Abo

Ordnungsdienst-Maßnahmen an KarnevalMehrere Leverkusener frustriert – Stadt reagiert

4 min
Blaskapelle auf Karnevalszug

Die Hitdorfer feierten wieder ausgelassen, auf ihrem Zug. So mancher Anwohner war allerdings mit dem KOD nicht einverstanden.

Bei unserer Redaktion gingen nach den Karnevalsumzügen Beschwerden aus Hitdorf und Lützenkirchen ein, eine Stadt-Sprecherin bezieht Stellung.

Fünf Karnevalsumzüge in Leverkusen, viele glückliche Menschen, noch mehr Kamelle und ein einziges Auf und Ab, was die Witterungsbedingungen betrifft – allerdings kam bei einigen Bürgerinnen und Bürgern auch Frust auf.

In den Tagen nach den Zügen in Hitdorf am Freitag, 13. Februar, und Lützenkirchen am Sonntag, 15. Februar, meldeten sich Leser beim „Leverkusener Anzeiger“ – jeweils alles andere als glücklich über das Zusammenspiel zwischen Karnevalisten und dem Kommunalen Ordnungsdienst (KOD).

Abschleppmaßnahmen in Lützenkirchen schon am Morgen

Kein Zweifel besteht daran, dass die Zeiten, in denen die Feierlichkeiten um Karneval ohne großen organisatorischen Aufwand über die Bühne gingen, längst vorbei sind. Das gilt in erster Linie für die Nachbarstadt Köln, in der mehr als 1000 zusätzliche Einsatzkräfte der Polizei an Karneval im Dienst sind – und die Innenstadt teils einem abgezäunten Festivalgelände gleicht. Auch in Leverkusen muss aber vieles vorbereitet und abgestimmt werden, damit alles möglichst sicher und reibungslos über die Bühne gehen kann.

Leser Heinz-Josef Longerich berichtete dem „Leverkusener Anzeiger“ von den Erlebnissen seiner Familie und Freunde mit dem KOD am Karnevalsfreitag. Der Hitdorfer begrüße seit Jahren anlässlich des Zuges Gäste auf seinem Grundstück, die die Möglichkeit bekommen, auf dem Grundstück zu parken. Hierfür habe er die Gäste mit einem „schriftlichen Nachweis“ ausgestattet, dass sie auf dem Grundstück in Hitdorf parken können.

Freunden von ihm sei es gegen 13.40 Uhr noch gelungen, einen Mitarbeitenden des KOD zu passieren. Laut seinen Schilderungen sei dabei noch die Reaktion gewesen: „Wenn alle Besucher das so machen würden, dann gäbe es keine Probleme.“

Allerdings habe das bei der nächsten Person des KOD-Personals anders ausgesehen: Gäste und ein Nachbar der Familie seien angehalten worden – und es habe kein Durchkommen mehr zu den Grundstücken gegeben.

Anhand der vorab veröffentlichten Informationen der Stadt zu den Karnevalsumzügen lag hierbei wiederum der zweite KOD-Mitarbeitende im Recht: Ab 13.30 Uhr, somit rund eine Stunde vor Zugbeginn, waren nur „Einsatzfahrzeuge der Polizei, Feuerwehr, Sanitätsdienst, Fachbereich Ordnung und Straßenverkehr“ befugt, auf dem Zugweg unterwegs zu sein. Ideal ist wiederum nicht, dass es von zwei Mitarbeitenden zwei unterschiedliche Reaktionen gab.

„Die durch den Fachbereich Ordnung und Straßenverkehr umgesetzten Absperr- bzw. Zufahrtsschutzmaßnahmen erfolgten im Interesse der Sicherheit aller Teilnehmenden und Zuschauenden des Karnevalsumzuges“, erklärte eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage des „Leverkusener Anzeiger“. „Einschränkungen für Anwohnende sind in diesem Zusammenhang leider unvermeidlich. In diesem Jahr wurde entschieden, dass ab einer Stunde vor Zugbeginn keine Fahrzeuge mehr in den Veranstaltungsbereich einfahren dürfen.“

Mit dem Hinweis „Nur Fahrzeugen mit Berechtigung wird Einlass gewährt“ seien „Durchfahrtsgenehmigungen der Teilnehmenden des Karnevalsumzuges gemeint, damit diese unter anderem zum Aufstellungsort durchfahren können.“ Allerdings betont die Stadt, dass Rückmeldungen und Beschwerden „im Zuge einer besseren und frühzeitigen Information der Anwohnenden im nächsten Jahr bei den Karnevalsplanungen berücksichtigt werden“.

