Ein letztes Mal erklangen die drei Glocken im ehemals zum evangelischen Gemeindezentrum gehörenden Alkenrather Kirchturm in dem Augenblick, in dem der Bagger den bis dahin intakten Glockenstuhl nach unten fallen ließ. Während die Glocken fallen, läuten sie noch mal ein kurzes Bam-Bim-Bam. Den Klang wird mancher Alkenrather noch im Ohr gehabt haben, obwohl das Geläut seit einigen Jahren schon außer Betrieb war.
Der Fall der Glocken kam am Donnerstag genau zur Mittagsstunde, als auch das Geläut der katholischen Kirche nebenan zu läutete. Die Glocken waren nämlich doch noch im Turm, das hatte ein Bauarbeiter zuletzt anders behauptet.

Die ersten Versuche eines Abbruchs waren fehlgeschlagen.
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Der Turm hatte sich seinem Abbruch über zwei Tage widersetzt: Beim Abbruchunternehmen hatte man die Härte des Betons unterschätzt. „Der ist hart wie ein Bunker“, sagte ein Kranfahrer. Der Arm des Baggers mit dem Hydraulikmeißel hatte nicht hoch genug hinaufgereicht. Solange der Meißel nicht genau senkrecht auf den Beton gesetzt werden konnte, rutschte er auf der Oberfläche ab wie auf Eis.
Am Donnerstagmittag gelang es der Abbruchfirma, den Arbeitshügel für den Bagger neben dem Turm so hoch aufzuhäufen, dass der Meißel ansetzen konnte. Der Abbruch, für den eine Fahrspur auf der Alkenrather Straße noch bis Sonntag gesperrt ist und mit einer Baustellenampel gesichert wird, geht jetzt also voran.
Den Fall der Glocken nahm der Alkenrather Gerd Lorenz auf Video auf. Er gehörte der ehemaligen evangelischen Gemeinde an. Auf der Aufnahme hört man jemanden lachen. Lorenz sagte: „Mir war leicht übel.“ Ihm erging es wie einigen Nachbarn und ehemaligen Gemeindegliedern, die an den Bauzaun gekommen waren und zum Teil traurig waren über das endgültige Ende ihrer alten Gemeinde. Das nach über 16 Jahren, denn der letzte Gottesdienst wurde in dem Zentrum am 7. März 2010 gefeiert.
Der neue Investor hat die alten Pläne komplett übernommen
Im alten Gemeindezentrum brachte man 2015 Geflüchtete unter. Zu der Zeit wurde die Elektrik des Läutewerks ausgebaut. Seither sollen die Glocken geschwiegen haben. Anwohner fürchten jetzt den Eltern-Autoverkehr durch die achtgruppige Kita, die jetzt als erste gebaut werden soll.
Der Pulheimer Investor hat die ursprünglichen Pläne für eine Kita und ein Hochhaus für altersgerechtes Wohnen parallel zur Alkenrather Straße komplett übernommen, auch die Architektenpläne. Zuerst werde der Bau der Kita begonnen, sagt Thomas Friedt von der Firma „Ur-Wohnen“. Sobald dieser Rohbau stehe, beginne man mit dem Hochhaus. Das soll sieben Etagen bekommen, was in Alkenrath vielfach zu Protesten geführt hatte. Es wird das Bild des Stadtteils verändern. Wie lange ab jetzt also neben dem Alkenrather Teich gebaut wird, lässt sich kaum vorhersagen.

Die Planung für eine Kita und ein Seniorenwohnheim in ALkenrath
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Die Alkenrather Evangelische Gemeinde hat sich inzwischen aufgelöst. Bis zur Pandemie konnten die Alkenrather mit Genehmigung der Katholiken in deren Kirche am Graf-Galen-Platz Sonntagsgottesdienste feiern. Zuletzt gab es noch jährlich einen evangelischen Gottesdienst: an Heiligabend.

Die drei Glocken aus dem Alkenrather Turm sollen nicht ernsthaft beschädigt worden sein.
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Einige aus der Gemeinde gingen nach Schlebusch, wenige, darunter Lorenz, gehen heute nach Wiesdorf in die Kirche. Er vermutet, dass andere nach der Schließung ganz aufs Gemeindeleben verzichtet haben.
Die Glocken sollen bei ihrem Sturz nicht ernsthaft beschädigt worden sein, erklärte Betriebsleiter Friedt. Sie sollen eingelagert und in die neue Kita eingebaut werden. Ein Stück der Gemeinde bliebe so also doch erhalten.

