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SensenhammerDie Geschichte hinter der historischen Baracke aus Schlebusch

4 min
Museumsleiter Jürgen Bandsom hatte es geahnt: Hinter der Baracke im Sensenhammer steckt eine Geschichte.

Museumsleiter Jürgen Bandsom hatte es geahnt: Hinter der Baracke im Sensenhammer steckt eine Geschichte.

Bisher war der Holzschuppen nur Lagerraum für das Industriemuseum, jetzt soll er ein Teil von ihm werden.

Eigentlich war er schon immer da, dieser Holzschuppen auf dem Gelände des Industriemuseums Sensenhammer. So scheint es zumindest für die Menschen, die heute dort ein und aus gehen. Das leicht windschiefe Holzgebäude, das an vielen Stellen bereits verwittert und brüchig wirkt, schmiegt sich an das Ufer des großen Teiches auf dem Fabrikgelände.

Eine größere Bedeutung als die eines Lagerraums für das Museum hat er bisher nicht. Öffnet man das große Eisentor, das irgendwie fehl am Platz wirkt, fällt der Blick auf landwirtschaftliche Maschinen wie einen Traktor, Anhänger, Werkzeuge und viele Kleinigkeiten, die sich auf den ersten Blick nicht direkt zuordnen lassen. „Hier lagern wir das Material, das wir für den Museumsbetrieb brauchen“, erklärt Jürgen Bandsom, der als Museumsleiter den Alltag der alten Industrieanlage leitet.

Den Schuppen hatte zunächst kaum jemand auf dem Schirm.

Den Schuppen hatte zunächst kaum jemand auf dem Schirm.

Auf der Teichseite befinden sich zwei kleine, vom Hauptraum abgetrennte Räume. Hier hatte sich bis in die 90er-Jahre die Jägerschaft niedergelassen. Im Aschenbecher am Fenster liegen sogar noch die alten Zigarettenstummel. Staub und Spinnweben bedecken die Hinterlassenschaften der vergangenen Jahrzehnte.

Der gelernte Restaurator Bandsom ist immer auf der Suche nach der Geschichte des Geländes. Vieles liegt noch im Dunkeln. Eine Menge Ideen hat er im Kopf. Pläne, die verwirklicht werden sollen. Den Schuppen hatte zunächst kaum jemand auf dem Schirm. Bandsom hatte aber so eine Ahnung. „Der Schuppen kam mir immer schon irgendwie ‚verdächtig‘ vor“ sagt er. Was er weiß, ist, dass es im Sensenhammer französische Kriegsgefangene gab, die in einem Lager an der Bergischen Landstraße Nummer 67 untergebracht waren. Die Information hat er aus einem kleinen Buch über den Sensenhammer, „Der Freudenthaler Sensenhammer“ von Walter Dietz und Jürgen Weise 1998.

Mehr wusste er nicht, bis Bandsom eines Tages eine bereits betagte Bewohnerin aus Leverkusen befragte. Man hatte ihn auf sie aufmerksam gemacht. „Sprich mal mit der Frau, die hat vor langer Zeit in der Baracke gelebt.“ Eine Information, die die Baracke in ein völlig anderes Licht rücken würde.

Die Zeit hat dem Holz sehr zugesetzt.

Die Zeit hat dem Holz sehr zugesetzt.

Der Museumsleiter traf sich mit der Frau. Sie war einst als Vertriebene aus Schlesien in Leverkusen angekommen und fand in der Baracke eine erste Bleibe. „Wir haben uns hier in die Betten der Russen gelegt“, sagte sie. Eine Aussage, die eine Suche nach Antworten in Gang setzt. Es existieren noch ein paar alte Bilder, die zeigen, wie der Schuppen zu der damaligen Zeit aussah. Der an manchen Stellen notdürftig geflickte Holzbau hatte womöglich mehr zu erzählen, als alle geahnt haben.

Der Architekt Andreas Buss, der sich mit solchen Bauten auskennt, lieferte einen Bauplan und interessantes Hintergrundwissen. Der damalige Leiter des Freilichtmuseums Lindlar, Michael Kamp, vermittelte den Kontakt. Heraus kam: Der Schuppen ist kein einfacher Schuppen. Er ist ein Beispiel für serielles Bauen, wie es besonders in Kriegs- und Krisenzeiten Hochkonjunktur hatte.

Bisher wurde die Baracke als Materiallager genutzt.

Bisher wurde die Baracke als Materiallager genutzt.

Baracken wurden als Bausätze gefertigt. Materialsparend konstruiert, hatte jede Schraube, jedes Brett einen festen Platz. Auf diese Art konnten solche Baracken, in den 30er- und 40er-Jahren, dezentral hergestellt werden. Jede Schreinerei war theoretisch in der Lage, Einzelteile für einen solchen Bau zu liefern. Die Grundlagen dafür wurden in der NS-Zeit gelegt.

Kamp, ebenfalls ein Spezialist für solche Bauten, ist sich sicher: Von dieser Art Baracke gibt es nur noch sehr wenige, die seit der Kriegs- oder Nachkriegszeit am selben Ort stehen. Die Sensenhammer-Baracke ist eine davon. Für Bandsom ist klar, er möchte die Geschichte der Baracke öffentlich machen. Sie ist Teil der Geschichte Leverkusens. Für die Menschen, die hier nach ihrer Flucht ein erstes Zuhause fanden wurde sie zur Zwischenstation in ein neues Leben.

Eins ist klar: An einen Abriss denkt nun niemand mehr. Der erste Schritt ist nun, den Holzbau zu retten. Die Zeit hat dem Holz sehr zugesetzt. „Wir müssen verhindern, dass uns die Baracke unter den Fingern zusammenbricht“, sagt Bandsom. Im Januar war es dann dank einer privaten Spende so weit: Handwerker, die viel Erfahrung im Restaurieren alter Gebäude haben, brachten ein Stützwerk an, um ein Zusammenbrechen zu verhindern. Eines Tages soll die Baracke ein Teil des Museums werden. Sollte jemand noch etwas über die Baracke wissen oder Fotos haben, kann er sich beim Sensenhammer melden: 0214/5007268.