Im Falle der Leser-Reaktion aus Lützenkirchen ist hingegen die Formulierung der Stadt schwammig: Demnach wurde die Karnevalsstimmung einiger Lützenkirchener Anwohnerinnen und Anwohner „ein wenig getrübt“, als seiner Aussage nach „das Ordnungsamt der Stadt Leverkusen [...] bereits um 7:30 in der Straße Am Sportplatz unterwegs“ war. Demnach seien schon zu früher Stunde „Knöllchen verteilt und der Abschleppdienst bestellt“ worden.

Das harte Durchgreifen des Ordnungsamtes ist an dieser Stelle für mich nicht nachvollziehbar.
Leser Thomas Börschinger über den Beginn der Abschlepp-Aktion am Karnevalssonntag in Lützenkirchen vor 8 Uhr

„Rechtlich mag das in Ordnung sein. Das harte Durchgreifen des Ordnungsamtes ist an dieser Stelle für mich nicht nachvollziehbar“, erklärte Thomas Börschinger in seinem Schreiben an unsere Redaktion. „Wir haben mit unseren Nachbarn in all den Jahren immer dafür gesorgt, dass alle geparkten Fahrzeuge spätestens bis 10 Uhr von der Straße entfernt sind.“

In diesem Jahr sei hingegen bereits knapp sieben Stunden vor Zugbeginn um 14.11 Uhr der KOD-Einsatz eingeleitet worden. Der Leser ergänzte: „Anscheinend sind die leeren Kassen der Stadt auf derlei Einnahmen angewiesen.“

Die Teilnehmenden des Karnevalsumzuges in Lützenkirchen ziehen durch die Straßen.

Der Karnevalsumzug in Lützenkirchen war gewohnt farbenfroh.

In den Ausführungen der Stadt zu den Verkehrsmaßnahmen rund um die fünf Leverkusener Karnevalsumzüge gibt es hierfür zwar eine einheitliche Formulierung, allerdings ist diese wahrlich nicht konkret. „Abschleppmaßnahmen beginnen frühzeitig“, heißt es auch für den Lützenkirchener Zug – so sah auch die Handhabe der Stadt in den vergangenen Sessionen aus.

Auch hierzu bezog die Stadt Stellung: „Nach Kenntnisstand der Stadt Leverkusen standen die Haltverbotsbeschilderungen bereits am 10. Februar 2026 und wurden durch Mitarbeitende der Stadt Leverkusen entsprechend dokumentiert. Das Haltverbot galt am 15. Februar 2026, sodass die Gültigkeit den ganzen Tag (ohne Uhrzeitangabe) betraf.“

Es sei aus „organisatorischen Gründen“ nicht möglich, vorab einzuschätzen, wann die Kontrollen vor Ort vorgenommen werden können – weil vorab nicht abschätzbar sei, wie viele Verstöße es gegen die Haltverbote gebe und wie viel Zeit die Maßnahmen dadurch in Anspruch nehmen.

Dies stehe auch im Kontext der Tatsache, dass am Karnevalssonntag zwei Karnevalsumzüge durch Leverkusen ziehen – und auch in Wiesdorf die Maßnahmen der Verkehrsüberwachung nötig seien. Was den Zug in Lützenkirchen betrifft, ergänzt die Sprecherin: „Eine frühzeitige Kontrolle der Verkehrsüberwachung erfolgte unter anderem auf Wunsch des Veranstalters, auch wegen der neu eingerichteten und zusätzlichen Haltverbotszone auf dem Parkplatz am SSV Lützenkirchen.“