Bleibt es bei drei Vorstandsmitgliedern der HGK oder werden es nur zwei? Am Donnerstag diskutiert der Aufsichtsrat.
Erneut Unruhe bei Kölner HGKKampf um Vorstandsposten in städtischem Unternehmen

Der HGK-Vorstand: Susanne Pietsch, Steffen Bauer und Jens-Albert Oppe
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Die Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) steht nach Informationen dieser Redaktion vor einer umfassenden Umstrukturierung. Der Aufsichtsrat soll in seiner Sitzung am heutigen Donnerstag unter dem Tagesordnungspunkt 2.2 „Führungsstruktur der HGK“ beschließen, ob der bislang dreiköpfige Vorstand auf zwei Personen reduziert wird.
Vordergründig geht es dabei um eine Organisationsentscheidung, tatsächlich aber um eine Personalentscheidung. Eingespart werden soll die Position des Chief Operating Officer (COO), also des operativen Geschäftsführers. Den Posten bekleidet seit dem 1. April 2022 Jens-Albert Oppel (58), sein Vertrag läuft Ende März 2027 aus. Sollte der Aufsichtsrat entscheiden, dass sein Job wegfällt, ist eine Verlängerung wohl aussichtlos.
Oppel wollte Vorstandschef werden
Die Personalie sorgt vor allem deshalb für Aufsehen, weil Oppel sich dem Vernehmen nach noch im vergangenen Jahr auf die Stelle des HGK-Vorstandsvorsitzenden beworben hatte. Den Zuschlag als Chief Executive Officer (CEO) erhielt im Mai 2025 allerdings Steffen Bauer, der damalige Chef der zur HGK gehörenden Reederei HGK Shipping. Der Vorgang schlug hohe Wellen. Bauer löste zum 1. Oktober Uwe Wedig ab.
In der Aufsichtsratssitzung, in der über den Spitzenposten abgestimmt wurde, war es damals zu einem Eklat gekommen (wir berichteten). Die langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Susana dos Santos Herrmann (SPD) verkündete noch während der Sitzung ihren Rücktritt, weil sie Oppel für den geeigneteren Kandidaten hielt.
Viele Telefonate im Hintergrund
Der Aufsichtsrat folgte ihr jedoch nur zum Teil, mehrheitlich fiel die Entscheidung zugunsten von Bauer aus. „Ich möchte keine Verantwortung für eine Entscheidung übernehmen, die ich im Ergebnis für falsch halte“, sagte Dos Santos Herrmann dieser Redaktion damals.
Nun geht es am Donnerstag erneut um Oppel und seine berufliche Zukunft. Und erneut soll es im Hintergrund darum gehen, wie die Mehrheitsverhältnisse in dem 15-köpfigen Aufsichtsrat sind. Deshalb sollen dem Vernehmen nach am Mittwoch viele Telefonate geführt worden sein, um die Zweierlösung durchzusetzen. Oppel wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern.
Zwei Optionen zur Auswahl
Die neue Führungsstruktur hat die Wibera Wirtschaftsberatung – ein Tochterunternehmen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC – im Auftrag der HGK erarbeitet. Zur Auswahl stehen nach Informationen dieser Redaktion ein Szenario mit einem weiterhin dreiköpfigen Vorstand und ein Szenario mit einem zweiköpfigen Vorstand. Im zweiten Fall würde die Position des COO wegfallen – die Aufgaben soll der Chief Financial Officer (CFO) zusätzlich übernehmen.
Den Posten besetzt seit Oktober 2024 die Diplom-Kauffrau Susanne Pietsch, die früher unter anderem als Geschäftsführerin bei AOK Systems und als Wirtschaftsprüferin für PWC arbeitete. Sie wäre dann bei der HGK in Zukunft auch für technische Belange zuständig. Wie zu erfahren war, soll im Gegenzug auf der Ebene unter dem Vorstand eine neue, technisch ausgerichtete Stelle geschaffen werden.
HGK sah Notwendigkeit für dritten Posten
Vor fünf Jahren klang das alles noch ganz anders, da betonte die HGK, wie wichtig es wäre, die Doppelspitze im Vorstand um ein weiteres Mitglied aufzustocken. Im Geschäftsbericht der HGK aus dem Jahr 2021 hieß es: „Mit der Entscheidung, im Jahr 2022 den HGK-Vorstand auf drei Personen zu erweitern, wurde zudem sichergestellt, dass die Vielzahl der Anforderungen, Aufgaben und Entscheidungen gleichermaßen optimal umgesetzt werden kann.“ Oppel verdiente im Jahr 2025 rund 437.000 Euro.
In den vergangenen Jahren war viel Bewegung in der Vorstandsetage: Oppel ergänzte 2022 den damaligen Vorstandsvorsitzenden Uwe Wedig und das weitere Mitglied Wolfgang Birlin. Doch zum 31. Januar 2023 verließ Birlin das Unternehmen, vorübergehend blieb kommissarisch eine Doppelspitze, bevor Pietsch zum 1. Oktober 2024 kam. Und vergangenen Oktober übernahm eben Bauer als Vorstandsvorsitzender von Wedig.
HGK seit Wochen in den Schlagzeilen
Die neuen Vorgänge rund um die Vorstandsstruktur sorgen erneut für Unruhe in einem Unternehmen, das in den vergangenen Wochen ohnehin im Fokus der Öffentlichkeit stand (wir berichteten): Auf ihrer brachliegenden Fläche gegenüber den Ford-Werken im Kölner Norden will sie ein „innovatives und nachhaltiges Industrie- und Logistikquartier“ mit bis zu 2000 neuen Arbeitsplätzen schaffen.
Doch das groß angekündigte Projekt erweist sich bislang als Reinfall. Die bisher vorgesehenen Pläne für Logistikhallen sind entweder nicht umsetzbar oder die HGK muss Verträge mit Projektpartnern auflösen, weil sie zu ihrem Nachteil gestaltet sind. Dafür soll sie rund fünf Millionen Euro zahlen.
Das ist die HGK
Die HGK als Logistikdienstleister hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 646,7 Millionen Euro gemacht, der Verlust betrug 6,4 Millionen Euro. Rund 2700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten bei der Gruppe, ihr gehören unter anderem die Häfen in Niehl und Godorf sowie 87,1 Kilometer Schienennetz. Sie gehört mehrheitlich der Stadt Köln und ihren Stadtwerke, auch der Rhein-Erft-Kreis ist beteiligt.
