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Kunstverein LeverkusenWie Katleen Vinck in Morsbroich mit unserer Wahrnehmung spielt

3 min
Eine Frau steht in einem Raum mit Skulpturen.

Katleen Vincks Arbeiten sind erstmals in Deutschland in einer Einzelausstellung zu sehen.

Die Belgierin Katleen Vinck stellt unter dem Titel „Gestalt“ ihre Skulpturen in den Räumen des Kunstvereins aus.

Ob sie in ihrer Kindheit viele Science-Fiction-Filme gesehen hat? Katleen Vinck lacht. „Ich halte die Geschichten, die Science-Fiction-Filme erzählen, nicht aus. Aber ich mag das Design“, sagt die bei Antwerpen geborene Bildhauerin bei der Vorstellung ihrer Arbeiten in den Räumen des Kunstvereins. Wer also kürzlich den Film „Der Astronaut“ im Kino gesehen hat, nun vor einer von Vincks Skulpturen in den Remisen von Schloss Morsbroich steht und meint: Moment mal, das sieht doch so aus wie das Raumschiff von Rocky – also dem Wesen, das der menschliche Astronaut im Weltall trifft –, der liegt falsch. Und auch wieder nicht.

Die in Rede stehende Skulptur heißt „Axis Mundi“, also Achse der Welt. Die beiden Welthälften werden in ihr senkrecht geteilt von verschieden langen Stahlstreben, die eben irgendwie an dieses Raumschiff erinnern. Aber diese Welthälften, die Vinck da aus Holz, Kunststoff, Kunstharz  und Zement geschaffen hat, sehen die nicht eher aus wie ein Auge? Sind das nicht Wimpern, die da strahlenförmig von der leeren Augenhöhle wegführen? Vinck, so heißt es im Text der Kunstvereinsvorsitzenden Susanne Wedewer-Pampus zur Ausstellungsmappe, „liebt es mit Titeln zu spielen, uns an der Nase herumzuführen“.

Das schafft sie etwa dadurch, dass sie ihre Skulpturen oft mit einer dünnen Schicht Zement überzieht. Sie wirken alle kühl, schwer, manche sehr wuchtig. Die Oberflächen sind zudem nie einfach glatt und makellos, sondern haben Kratzer, Bearbeitungsspuren, wirken wie gerade in einem archäologischen Projekt ausgegrabene Relikte einer längst vergessenen Zeit. Wie zum Beispiel die der Ausstellung ihren Titel gebende Skulptur „Gestalt“.

Katleen Vinck mit ihrer Skulptur „Present Tense“

Katleen Vinck mit ihrer Skulptur „Present Tense“

Das, was die 50-Jährige, die in Gent an der Königlichen Akademie für die Schönen Künste die Abteilung für Bildhauerei leitet, als „Gestalt“ geschaffen hat, ist zunächst mal eine aus verschiedene geometrischen Formen zusammengesetzte Keramik. Das Auge des Betrachters gibt der Skulptur Gestalt, menschliche Form. Man „sieht“ einen Kopf, Arme, einen Torso. Vinck: „Ich gehe von der Architektur aus, nicht im Sinne einer bestimmten Epoche, sondern in einem allgemeinen Sinn. Mir ist wichtig, die Verbindungslinien zwischen Natur und Architektur zu zeigen. Und in der Architektur gibt es viele anthropomorphe Aspekte.“

Und so montiert Vinck ein kosmisches Flügelwesen auf zwei Stahlbeine, hängt im Kunstverein etwas an die Wand, das wie ein kunstvoll gepellte Orange wirkt, einerseits... Aber wieso hat die Orange ein Bullauge? Und konfrontiert den Betrachter mit Arbeiten, die wie „Weltraummüll“ (Wedewer) aussehen. Alles um uns einzuladen, die Schublade, die wir über unsere Wahrnehmung im Begriff sind zu öffnen, vielleicht doch nochmal zu hinterfragen. 

Gelegenheit dazu ist ab Freitag, 8. Mai: Um 19.30 Uhr, wird die Ausstellung in Anwesenheit des belgischen Honorarkonsuls, Andreas Schaeben, eröffnet. 

Die Ausstellung „Gestalt“ mit Arbeiten von Katleen Vinck ist bis Sonntag, 7. Juni, jeweils freitags von 13 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet; am Sonntag, 9. Mai, ist die Ausstellung im Rahmen der Morsbroicher Kunsttage von 15 bis 22 Uhr, und am Sonntag 10. Mai von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Nach Vereinbarung unter 0160 553 22 25 ist die Ausstellung darüber hinaus zu besichtigen.