zur Bürgerhalle zu kommen, wo ab 16.30 Uhr die monströsen Autobahn-Pläne – ebenso ernsthaft – als alternativlos verargumentiert werden sollen. Megastelze und eine A 3, breit, wie eine Landebahn: Was das aus Leverkusen macht, ist „eine einzige Verkehrsader“, schallt es von der Bühne.

Die „Infomesse“ der Autobahn GmbH nimmt auch Andreas Bender aufs Korn. „Sollen wir da beten?“ Würde vielleicht helfen als letztes Mittel bei so viel rücksichtsloser Planung. Als streng lokal unterwegs seiender Spötter findet Bender natürlich noch andere Themen: Im Angesicht der gebäudelosen Station Leverkusen-Mitte fragt er sich: „Ist das ein Bahnhof oder ein Dixi-Klo?“ Und eine Erklärung dafür, dass „Alt Schlebusch“ immer noch eine Ruine ist, hat er auch: „Das ist keine Baulücke, das ist eine Frischluftschneise.“

Erfrischend sind die Einspieler mit Michael Sabels Nachrichten, die Auftritte der Externen Hildegard Scholten und Torsten Schlosser, die sich bestens einfügen in diese charmante Mixtur. Dass am Ende der Spurensuche am Bayer-Kreuz, am Stadion und an der Wuppermündung die Kiste mit dem Nibelungenschatz unter Triumphgeheul ins KAW geschleppt wird, versteht sich. Unter irgendeinem Stuhl klebt der Schlüssel zur Truhe und zum Glück. Fürwahr.