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Deutsche Meisterschaften im SitzvolleyballLeverkusen verliert im Tiebreak

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Das Netz beim Sitzvolleyball hängt nur etwas über einem Meter über dem Boden: Das verkürzt die Reaktionszeit.

Das Netz beim Sitzvolleyball hängt nur etwas über einem Meter über dem Boden: Das verkürzt die Reaktionszeit.

Die Stadt ist seit Jahrzehnten die Adresse für Sitzvolleyball in Deutschland.

In der Herbert-Grünewald-Halle knallen die Bälle knapp über dem Boden flach und hart aufs gegnerische Feld. Während das Netz beim regulären Volleyball bei Männern auf 2,34 Metern hängt, ist es beim Sitzvolleyball nur auf etwas über einem Meter Höhe gespannt. Entsprechend knapp ist die Reaktionszeit. „Damit ist Sitzvolleyball eine der schnellsten Sportarten der Welt“, sagt Jörg Frischmann, Geschäftsführer der Parasportabteilung des Bayer 04 Leverkusen. Kurze Reaktionszeiten, viel Taktik und wuchtige Angriffe auf nationalem Topniveau konnten Besucher am Wochenende beobachten – bei den deutschen Meisterschaften der Frauen und im Mixed in Leverkusen.

Erstmals gewann im Mixed-Turnier die Landesauswahl Rheinland-Pfalz im Tiebreak gegen den Rekordmeister TSV Bayer 04 Leverkusen vor heimischem Publikum und verhinderte damit dessen 30. Titel. Im hochspannenden Finale ging Leverkusen zunächst mit 25:12 in Führung, ehe Rheinland-Pfalz mit 25:14 ausglich und den Entscheidungssatz knapp mit 16:14 für sich entschied. Beide Finals waren bis zum letzten Ball umkämpft.

Bei den Frauen verteidigte der SC Potsdam seinen Titel mit einem Sieg im Finale gegen die Spielgemeinschaft TSV Bayer 04 Leverkusen/Anpfiff Hoffenheim, die damit ebenfalls Silber holte. Beide Leverkusener Teams zeigten ein starkes Turnier, konnten ihre Vorrundenspiele gegen starke Konkurrenz teilweise gewinnen, mussten sich aber in den entscheidenden Endspielen geschlagen geben. Das Turnier war insgesamt hochklassig, wobei besonders die Leistungen von Potsdam und Rheinland-Pfalz sowie die Gastgeber aus Leverkusen hervorgehoben wurden.

Jubel bei den Bayer-04-Frauen: Zwar reichte es nicht für den Sieg, aber die die Spielgemeinschaft TSV Bayer 04 Leverkusen/Anpfiff Hoffenheim holte Silber.

Jubel bei den Bayer-04-Frauen: Zwar reichte es nicht für den Sieg, aber die die Spielgemeinschaft TSV Bayer 04 Leverkusen/Anpfiff Hoffenheim holte Silber.

Die Stadt ist seit Jahrzehnten die Adresse für Sitzvolleyball in Deutschland. Leverkusen ist Rekordmeister, bereits 29-mal holte das Mixed-Team den Titel. Bei den Damen wurden vor dem Wochenende erst drei Titel vergeben – davon konnten die Leverkusenerinnen ebenfalls zwei für sich holen.

Sitzvolleyball ist seit 1980 paralympisch. Gespielt wird wie im klassischen Volleyball mit sechs Spielerinnen oder Spielern pro Team, der Ball darf maximal dreimal berührt werden, bevor er über das Netz muss. Das Feld ist mit zehn mal sechs Metern kleiner als im Standvolleyball. Das Netz hängt tiefer: bei den Männern auf 1,15 Meter, bei den Frauen 1,05 Meter. Entscheidend ist die Regel, dass beim Spielen des Balls das Gesäß Kontakt zum Boden haben muss; wer sich dabei sichtbar „hochzieht“, begeht einen Fehler. Hinzu kommt: Der Aufschlag darf am Netz geblockt werden. Zusammengenommen sorgt das für extrem kurze Ballwechsel und sehr direkte Duelle am Netz.

Die Mixed-Mannschaft holte den zweiten Platz.

Die Mixed-Mannschaft holte den zweiten Platz.

„Das Schöne an dem Sport ist, dass er inklusiv ist“, sagt Frischmann. Bei nationalen Wettbewerben dürfen bis zu drei nicht behinderte Sportlerinnen und Sportler pro Team teilnehmen. So spielen im Leverkusener Team auch drei Spielerinnen von den Zweitliga-Volleyballerinnen der Bayer Volleys mit. „Überhaupt bekommen wir von der Volleyball sehr viel Unterstützung, auch bei der Durchführung des Turniers.“ Wochenlang liefen die intensiven Vorbereitungen: Sponsorensuche, Werbung auf verschiedenen Kanälen, technisches Equipment, Helferplanung, Kuchenspenden, Absperrgitter um die Felder.

Der Standort profitiert dabei von gewachsenen Strukturen, die Parasport selbstverständlich in den Gesamtverein einbinden. Ein Konzept, das sich in Europa gerade immer weiter verbreitet. „In Italien zum Beispiel muss jede Bundesliga-Volleyball-Mannschaft auch eine Sitzvolleyballabteilung haben“, erklärt Frischmann. Dadurch gibt es auch immer mehr Standorte, die in der Lage sind, große Turniere auszurichten. Im europäischen Sitzvolleyball ist man sich einig, dass russische Mannschaften nicht teilnehmen dürfen, daher gibt es auch keine Probleme mit der Austragung von internationalen Wettkämpfen, wie zum Beispiel zuletzt in der Para-Leichtathletik.

Frischmann betont zudem, dass Leverkusen im Sitzvolleyball international gut vernetzt sei, zumal Jürgen Schrapp, Trainer und Spielertrainer des Rekordmeisters, seit 2024 Präsident des Para-Volleyball-Weltverbandes ist. Im Champions Cup, der höchsten Spielklasse im Vereinssport, hat die Leverkusener Mannschaft zuletzt in Neapel Platz fünf erreicht. Für die Nationalspieler aus dem Team steht in diesem Jahr noch ein weiterer Höhepunkt an: die Weltmeisterschaft im chinesischen Hangzhou im Juli. Das ist auch die erste Möglichkeit, sich für den ultimativen Höhepunkt zu qualifizieren: die Paralympischen Spiele 2028 in Los Angeles.