Eine Aktion der Caritas in der Fußgängerzone von Bergisch Gladbach brachte Menschen miteinander ins Gespräch.
AktionWo die Caritas Rhein-Berg eine Tafel gegen die soziale Kälte aufstellt

Miteinander ins Gespräch kommen, das war das Ziel der ersten „Tafel der Begegnung“.
Copyright: Christoph Konkulewski
Wenn das Leben komplizierter wird, fahren die Menschen ihre Ellbogen aus. Sie ziehen sich zurück, hinein in ihre eigene, überschaubare Komfortzone. Zurück bleibt eine Gesellschaft, die verlernt hat, miteinander zu sprechen. Doch am Samstagmittag stemmten sich viele Bürger aus Bergisch Gladbach mitten in der Fußgängerzone gegen diesen Trend. Es brauchte dafür nicht viel, nur ein mutiges Konzept: Einen langen, rot gedeckten Tisch, Bierbänke, mitreißende Musik und den festen Willen zum Dialog.
Unter dem Motto „Zusammen geht was – Caritas verbindet Generationen“ hatte der Caritasverband Rhein-Berg e.V. zur „Tafel der Begegnung“ geladen. Angrenzend an den Wochenmarkt, verwandelte sich die Hauptstraße zwischen Laurentiuskirche und Kreissparkasse für ein paar Stunden in eine lebendige Begegnungszone. Das Prinzip war so einfach wie wirkungsvoll: Jeder brachte eine Kleinigkeit zu essen mit und hatte auch eigenes Geschirr im Gepäck, um Müll zu vermeiden. Wasser und kostenloses Eis gab es vor Ort.
Gegen Mittag füllen sich die Bankreihen merklich
„Ich finde es grandios, dass die Veranstaltung draußen ist, wo viele Menschen vorbeikommen,“ sagt Ingo Schütze, der dieses Jahr die Ehrennadel der Stadt bekommen hat. „Das ist viel besser als drinnen, da dort sich meist diejenigen treffen, die sich sowieso schon kennen. “ Gabriele Broich vom Caritasverband setzt sich zu einer Besucherin, die sich mit einem roten Schirm vor der Sonne schützt und erzählt: „Bei der Planung haben wir erst einmal an einen Sonntagnachmittag gedacht.“ Doch die Betreiberin vom Theatercafé meinte, da sei in der Fußgängerzone nichts los. Und so kam man auf den Samstag, den Markttag.
Gegen Mittag füllten sich die Bankreihen merklich. Michael Ufer, Vorstand der Caritas Rhein-Berg, trat ans Mikrofon, um die Gäste und die Helfer zu begrüßen. Seine Botschaft war unmissverständlich: „Die Tafel der Begegnung steht für das, was uns als Caritas besonders wichtig ist: dass Menschen aufeinander zugehen, im Austausch sind und den Dialog suchen. Wir wollen Jung und Alt, Groß und Klein zusammenführen.“ Ufer nutzte die Bühne, um an das breite Fundament seines Verbandes zu erinnern, das von der Schwangerschaftsberatung über Kindertagesstätten bis zur ambulanten Pflege reicht – getragen von über 500 hauptamtlichen Mitarbeitenden im Kreis und unzähligen Ehrenamtlichen. Ein Sonderapplaus galt dem Organisationsteam, ehe Ufer das Wort an die Stadt übergab.
Die Veranstaltung soll die Gemeinschaft stärken
Der stellvertretende Bürgermeister Corvin Kochan nahm den Ball dankend auf. Beim Blick über die voll besetzte Hauptstraße zeigte er sich sichtlich beeindruckt: „Wow! Das hier zu sehen, ist wirklich toll“, rief er den Bürgern zu. In Zeiten, in denen die Welt immer schneller werde, setze diese Veranstaltung einen wunderbaren Gegenpunkt, um die Gemeinschaft zu stärken. Eine Stadtverwaltung lebe schließlich nicht nur von den Beschlüssen, die im Rat getroffen werden, sondern von dem, was am Ende auf der Straße gelebt wird. Kochan dankte der Caritas für das Durchhaltevermögen: „Es wird immer schwieriger, solche Veranstaltungen im öffentlichen Raum zu organisieren. Umso toller ist es, dass Sie diesen Raum geboten haben. Zeigen wir, was diese Stadt ausmacht: das Miteinander und die Vielfalt. “
Als die Reden vorbei waren, spielte die Kölner Künstlerin Nange und der Singer-Songwriter Etoile de Neige. Die Menschen setzten sich wieder an die Tische, aßen und erzählten weiter. Das Wetter spielte mit. Es war angenehm mild, nicht so drückend heiß wie in der Vorwoche. Ein rundum gelungener Tag im Herzen von Bergisch Gladbach, der bewies: Manchmal reicht ein langer roter Tisch, um die soziale Kälte für ein paar Stunden zu vertreiben.
