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75 Jahre an der Seite der MenschenBetreuungsverein feiert Jubiläum in Leverkusen

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Vertreterinnen und Vertreter des Betreuungsvereins, des Diakonischen Werks und des Kirchenkreises Leverkusen bei der Jubiläumsfeier.

Vertreterinnen und Vertreter des Betreuungsvereins, des Diakonischen Werks und des Kirchenkreises Leverkusen bei der Jubiläumsfeier (v. l. n. r.): hinten Sebastian Greiner, Bianka Stöcker-Meier, Anika Overath und Bernd-Ekkehart Scholten; vorne Julia Graßhoff, Anne Boddenberg, Moniky Petry und Sümeyra Sarikoc.

75 Jahre Hilfe, die ankommt: Der Betreuungsverein des Diakonischen Werks feierte sein Jubiläum im Zeichen von Menschlichkeit und Selbstbestimmung.

Die Tore des Gemeindebüros der evangelischen Kirchengemeinde „Am Bielert“ stehen weit offen. Nach und nach treffen Mitarbeitende, Angehörige und Wegbegleitende des Betreuungsvereins e. V. des Diakonischen Werks ein. Der Verein feiert an diesem Freitag sein 75-jähriges Bestehen. Der Saal ist liebevoll vorbereitet. Die Stühle stehen ordentlich in Reihen, im Küchenbereich wartet bereits ein kleines Buffet auf die Gäste. Um 11 Uhr eröffnet Superintendent des Kirchenkreises Leverkusen, Bernd-Ekkehart Scholten, die Veranstaltung. In seiner Begrüßung blickt er auf die Geschichte und Entwicklung des Vereins zurück, der bereits 1951 gegründet wurde. „Der Verein war bei seiner Gründung zeitlich gesehen so weit weg vom Ende des Zweiten Weltkriegs, wie wir heute von Corona“, erklärt Scholten.

Bei der Gründung des Vereins gab es das heutige Betreuungsrecht noch nicht. Erst mit dem Inkrafttreten des Betreuungsgesetzes im Jahr 1992 wurde die Betreuung rechtlich neu geregelt und löste das bis dahin geltende Vormundschaftsrecht ab. Damit rückten die Selbstbestimmung und die Mitbestimmung der betreuten Menschen stärker in den Mittelpunkt. Die Reform von 2023 stärkte diesen Ansatz weiter. Der Wille der betreuten Menschen ist seitdem noch klarer der zentrale Maßstab für Entscheidungen. Für den Betreuungsverein war dieser Gedanke jedoch bereits seit seiner Gründung ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Scholten dankte allen Mitarbeitenden sowie den ehrenamtlichen Betreuenden für ihren Einsatz. Sie unterstützen Menschen, die einzelne Bereiche ihres Lebens nicht mehr vollständig eigenständig regeln können, und stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

Unterstützung, die oft unsichtbar bleibt

Dieser Dank wurde von den weiteren Rednerinnen und Rednern aufgenommen: Marion Petry, Geschäftsführerin des Betreuungsvereins, Anika Overath, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks, sowie Bürgermeisterin Annegret Bruchhausen-Scholich, die in Vertretung für Oberbürgermeister Stefan Hebbel gekommen war.

Auch ein zuständiger Richter des Amtsgerichts Leverkusen würdigte die gute und unkomplizierte Zusammenarbeit. In den Beiträgen wurde deutlich, wie sehr die Arbeit des Vereins von Menschlichkeit, Respekt und dem Einsatz für die Würde jedes einzelnen Menschen geprägt ist. In seiner Haltung gegenüber den betreuten Menschen nahm der Verein damit viele Gedanken vorweg, die heute im Betreuungsrecht fest verankert sind. Ein kleiner Film gab anschließend Menschen eine Stimme, die selbst Unterstützung durch eine Betreuung erhalten, sowie ehrenamtlich Betreuenden. Sie berichteten davon, wie sehr die Beratung und Begleitung des Vereins ihren Alltag bereichert.

Betreuung kann jeden treffen

Auch nach dem offiziellen Teil blieb der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Während sich die Gäste am Buffet stärkten, kamen betreute Menschen mit Mitarbeitenden und ehrenamtlich Betreuenden ins Gespräch. Die vielen persönlichen Begegnungen zeigten, wie wichtig Vertrauen und Begleitung im Alltag sind. „Der Bedarf an Betreuung steigt“, erklärt Anne Boddenberg, Mitarbeiterin des Betreuungsvereins und zuständig für die Querschnittsarbeit. Sie berät Menschen zu Themen wie Patientenverfügung, Betreuungsverfügung und Vorsorgevollmacht. Denn Betreuung betrifft nicht nur ältere Menschen: Ein Unfall oder eine Erkrankung kann jederzeit dazu führen, dass Unterstützung notwendig wird.

Gerade beim Thema Vorsorge gibt es häufig Unsicherheiten. Auch Ehepartnerinnen und Ehepartner können nicht automatisch in allen Bereichen füreinander entscheiden. Das Ehegattennotvertretungsrecht ermöglicht lediglich eine zeitlich begrenzte Vertretung in bestimmten Gesundheitsfragen. Andere Bereiche wie finanzielle Angelegenheiten oder Postangelegenheiten bleiben davon unberührt.

Der Betreuungsverein informiert und berät hierzu und unterstützt außerdem Menschen, die ehrenamtlich eine Betreuung übernehmen möchten. Eine weitere Aufgabe ist die sogenannte Zweitbetreuung. „Hat eine ehrenamtlich betreuende Person keinen Zweitbetreuer an ihrer Seite und benötigt für eine kurze Zeit eine Stellvertretung, kann der Verein dies übernehmen“, erklärt Boddenberg. Gründe dafür können beispielsweise ein Urlaub oder ein vorübergehender Krankheitsfall sein.

Gemeinsam feiern und ins Gespräch kommen

Ab 13 Uhr verlagerte sich die Feier auf das Außengelände. Bierbankgarnituren und Stehtische luden zum Verweilen ein, Pavillons und Sonnenschirme boten Schutz vor der Sonne. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Band Bianca Rosa Klever Music Show. Ein Foodtruck versorgte die Gäste mit Currywurst und Pommes.

Diakoniepfarrer Ulrich Görn, der an der Feier teilnahm, fasste in einer kurzen Ansprache das Anliegen des Vereins zusammen. Er erinnerte an eine biblische Geschichte, in der Jesus Menschen begegnet und sie fragt: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Dieser Satz stelle den Menschen mit seinem eigenen Willen und seiner Würde in den Mittelpunkt. Genau darum gehe es auch dem Betreuungsverein: Menschen zu unterstützen, ohne ihnen ihre Selbstbestimmung zu nehmen.