Leverkusen – Wer sich Sven Drühls Bilder und Skulpturen anschaut, der denkt sofort an Wörter wie „gewaltig“, „kalt“ oder „hart“. Denn der Blick fällt auf Bergketten, Gletscherzungen, Wellenberge. Auf Plastiken von Gebirgszügen und Gipfeln, wie man sie aus naturkundlichen Museen kennt. Indes: Es handelt sich nicht um echte Motive im Sinne von: aus der Natur eins zu eins übernommen. Bei Sven Drühl ist alles imaginär, einzigartig, nur in seiner Kunst vorkommend. Und gerade das macht seine Ausstellung mit dem Titel „Die Aufregung II – 20 years later“ so eindrücklich.
Ausstellung in Leverkusen: Ein tiefer Ernst hat sich eingeschlichen
Denn im Gegensatz zu seinem ersten Gastspiel am gleichen Ort vor 20 Jahren, hat sich ein noch viel tieferer Ernst in seine Kunst geschlichen. Aus virtuellen Bildern von zufällig generierten Landschaften, die ihm als Vorlage dienen, macht Sven Drühl Gemälde, die auch Fotos von realen Orten, etwa in den Alpen oder Anden, entspringen könnten. Was sie nicht tun. Drühl spielt nämlich vielmehr mit Verfremdung.

Imaginäre Landschaften - vor allem Berg-Motive - stehen im Zentrum der meist großformatigen Bilder.
Copyright: Frank Weiffen
Die Plastiken und Bergrelief-Skulpturen zudem, die im Gegensatz zu den Bildern tatsächlich real existierende Gebirgszüge abbilden, bearbeitet er mit Hammer und Meißel so lange, bis gänzlich neue Strukturen entstehen.

Die Werke Sven Drühls sind bis zum 4. Dezember in der Galerie des Kunstvereins zu sehen.
Copyright: Frank Weiffen
Metapher auf den Menschen
Eine wunderschöne Metapher ist all das auf den steten Drang des Menschen, in die Natur einzugreifen. Sie umzumodeln, sie zu bearbeiten bis zum Gehtnichtmehr. Sie sich untertan zu machen. Bis wortwörtlich kein Stein mehr auf dem anderen steht. Drühls mitunter mehrteilige Wasserbilder wiederum scheinen den Betrachtenden zu überrollen, unter sich zu begraben.
Es geht überall in der Galerie des Kunstvereins um Wucht und um die Überlegenheit der Natur gegenüber dem kleinen, im Weltenlauf letztlich nur als Randnotiz wahrzunehmenden Menschen. Und ebenso um dessen Drang, die Natur dennoch aus den Angeln zu heben. Ein starkes Statement, das tatsächlich dem Titel der Ausstellung nach aufregt und zeigt, warum genau diese Aufregung und Empörung in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels so wichtig ist.
„Die Aufregung II – 20 years later“ wird am Freitag, 4. November, um 19.30 Uhr in der Galerie des Kunstvereins in den Remisen des Schlosses eröffnet und ist dort bis zum 4. Dezember zu sehen. Öffnungszeiten: freitags von 13 bis 17 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter 0160 / 553 22 25.
www.kunstverein-leverkusen.de
