Das Empörungspotenzial zum Thema Verkehr ist groß – warum hat es sich nicht beim Protest gegen den Autobahnausbau entladen, fragt sich unsere Autorin.
VerkehrDas größte Staudrama steht Leverkusen noch bevor


Die Autobahnbaustelle am weitläufigen Rheinufer lässt erahnen, was innerstädtisch auf Leverkusen zukommt.
Copyright: Ralf Krieger
Die Ergebnisse der Umfrage des „Leverkusener Anzeiger“ mögen wissenschaftlich nicht repräsentativ sein, sie zeigen aber doch eine klare Richtung an. Das größte Ärgernis der Menschen in der Stadt gilt nicht etwa dem vom Bundeskanzler propagierten „Stadtbild“ oder der Sicherheit, die Oberbürgermeister Stefan Hebbel als Topthema auf seiner Wahlkampagne hatte. Es ist das Thema Verkehr, auf allen Ebenen: von ungenügenden Radwegen und Bus- und Bahnverbindungen bis hin zu Baustellen und Staus.
Leider muss man all diesen Menschen sagen: Der Höhepunkt des Dramas steht noch bevor. Wer sich aktuell die Brückenbaustelle am Rheinufer anschaut, kann die Dimensionen erahnen. Das gesamte Gelände ist weiträumig abgesperrt, Radwege werden umgeleitet, Straßenverbindungen regelmäßig gesperrt. Und es gibt große Freiflächen, auf denen die tonnenschweren Baumaterialien gelagert werden können. Wenn die Brücke erst steht und die gigantischen Ausbauarbeiten weiter die Stelze entlangziehen, steht der Stadt der endgültige Verkehrskollaps bevor. Das wird sich nun wohl nicht mehr ändern lassen.
Verkehr in Leverkusen: Ungenutztes Empörungspotenzial
Die Frage bleibt: Warum ist das Empörungspotenzial der Leverkusener zu diesem Thema weitgehend ungenutzt geblieben? Ja, die Initiative „Keine Meter mehr“ hat sich sehr engagiert gegen den Ausbau gestellt. 11.200 Unterschriften einer Online-Petition, 6000 Protestbriefe nach Berlin und ein paar Hundert Menschen bei Demonstrationen sind aber kein geschlossenes Bild einer 170.000-Einwohner-Stadt. Haben die Stadt, die politischen Parteien und alle gesellschaftlichen Akteure von Schulen über Vereine, soziale Einrichtungen und Medien genug getan, um die Bevölkerung gegen die Ausbaupläne des Bundes auf die Straße zu bringen und ein wirklich eindrucksvolles Zeichen nach Berlin zu schicken? Hätte man Bilder von Demonstrationen mit zehntausenden Menschen in Berlin ebenso wegignorieren können? Vielleicht, aber doch nicht ganz so einfach.
Wenn wir dann alle in diesem allumfassenden innerstädtischen Stau stehen oder später auf die monströse Stelze quer durch die Stadt schauen, können wir auf „die da oben“ schimpfen, die das beschlossen und durchgeboxt haben. Zurecht. Und uns aber auch gleichzeitig fragen: „Habe ich mich genug dagegen gewehrt?“

