Eine Aachener-Filiale im ehemaligen Kaufhof rückt mit der Insolvenz in immer weitere Ferne. Vielleicht ist das auch gut so. Ein Kommentar.
Kommentar zum „Aachener“-DesasterDen weißen Reiter gibt’s für Leverkusen nicht


Ob ein Aachener Department Store in die ehemalige Kaufhof-Filiale in Wiesdorf einzieht, steht mehr denn je auf der Kippe.
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Mitte März die Hiobsbotschaft: Der Kaufhof in Leverkusen schließt. Keine drei Wochen später taucht dann am Horizont der weiße Reiter für die Kaufhof-Filiale am Wiesdorfer Platz in Gestalt von Friedrich-Wilhelm Göbel auf. Göbel, Gründer und Chef von Aachener Modehaus, macht klar, dass er Leverkusens Kaufhaus-Tradition fortführen will. Schöner, heller, moderner, mit deutlich mehr Personal. Der verbindlich wirkende Göbel erscheint mit seinem Plan wie der wundersame Retter für einen Einzelhandels-Saurier – und für das gesamte Umfeld am westlichen Ende der Fußgängerzone gleich mit: die Breidenbachstraße, die Luminaden, den Marktplatz.
Auf Plakaten an den Schaufenstern der leergeräumten Kaufhof-Filiale lässt Göbel die Neueröffnung seines Aachener Departmentstore zunächst für September ankündigen. Doch Anfang August sind noch immer keine Handwerker in dem Gebäude zu sehen, die die immerhin 13.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche auf Vordermann bringen sollen. Die Eröffnung verschiebt Göbel erst auf Oktober, dann auf November. Anfang dieses Monats taucht er unter. Er wird mit Haftbefehl gesucht, weil er nicht vor Gericht erschien, als gegen ihn wegen falscher eidesstattlicher Versicherung verhandelt wurde.
Doch nicht nur Göbel persönlich hat erhebliche Probleme. Auch sein Unternehmen ist, das steht seit Donnerstag fest, in erheblicher Schieflage. Und die Idee vom Aachener Department Store, der mit seiner Anziehungskraft die Wiesdorfer City bereichert, ist damit erledigt, bevor sie überhaupt magnetische Wirkung entfalten konnte. Von den neuen Herren im Aachener Modehaus gibt es zu Göbels hochfliegenden Plänen in Leverkusen und anderswo in der Republik nur ein bisschen verbale Trostsalbe. Man prüfe die Möglichkeit einer baldigen Eröffnung.
Natürlich. Was sollen sie auch sonst schreiben, die Juristen, die da jetzt Entscheidungen zu treffen haben? Entscheidungen, die zunächst einmal darauf ausgerichtet sind, den Geschäftsbetrieb überhaupt am Laufen zu halten und damit 355 Männern und Frauen im Gesamtunternehmen den Arbeitsplatz zu retten. Wie viele davon bereits für den Standort Leverkusen arbeiten, ist offen.
Die Stadt und mit ihr die Stadtteilentwicklungsgesellschaft Wiesdorf/Manfort tun jetzt gut daran, nicht weiter auf das moribunde Pferd namens Aachener Department Store zu setzen, sondern als baldige Eigentümer der Riesen-Einzelhandelsimmobilie ein neues Konzept zu entwickeln. Ein Anfang ist im Gespräch mit den Bürgern Ende Oktober im City-Labor gemacht worden. Da ging es um mehr und bezahlbare Wohnungen, mehr Grün, mehr Aufenthaltsqualität in der Wiesdorfer City. Das hat Zukunft.

