Benjamin Orth ist Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie in Frechen. Er gibt Tipps, wie man Warnsignale des Körpers erkennt und was Städte und Arbeitgeber tun sollten.
Frechener ArztGegen Hitze hilft kein Kälteschock

Wasser läuft aus einem Trinkbrunnen auf dem Fischmarkt in der Erfurter Altstadt. Bei extrem hohen Temperaturen sind Abkühlung und schattige Orte gefragt.
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Für Freitag haben Meteorologen für den Rhein-Erft-Kreis Temperaturen von bis zu 38 Grad Celsius vorhergesagt. Warum ist große Hitze für den menschlichen Körper so belastend?
Unser Körper arbeitet ständig daran, die Körpertemperatur bei etwa 37 Grad zu halten. Bei der aktuellen Außentemperatur wird das zur echten Herausforderung. Wir schwitzen mehr, verlieren mehr Flüssigkeit und Salze, die Blutgefäße weiten sich und das Herz muss deutlich mehr leisten. Das merkt man irgendwann auch dann, wenn man eigentlich gesund ist.
Welche Personengruppen sind bei Hitzewellen besonders gefährdet und warum?
Vor allem ältere Menschen, kleine Kinder und Patienten mit chronischen Erkrankungen, insbesondere von Herz und Niere. Viele ältere Menschen verspüren zudem weniger Durst und trinken deshalb zu wenig. Dazu kommt häufig die Einnahme von Medikamenten, die den Flüssigkeitshaushalt oder die Temperaturregulation beeinflussen können. Dann wird Hitze schnell zum Gesundheitsrisiko.
Ab welcher Temperatur wird Hitze aus medizinischer Sicht gefährlich? Und welche Warnsignale sendet der Körper in solchen Fällen?
Eine feste Temperaturgrenze gibt es nicht. Entscheidend ist, wie lange die Hitze anhält und wie gut der Körper damit zurechtkommt. Warnzeichen sind Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Konzentrationsprobleme oder Muskelkrämpfe. Wer merkt, dass der Kreislauf schlappmacht, sollte das ernst nehmen.

Benjamin Orth ist niedergelassener Arzt in Frechen. Er gibt Tipps, wie man sich bei extremer Hitze verhalten soll und wie man frühzeitig Warnzeichen erkennt, die auf einen Hitzschlag deuten.
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Welche typischen gesundheitlichen Beschwerden und Notfälle sehen Sie während heißer Tage häufiger in Ihrer Praxis?
An solchen Tagen kommen mehr Patienten mit Schwindel, Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen oder Erschöpfung. Bei älteren Menschen sind es eher Verwirrtheitszustände oder Stürze. Außerdem bereiten bestehende Herz- oder Lungenerkrankungen bei großer Hitze oft größere Beschwerden.
Welche Symptome eines Hitzeschlags oder einer Hitzeerschöpfung sollten sofort ernst genommen werden?
Wenn eine Person verwirrt wirkt oder das Bewusstsein getrübt ist, hohes Fieber entwickelt, erbricht oder sogar Krampfanfälle auftreten, sollte man nicht abwarten. Das sind Warnsignale, die sofort ärztlich abgeklärt werden müssen. Ein Hitzschlag ist ein echter medizinischer Notfall.
Wie viel sollte man an heißen Tagen tatsächlich trinken, und sind Wasser, Saftschorlen oder andere Getränke besonders empfehlenswert?
Pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten, der Bedarf ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Wer stark schwitzt, braucht deutlich mehr Flüssigkeit als an einem normalen Tag. Wasser, Tee und Saftschorlen sind völlig ausreichend. Wichtig ist vor allem, regelmäßig zu trinken und nicht erst dann, wenn sich bereits starker Durst bemerkbar macht. Auf Alkohol sollte verzichtet werden, da er den Blutdruck senken und, vereinfacht gesagt, dem Körper zusätzlich Flüssigkeit entziehen kann.
Was sind die häufigsten Fehler, die Menschen bei großer Hitze machen – etwa beim Sport, bei der Arbeit oder im Alltag?
Manche Menschen versuchen trotz der hohen Temperaturen, ihren üblichen Tagesablauf durchzuziehen: Sport in der Mittagshitze, schwere Gartenarbeit oder stundenlange Aufenthalte in der prallen Sonne sind keine gute Idee. Häufig wird zu wenig getrunken und Warnsignale wie Schwindel und Erschöpfung zu lange ignoriert.
Ist es sinnvoll, den Körper durch kaltes Duschen zwischendurch abzukühlen? Oder hilft der Eimer mit kaltem Wasser für die Füße?
Ja, eine milde Abkühlung hilft grundsätzlich. Ich würde aber eher zu kühlem als zu eiskaltem Wasser raten. Eine kühle Dusche, ein Fußbad oder feuchte Tücher im Nacken oder auf Armen und Beinen werden oft als angenehmer empfunden und belasten den Kreislauf weniger als ein Kälteschock.
Welche Maßnahmen können Städte, Arbeitgeber und Pflegeeinrichtungen ergreifen, um Menschen besser vor Hitze zu schützen?
Hitze ist durch den Klimawandel längst zu einem gesellschaftlichen Problem geworden: Städte brauchen Schatten, Trinkwasserangebote und kühle Rückzugsorte. Arbeitgeber sollten körperlich belastende Arbeiten möglichst in die Morgenstunden verlegen. In Pflegeeinrichtungen sind feste Trinkpläne und eine engmaschige Beobachtung gefährdeter Bewohner besonders wichtig.
Wenn Sie den Menschen für die Hitzewelle drei konkrete Ratschläge mitgeben könnten – welche wären das?
Erstens: ausreichend trinken. Zweitens: körperliche Anstrengungen auf das notwendige Minimum reduzieren und möglichst in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden legen. Drittens: auf ältere Angehörige und Nachbarn achten. Die meisten hitzebedingten Notfälle entstehen nicht plötzlich, sondern weil Warnzeichen über Stunden und Tage ignoriert wurden.
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