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St. MichaelOberbürgermeister aus Köln und Leverkusen wollen Fährbetrieb erhalten

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Die Zukunft der St. Michael ist ungewiss.

Die Zukunft der St. Michael ist ungewiss.

Sollte sich die HGK aus dem Betrieb zurückziehen, könnte die Stadt Leverkusen als alleinige Gesellschafterin den Erhalt nicht mehr finanzieren.

Zumindest die Botschaft, die Torsten Burmester (Oberbürgermeister der Stadt Köln) und Stefan Hebbel (Oberbürgermeister der Stadt Leverkusen) senden, ist eindeutig: Beide Stadtoberhäupter wollen den Fährbetrieb zwischen Leverkusen-Hitdorf und Köln-Langel erhalten. Ob die St. Michael allerdings auch künftig weiterhin Fußgänger, Radfahrer, Autos und Traktoren zwischen Köln und Leverkusen über den Rhein bringen wird, ist alles andere als sicher.

Denn: Die Häfen- und Güterverkehr Köln AG (HGK), eine Stadttochter, wird sich aus dem Fährbetrieb zurückziehen. Bislang teilen sich die HGK und die Stadt Leverkusen die Anteile an der gemeinsamen Rheinfähre Köln-Langel/Hitdorf GmbH, die zwischen beiden Parteien seit 1998 besteht, noch hälftig. Sollte der Rat der Stadt Köln das final beschließen, stünde Leverkusen als alleinige Betreiberin da und könnte den Betrieb wohl nicht mehr finanzieren.

Die Oberbürgermeister von Köln, Torsten Burmester (v. l.), und Leverkusen, Stefan Hebbel, setzten bei einer gemeinsamen Überfahrt ein Zeichen dafür, dass sie den Fährbetrieb aufrechterhalten wollen. Jens-Albert Oppel (COO der HGK) versprach bis Ende des Monats ein Gutachten, Wulf Riedel ist Geschäftsführer der Fährgesellschaft.

Die Oberbürgermeister von Köln, Torsten Burmester (v. l.), und Leverkusen, Stefan Hebbel, setzten bei einer gemeinsamen Überfahrt ein Zeichen dafür, dass sie den Fährbetrieb aufrechterhalten wollen. Jens-Albert Oppel (COO der HGK) versprach bis Ende des Monats ein Gutachten, Wulf Riedel ist Geschäftsführer der Fährgesellschaft.

Um auszudrücken, für wie wichtig die beiden im September 2025 neu gewählten OB die Fährverbindung halten, hatte man sich für Donnerstagmittag zur gemeinsamen Überfahrt verabredet. Die Haltung von Stefan Hebbel und der Stadt Leverkusen ist nach wie vor unverändert: Man will die Rheinquerung unbedingt halten. „Die Fährverbindung ist ein wichtiger Baustein zur Querung des Rheins in unserer Region und im Verkehrswegenetz“, sagte Hebbel.

Das gelte sowohl für Berufspendler als auch für Erholungssuchende. „Sie ist Teil der Daseinsfürsorge, sie ist Teil der Identität der Menschen, die hier leben“, so Leverkusens OB. Er sieht den Betrieb als interkommunale Aufgabe für Leverkusen und Köln. Angesichts der aktuellen Verkehrskapriolen rund um die Sperrung der Bonner Nordbrücke, die zur Folge haben, dass die Rheinfähre Mondorf als öffentliches Verkehrsmittel gefragt ist wie nie, sagt Hebbel: „Manchmal wird man von einer Realität eingeholt, die frühere Bewertungen vielleicht in einem anderen Licht erscheinen lassen.“ Jede Rheinquerung müsse erhalten bleiben.

Daten der St. Michael, die im Jahr 1953 gebaut wurde.

Daten der St. Michael, die im Jahr 1953 gebaut wurde.

