Vor fünf Jahren hat Leverkusen das kommunale Integrationsmanagement eingeführt – mit Erfolg, heißt es zum Jubiläum.
Fünf Jahre IntegrationsmanagementWie aus Frust „ich liebe Leverkusen“ wird

Cansu Aslan (r) betreut Ahmed Mohsin im kommunalen Integrationsmanagement.
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Ahmed Mohsin ist nicht der typische Klient im Servicepoint Integration – und vielleicht gerade deswegen ein Paradebeispiel. Denn: „Jeder Fall ist anders“, sagt Cansu Aslan, die seit Mai 2024 als Casemanagerin im kommunalen Integrationsmanagement Leverkusen (KIM) arbeitet. Als Casemanagerin sieht sie sich als „Brücke zwischen Mensch und Behörde“, erklärt die studierte Lehrerin – und zwar auf allen Ebenen: Ob es nun um Sprachkurse, Aufenthaltsrecht oder Kitaplätze geht.
Ahmed Mohsin ist einer ihrer aktuell 53 Klienten, die sie parallel betreut. Der gebürtige Iraker ist eher durch Zufall zu ihr gekommen: Er hatte eigentlich Fragen für eine Freundin. „Dabei stellte sich heraus, dass es bei ihm auch viele offene Baustellen gibt“, erzählt Cansu. „Ich bin seit elf Jahren in Deutschland“, erzählt der 27-Jährige. Als er nach Leverkusen kam, war er noch nicht ganz volljährig. Er sei hier zur Schule gegangen, „aber leider ohne Abschluss“. Dennoch habe er schließlich in den Arbeitsmarkt gefunden, wollte aber den Job wechseln, hier kam Cansu ins Spiel. „Ich habe mit ihm geübt, wie man Bewerbungen schreibt und einen Lebenslauf aufsetzt.“ Mittlerweile arbeitet Mohsin bei einem Autoteilehersteller in Burscheid und ist dort sehr zufrieden.

Die Kooperationspartner vor dem Service-Point Integration in den Wiesdorfer Luminaden
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Neu zugewanderte Menschen in den Arbeitsmarkt zu bringen, ist eines der vorrangigen Ziele des Landesprogramms „Kommunales Integrationsmanagement NRW“, das 2020 gegründet und in Leverkusen seit Februar 2021 umgesetzt wird. Von Beginn an in Kooperation mit drei Partnern: der Caritas, dem Diakonischen Werk und der Awo. „Das ist landesweit ein Alleinstellungsmerkmal“, betont Sozialdezernent Alexander Lünenbach bei einer Pressekonferenz zum fünfjährigen Bestehen des Angebotes.
Bevor es an den Arbeitsmarkt gehen kann, stehen aber oft viele Hürden im Weg. Sprachkurse stehen oft an erster Stelle, manchmal aber auch ganz einfache Dinge: „Dass Frauen, die das in ihren Ländern vielleicht nicht durften, Fahrradfahren lernen“, sagt Olivia Müller (Awo). „Anerkennungen von im Ausland erworbenen Abschlüssen dauern unendlich lange“, klagt Cansu – dabei würden die Arbeitskräfte hier dringend gebraucht. „Tatsächlich suchen sich mittlerweile viele Zugewanderte ein Ehrenamt“, berichtet Carsten Wellbrock (Caritas), um Wartezeiten zu überbrücken, sich nützlich zu machen und die Sprache zu lernen.
13,5 Stellen in Leverkusen
13,5 Stellen fördert das Landesprogramm in Leverkusen, acht davon sind Casemanagerinnen wie Cansu. Viele haben selbst einen Migrationshintergrund, sprechen verschiedene Sprachen. „Das hilft oft, dass die Menschen schneller Vertrauen fassen“, sagt Cansu. Mitte 2022 wurde das Case-Management gestartet, seitdem wurden 720 Personen begleitet, aktuell befinden sich 356 in der Betreuung. Der erste Anlaufpunkt ist oft der Service-Point Integration in den Luminaden oder die Anlaufstellen der Freien Träger, die sich über das Stadtgebiet verteilen. „Das war uns wichtig, dass wir zum einen hier zentral in der City sind, aber auch niedrigschwellig in den Stadtteilen“, betont Lünenbach.
Häufig sei es so, dass Zugewanderte mit einer Fragestellung zu ihr kommen und sich im Laufe des Gespräches noch viele weitere Baustellen auftun. So auch bei Ahmed Mohsin. Er ist in Leverkusen bestens integriert, spielt Fußball auf hohem Niveau, hat Arbeit und Freunde. Deswegen hatte er schon 2023 selbstständig die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Das Antwortschreiben verstand er nicht richtig – zu viel Bürokraten-Deutsch. Cansu half ihm mit dem Schreiben – seit Februar dieses Jahres hat er einen deutschen Pass. „Ich liebe Leverkusen“, sagt der 27-Jährige. „Das ist meine Heimat, ich will bis zum Ende meines Lebens hier bleiben.“
