20 bis 22 Grad Raumtemperatur: Für alle von der Hitze geplagten Kölnerinnen und Kölner gibt es eine Kälteinsel in der Kölner Messe.
Hier kann man runterkühlenStadt Köln reagiert auf Hitzewelle mit Kälteinsel in Messehalle

Feldbetten und medizinisches Material stehen im Notfallversorgungszentrum der Feuerwehr Köln in einer gekühlten Messehalle bereit.
Copyright: Costa Belibasakis
Kein Veedel, in dem das Martinshorn nicht zu hören ist. Rettungswagen, die mit Blaulicht durch die Stadt rasen. Überfüllte Notaufnahmen in Krankenhäusern, in denen weit über die Belastungsgrenze hinaus gearbeitet wird. Dehydrierte Patienten, Wiederbelebungsversuche – Zustände, die vor ein paar Jahren in Köln noch unvorstellbar waren. Die anhaltende extreme Hitze mit Temperaturen von 40 Grad in der Innenstadt hat am Wochenende zu einem Ausnahmezustand geführt.
Oberbürgermeister Torsten Burmester sprach am Sonntagnachmittag von einer dramatischen Hitzesituation: „Der Hitzerekord für einen Juni ist gebrochen. Die Menschen sind belastet, es kommt immer wieder zu Notfallsituationen.“ In der ersten Etage der Messehalle 3.1. stellte er mit Feuerwehr-Chef Christian Miller und dem Leiter des städtischen Rettungsdiensts, Alexander Lechleuthner, eine kurzfristig eingerichtete Kälteinsel vor. Hier können bis zu 1000 Kölnerinnen und Kölner ohne Anmeldung bei 20 bis 22 Grad Raumtemperatur zur Ruhe kommen und werden von Fachpersonal betreut.
„Viele Menschen sind am Ende ihrer Kräfte“
„Wir sind am elften Tag der Hitzewelle. Viele Gebäude haben sich aufgeheizt, viele Menschen sind am Ende ihrer Kräfte“, sagte Feuerwehr-Chef Christian Miller. Er hoffe, dass sich die Lage bald entspanne, allerdings sei auch noch in den kommenden Tagen mit Einsätzen zu rechnen. Laut Miller war der Rettungsdienst vor allem am Samstag zu 100 Prozent ausgelastet. Man habe zusätzliches Personal und Brandschutzfahrzeuge außer Dienst eingesetzt. „Die Situation war für die Patienten wie für uns als Einsatzkräfte hochbelastend“, so Miller.
Nach Angaben von Feuerwehrsprecher Ulrich Laschet wurden allein am Freitag sieben Menschen bewusstlos aus ihren überhitzten Wohnungen gerettet. Auch in den Notaufnahmen der Krankenhäuser kam es zu Überlastungen, sodass die Stadt im Erdgeschoss der Messehalle 3.1. am Samstagabend ein Notlazarett mit Feldbetten einrichten musste. Hilfe gab es von den Verkehrsbetrieben: Die KVB brachte Patienten, die nicht auf eine Versorgung während der Fahrt in einem Krankenwagen angewiesen waren, mit Bussen nach Deutz.

Christian Miller, Torsten Burmester und Alexander Lechleuthner (v.l.) informierten am Sonntag über Notlazarett und Kälteinsel in der Messe Köln.
Copyright: Costa Belibasakis
„Die Stadt hat auf diese Krisensituation reagiert“, stellte der Oberbürgermeister fest und dankte Ehrenamtlern von Hilfsorganisationen aus Oberberg für die Mithilfe beim Aufbau. Das Notlazarett bleibe vorerst in Betrieb, in das je nach Lage bis zu mehreren hundert Menschen von ausgelasteten Notaufnahmen transportiert und medizinisch versorgt werden können. Sollte sich eine ähnliche Hitzewelle wiederholen, und Räumlichkeiten der Messe frei sein, seien Lazarett und Kälteinsel innerhalb von wenigen Stunden einsatzbereit, so der Feuerwehr-Chef.
Genaue Zahlen konnte die Stadt bis gestern noch nicht nennen. Laut Burmester gab es jedoch weitaus mehr Reanimationen im Vergleich zu einem gewöhnlichen Wochenende. Auch wurde eine höhere Anzahl an Todesfällen verzeichnet, die mutmaßlich mit der Hitze in Zusammenhang stehen. Die Menschen litten demnach an Vorerkrankungen, sagt auch der Sprecher der Kölner Kliniken, René Hartmann. „Wir sind in den Einrichtungen am Limit“, so Hartmann mit Blick auf die Häuser in Merheim, Holweide und Kinderkrankenhaus, am Sonntagnachmittag.
Patient mit 44,5 Grad Körpertemperatur
„Unsere Teams mussten mehr als doppelt so viele Reanimationen nach Herz-Kreislauf-Stillstand sowie mehr als ein Drittel mehr Schockraumversorgungen von schwerstkranken Patienten durchführen als an einem üblichen Samstag“, so Hartmann. Der 37-Jährige war an dem Tag selbst als Sanitäter im Einsatz. Üblich seien zwei bis drei Reanimationen, am Hitze-Samstag seien es fünf bis sechs gewesen. In Merheim kam es dem Sprecher zufolge am Samstagvormittag zeitweise zu einem sogenannten „Overcrowding“ der Zentralen Notaufnahme, da Dutzende Patienten nach Hitzeerschöpfung oder Hitzschlägen Hilfe suchten. Zusätzliches Personal musste aus dem freien Wochenende geholt werden.
Zudem wurde in Merheim eine mobile Sanitätsstation eingerichtet. Hitzepatienten wurden noch auf dem Klinikgelände abgeduscht und mit Eis heruntergekühlt, bevor sie überhaupt der Notaufnahme zugeführt wurden. Dehydrierte Patienten wurden teilweise auf dem Flur behandelt, weil die Stationen längst voll waren. Unterstützung gab es laut Hartmann von der Berufsfeuerwehr Köln, der Freiwilligen Feuerwehr Köln, dem Deutschen Roten Kreuz sowie dem Arbeiter-Samariter-Bund. Die medizinische Versorgung aller Patienten sei trotz dieser außergewöhnlichen Belastung jederzeit sichergestellt gewesen, hieß es von den Kliniken.
Auch am Sonntag war die Lage noch angespannt. Besonders Senioren, Personen mit Vorerkrankungen und Obdachlose seien durch die Hitze stärker als andere Menschen gefährdet, sagte Rettungsdienst-Chef Lechleuthner. Aber auch Jüngere und Sportler hätten medizinisch versorgt werden müssen – einige von ihnen hätten die hohen Temperaturen schlichtweg unterschätzt. Es seien am Wochenende Patienten behandelt worden, die mehr als 40 Grad Körpertemperatur gehabt haben. Lechleuthner: „Bei einem wurden sogar 44,5 Grad gemessen.“
Erste Anzeichen, dass die Hitze dem Körper zusetzt, seien Kopfschmerz, Übelkeit – aber in erster Linie Durst. „Bei älteren Menschen ist das Durstgefühl jedoch nicht mehr so vorhanden“, so Lechleuthner. Daher sei es umso wichtiger, dass Senioren sich einer dauerhaften Wärmebelastung entziehen können.
