Aus Sorge um ihre 89-jährige Freundin schrieb sie den Vorstand des Caritas-Verbandes an. Nun sollen kurzfristig Klimageräte gekauft werden.
HitzewelleBetreuerin drängt auf mehr Schutz für Bewohner des Brauweiler Seniorenzentrums

Bewohnerinnen und Bewohner werden in St. Nikolaus von 103 Mitarbeitenden betreut. Angehörige einer Bewohnerin befestigten zuletzt Folie auf der Außenseite des Zimmerfensters (links), damit sich das Glas weniger aufheizt.
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Christine Hucke besucht ihre Freundin jeden Tag im Seniorenzentrum St. Nikolaus in Brauweiler. Nach Beginn der Juni-Hitzewelle verließ die Brauweilerin die 89-Jährige allerdings „mit einem ganz schlechten Gefühl“. Der Grund: Im Zimmer, im Gemeinschaftsraum und in den Fluren sei es von Tag zu Tag immer heißer geworden.
„An einem Morgen um 10 Uhr waren es im Zimmer meiner Freundin 30,5 Grad, obwohl der privat angeschaffte Ventilator auf vollen Touren lief“, erzählt die 78-Jährige. In einem Wohnbereich seien es abends 33 Grad gewesen. Das Hauptproblem für Christine Hucke: Im gesamten Haus gebe es keine Kälte-Insel, also einen Raum, in dem sich die Pflegebedürftigen abkühlen könnten.
Pulheim: Verband will kurzfristig Klimageräte anschaffen
Dabei böte sich die Cafeteria im Erdgeschoss dafür an. Das wollte die engagierte ehemalige Schulleiterin nicht hinnehmen, zumal auch viele andere Angehörige und Betreuende sich große Sorgen um die Bewohnerinnen und Bewohner machten. Schon am 22. Juni schrieb sie an den Vorstand des Caritasverbands für den Rhein-Erft-Kreis und drängte auf kurzfristige Lösungen. Und sie wandte sich an diese Zeitung.
Nun teilte Pressesprecher Carsten Preis der Redaktion mit: „Ende der vergangenen Woche war ein Fachunternehmen vor Ort, um über die kurzfristige Anschaffung von Klimageräten zu beraten. Die dafür erforderlichen finanziellen Mittel stehen nun zur Verfügung. Unser Ziel ist es, zusätzliche Möglichkeiten zu schaffen, die Bewohnerinnen und Bewohner bei außergewöhnlichen Hitzebelastungen wirksam zu entlasten.“

Christine Hucke macht sich beim Vorstand des Caritasverbands Rhein-Erft für Investitionen in mehr Hitzeschutz und für Kälte-Inseln im Seniorenzentrum St. Nikolaus in Pulheim stark.
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Christine Hucke lobt ausdrücklich die Heimleitung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von St. Nikolaus für ihre Arbeit. Sie täten alles, um die Bewohnerinnen und Bewohner während Hitzetagen gut zu versorgen. Sie folgen damit laut Caritas dem Hitzeschutzplan des Verbands: Es gebe Trinkrunden, viel Obst und Eis, aber auch mehr Waschungen, feuchte Tücher oder Fußbäder. Um die Mitarbeitenden selbst zu entlasten, seien zum Beispiel Abläufe angepasst worden und es gebe Kühltücher. Außerdem würden Verschattung und Lüften konsequent genutzt und, wo sinnvoll, Ventilatoren eingesetzt.
„Aber Lüften und Ventilatoren genügen irgendwann nicht mehr“, meint Christine Hucke. Das Alten- und Pflegeheim an der Kaiser-Otto-Straße in Brauweiler hat – anders als viele andere im Rhein-Erft-Kreis – eine recht neue Bausubstanz. 2011 wurde es eingeweiht, als erstes Haus der Caritas mit dem modernen Konzept von Wohngemeinschaften, wie es seinerzeit hieß.
Im zweiten Stock, direkt unter dem Flachdach, ist es besonders heiß
79 Menschen leben in den sieben Gruppen, die große Mehrheit hat ein Einzelzimmer. Doch nicht alle Fenster besitzen außenliegenden Sonnenschutz. Klimaanlagen gibt es nur in den Dienstzimmern, wo auch die Medikamente der Bewohnerinnen und Bewohner gelagert werden. Viel Hitze kommt offenbar durch ein Glasdach über dem Treppenhaus ins Gebäude.
„Im zweiten Stock, direkt unter dem Flachdach, ist es besonders heiß“, erzählt Christine Hucke. Das Glasdach soll laut Caritasverband schnellstmöglich verschattet werden. Aktuell würden die letzten technischen Voraussetzungen und Genehmigungen vorbereitet, ein Angebot liege vor. Bis Dienstagnachmittag vergangener Woche (30. Juni), als die Hitze abgeflaut war, hatte Pressesprecher Preis „keine Hinweise auf eine auffällige Häufung hitzebedingter medizinischer Notfälle“ in St. Nikolaus.
Was den Hitzeschutz angehe, würden die außergewöhnlich hohen Temperaturen der vergangenen Tage selbstverständlich ausgewertet, um Maßnahmen bei Bedarf weiterzuentwickeln und zusätzliche Möglichkeiten zu prüfen.
Hitzeschutz für Alten- und Pflegeheime
Der Qualitätsausschuss Pflege, in dem unter anderem Träger von Pflegeeinrichtungen sowie Gesetzliche und Private Krankenversicherungen vertreten sind, hat im März 2024 eine bundeseinheitliche Empfehlung für Hitzeschutzpläne in Pflegeeinrichtungen veröffentlicht.
Sie sieht unter anderem die „Erfassung des hitzerelevanten Ist-Bauzustandes“ vor und „die konzeptionelle Planung von kühlen Zonen beziehungsweise Erholungsbereichen (Sonnenschutzkonzepte für Außenbereiche, „Kälte-Inseln“)“. Denn alte und kranke Menschen leiden besonders unter Hitze, vor allem wenn sie lange andauert.
Laut Robert Koch-Institut gab es 2024 rund 3000 Hitzetote in Deutschland, 2022 sogar 4500; den mit Abstand höchsten Anteil bildeten über 75-Jährige. (bsz)
