Zugangsbeschränkung und Aggressionen im Freibad, Stromausfall im Krankenhaus und Züge bleiben in den Depots.
Extreme HitzewelleFreibad reagiert auf Aggressionen – Warnungen in Rhein-Erft

Im Wasser war es am Wochenende voll, ob wie hier im Oleanderbad in Quadrath-Ichendorf, in anderen Freibädern oder Badeseen.
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Auch die Menschen im Kreis ächzten am Wochenende unter der Hitze. Abkühlung versprachen die Bäder und Seen zwischen Wesseling und Bedburg. Doch nicht überall gelangten die Menschen auch ans und ins Wasser. Schon morgens sind Liegewiesen und Wasserflächen voll.
Im Oleanderbad in Quadrath-Ichendorf gilt wegen der Witterung sogar eine starke Zugangsbeschränkung. Statt der sonst erlaubten 1300 Menschen wurden während der heißen Tage nur 900 ins Bad gelassen. Grund sei die Gemütslage einiger Besucher. „Die Menschen sind wegen des Wetters oft aggressiv, auch die Kinder. Das können wir nur mit mehr Personal stemmen, das wir aber nicht haben“, sagt Petra Rütz vom Betreiberverein Schwimmpool. In den vergangenen Tagen sei zweimal die Polizei im Bad gewesen.
Bergheim: Badbetreiber hofft auf endlich schlechteres Wetter
Schon morgens um 10 Uhr zur Öffnung sei das Bad sofort voll, berichtet Rütz. „Die Leute sind schon eine halbe Stunde vor Öffnung da und warten“, sagt die stellvertretende Vorsitzende. Auch tagsüber gebe es vor dem Bad eine Schlange von Menschen, die darauf hofften, eingelassen zu werden, wenn andere das Schwimmbad verlassen. „Es wird Zeit, dass wieder schlechteres Wetter wird, wenigstens für ein paar Tage.“
Die DLRG Bedburg mahnte, auf der Suche nach Abkühlung nicht auf Flüsse auszuweichen und dort zu schwimmen, nicht im Rhein, „auch nicht in der Erft“. Die Strömungen seien unberechenbar. In Bedburg sorgte ein technischer Defekt am Samstag dafür, dass die lange Schlange von Menschen über Stunden gar nicht erst ins Freibad gelassen werden konnte. Erst um 14 Uhr war es gelungen, den Fehler zu beheben.
Der Defekt stand nach Auskunft der Stadt Bedburg im Zusammenhang mit einem Stromausfall, von denen es am heißen Wochenende laut Energieversorger Westnetz über das ganze Wochenende gleich eine ganze Reihe gab. Im Mittelpunkt stand dabei der Brand einer Trafostation in Kerpen-Sindorf.
Die Kerpener Feuerwehr war am Freitagabend gegen 22.30 Uhr zu dem Feuer in die Paul-Klee-Straße und Am Entenpfuhl in Sindorf gerufen worden. Der Rauch zog in die umliegenden Straßenzüge. Bürgerinnen und Bürger wurden über die Nina-Warnapp dazu angehalten, Türen und Fenster geschlossen zu halten.
Das Feuer habe zwar „schnell unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden“ können, teilt die Feuerwehr mit. Wegen der heißen Temperaturen und der starken Rauchentwicklung aber war Gesamtalarm für die Feuerwehr Kerpen ausgelöst worden. Für die Betreuung der Bewohner der umliegenden Häuser eilten zwei Rettungswagen sowie weitere Einsatzkräfte nach Sindorf, darunter der Leitende Notarzt.

Die Feuerwehr Kerpen musste in der Nacht zu Samstag eine brennende Trafostation löschen.
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Rettungsdienst und Notarzt hätten 16 Personen untersucht, von denen eine Person mit einem Rettungswagen in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht wurde. „Weiterhin wurde eine im Umfeld der Einsatzstelle gestürzte Person durch einen weiteren Rettungswagen in ein Krankenhaus transportiert“, teilt die Feuerwehr mit. Insgesamt waren 70 Rettungskräfte im Einsatz.
Westnetz konnte die Stromversorgung für die meisten Haushalte zügig wiederherstellen. Doch gab es entlang der Erft bis hinunter nach Bedburg im Lauf der Nacht bis in die frühen Morgenstunden weitere Stromausfälle. Auch das Krankenhaus Bergheim war betroffen. Vom Krankenhaus selbst gab es auf Anfrage keine Auskunft zu Umfang und Folgen des Stromausfalls, jedoch wird von zahlreichen Patiententransporten in umliegende Krankenhäuser berichtet, etwa nach Frechen.
Rhein-Erft-Kreis: Stromausfälle in Kerpen, Frechen, Bergheim, Bedburg und Hürth
Laut Westnetz kam es am Freitagabend und in der Nacht zu Samstag zu Stromausfällen in Frechen (Schwelbrand in einer Ortsnetzstation, rund 1800 Menschen betroffen), in Kerpen (Brand der Trafostation, rund 2200 Menschen betroffen, 35 Haushalte waren erst um 6 Uhr wieder am Netz), in Bergheim (Kabelfehler, rund 6000 Menschen betroffen) und in Bedburg (rund 2000 Menschen betroffen). Auch aus Hürth wird von Stromausfällen berichtet. Ob die auffällig zahlreichen Probleme mit der Hitze in einem Zusammenhang stehen, vermochte eine Westnetz-Sprecherin am Wochenende nicht zu sagen. Erst nach Abschluss der Reparaturarbeiten werde man sich „mit der Ursachenanalyse beschäftigen“.
Einschränkungen gab es auch im Bahnverkehr. So setzte das Bahnunternehmen National Express den Betrieb sämtlicher Regionalexpress-Linien am Wochenende zeitweise vorübergehend aus. Betroffen waren im Kreis vor allem die Linien RE 1, die über Horrem verkehrt, sowie die RE 5 über Brühl. Es gehe um den Schutz der Fahrgäste und der Mitarbeitenden vor den gesundheitlich stark belastenden Witterungsbedingungen, teilte das Unternehmen mit. Auch fehlten Fahrzeuge, und es gebe Störungen auf den Strecken.
Die extreme und andauernde Hitze stellt den Zugbetrieb aktuell vor eine absolute Ausnahmesituation
Verhindert werden sollten auch technische Notfälle. Durch die extremen Temperaturen bestehe die Gefahr, dass Züge ungeplant auf freier Strecke zum Stillstand kommen könnten. In der Sommerhitze wäre eine Evakuierung der Fahrgäste für alle Beteiligten eine erhebliche gesundheitliche Belastung. Daher habe sich das Unternehmen für die gezielte Betriebsruhe während der heißesten Stunden entschieden.
„Die extreme und andauernde Hitze stellt den Zugbetrieb aktuell vor eine absolute Ausnahmesituation“, sagt Andreas Leue, operativer Geschäftsführer des Bahnunternehmens. Fahrgäste werden weiterhin gebeten, während der anhaltenden Hitze- und Unwetterwarnungen in Nordrhein-Westfalen von nicht notwendigen Zugreisen abzusehen. Man arbeite intensiv daran, die Flotte mit Blick auf zukünftige Hitzewellen robuster aufzustellen.