Torsten Burmester pflichtete seinem Amtskollegen bei: Von Rees bis Bad Honnef gebe es 15 Fähren und 28 Brückenbauwerke, um über den Rhein zu kommen. 2,6 Millionen Menschen nutzen die Fähren, so der Kölner OB. Und die Rheinfähre zwischen Hitdorf und Langel sei „ein Teil dieser Infrastruktur“. Burmester sagte auch deutlich, dass der ÖPNV niemals wirtschaftlich funktionieren könne, sondern zur Daseinsvorsorge gehöre. Und Probleme mit zu sanierenden Brücken gebe es in der gesamten Region. „Ich in Köln habe vier städtische Brücken, die alle zur Sanierung anstehen.“ Deshalb sei auch Köln auf solche Fährverbindungen angewiesen. Und zu Hebbel sagte Torsten Burmester: „Ich kann Dir zusagen, dass ich im Rat der Stadt Köln und in den Gremien weiterhin für diese Fährverbindung werbe.“

33.000 Autos hat die Fähre im vergangenen Jahr transportiert.

33.000 Autos hat die Fähre im vergangenen Jahr transportiert.

Die Entscheidung, ob Köln an Bord bleibt oder nicht, hängt entscheidend mit den Ergebnissen einer Analyse zusammen, die die HGK im Auftrag des Kölner Stadtrates vorgenommen hat. Ende dieses Monats, so sagte Jens-Albert Oppel, COO der HGK, werde man diese Evaluation den Gremien und dem Rat vorlegen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten auf die Wirtschaftlichkeit und auf die Nutzung der St. Michael geschaut. Man habe geschaut, wer die Fähre nutzt und zu welchen Zeiten.

Was passiert, wenn es dabei bleibt, dass sich die HGK und damit Köln aus der Betriebsgesellschaft zurückzieht, konnte Leverkusens OB nicht sagen. Er hoffe erst einmal darauf, dass sich der aktuelle Stand noch ändere und warb noch einmal dafür, dass jede Verbindung über den Rhein zähle. Das unterstrich auch Joschua Kraski, Hitdorfer CDU-Vorsitzender und ein Kämpfer für die Fähre: Wie wichtig die Fähre sei, habe man gesehen, als die Rheinbrücke zuletzt gesperrt gewesen sei.


Die Nutzung in Zahlen

118.000 Personen habe die Fähre im vergangenen Jahr befördert, teilte Jens-Albert Oppel mit. Dazu kämen 44.800 Zweiräder und 33.000 Autos. Etwa 1500 Fahrer von Traktoren oder anderen größeren Gefährten hätten 2025 die Fähre genommen. Als nach der Havarie der Vorgängerfähre Fritz Middelanis Ende 2023 in Leverkusen heftig über eine neue Fähre diskutiert wurde, war ein großes Thema, wen die potenzielle neue Fähre künftig transportieren solle. Im Vergleich zu 2019 hat sich die Personennutzung der Fähre mehr als halbiert: von rund 260.000 Menschen auf aktuell 118.000. Immerhin: Die Ausfälle im Betrieb der Fähre sind in jüngster Vergangenheit deutlich zurückgegangen. (nip)


Eine Chronologie

5. Dezember 2023: Die Fritz Middelanis havariert. In der Folge ist sie so beschädigt, dass sie nicht mehr repariert werden kann. Die Diskussion über den Fährbetrieb und eine mögliche neue Fähre beginnt.

Ende Januar 2024: Es wird bekannt, dass die HGK erwägt, sich aus dem Fährbetrieb zurückzuziehen.

19. Februar 2024: Leverkusens Rat beschließt, dass mit Köln verhandelt werden soll, wie der Fährbetrieb weiterhin gemeinsam bestehen kann. Auch der Kauf der St. Michael soll geprüft werden. Am 5. März 2024 schließt sich auch der Kölner Verkehrsausschuss der Meinung an, dass die Fähre erhalten bleiben soll.

20. Juni 2024: Die Gesellschafterversammlung beschließt, eine neue Fähre zu kaufen. Zudem einigt man sich darauf, dass sowohl die Kosten für eine neue Fähre als auch die Defizite aus 2024 und 2025 geteilt werden.

1. Juli 2024: Der Rat der Stadt Leverkusen stimmt dem Kauf der St. Michael ebenfalls zu. Ebenso den Ausstiegsmöglichkeiten der HGK, zum 1. Januar 2026 ihre Anteile für einen Euro an die Stadt Leverkusen zu übertragen. Dazu ist es aber noch nicht gekommen.

29. Juli 2024: Die St. Michael geht in Betrieb.

12. Dezember 2024: Der Rat der Stadt Köln beschließt eine Evaluierung des Fährbetriebs zum Stichtag 31. Dezember 2025. (nip)