Es steckt viel Idealismus hinter dem, was Pfarrer Siegfried Eckert im Vorfeld der Leverkusener Jazztage in der Christuskirche zum inzwischen vierten Mal auf die Beine stellt. Denn ein Plusgeschäft sind die Spiritual Jazzdays nicht, vielmehr ist es für den evangelischen Geistlichen jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung, das kleine Festival zu organisieren.
Dass es in diesem Jahr erneut geklappt hat, liegt mehr oder weniger auch an einer für Eckert glücklichen Begegnung. Denn als Eckert und sein Pfarrer-Kollege Detlev Prößdorf unter anderem für die Kulturarbeit in der Christuskirche im vergangenen November den Kurt-Lorenz-Preis verliehen bekommen, ist auch Sparkasse-Chef Markus Grawe anwesend. Und im Gespräch sei man auch auf Eckerts Herzensprojekt, die Spiritual Jazzdays, gekommen. Und so kam es, dass Grawe Eckert eine Unterstützung von 5000 Euro zusagte. Dazu kam ein Zuschuss der Evangelischen Kirche im Rheinland und die Konzertreihe war für dieses Jahr gesichert.
30 bis 120 Besucher in den vergangenen Jahren
Die Besucherzahl in den vergangenen drei Jahren habe zwischen 30 und 120 Leuten geschwankt, berichtet Siegfried Eckert. Ohne Unterstützung ist das Festival also „schwer unterfinanziert“, so der Pfarrer. Dabei hat Eckert auch dieses Jahr wieder hochklassige Musikerinnen und Musiker organisiert. Sie alle bekämen natürlich etwas, so Eckert, aber weniger, als sie eigentlich nähmen. Die meisten von ihnen kennt der Pfarrer schon seit vielen Jahren. Denn nicht nur in Leverkusen, sondern auch in Bonn hat er schon viele Musikevents für die Kirche organisiert.
Das Festival beginnt am Sonntag, 25. Oktober, 18 Uhr, mit einer Jazzvesper. Das Motto lautet „Pilgerschaft“. Das Trio „Vandara“ wird schwedische Volksmusik und skandinavischen Jazz spielen. Die Gestaltung des Gottesdiensts liegt bei Gotthard Fermor (Klavier und Liturgie), Jürgen Hiekel (Saxofon) und Eckert (Predigt).
Der vielleicht bekannteste Name der Spiritual Jazzdays ist der von Markus Stockhausen. Der Trompeter (Sohn von Karl-Heinz Stockhausen) kommt am Montag, 26. Oktober, 19 Uhr, mit seiner Band. Stockhausen gilt als Ausnahmemusiker, der sich zwischen Jazz und intuitiver Musik bewegt. Deshalb passt er ins Programm. Denn spiritueller Jazz sei auch „Musik zum Seele-baumeln-Lassen“, sagt Eckert. So richtig zu fassen sei das Genre nicht. Auf jeden Fall sei spirituell nicht dogmatisch zu sehen, nicht konfessionell oder ähnlich. Es gehe mehr um die Atmosphäre, die durch die Musik in Verbindung mit dem Ort Kirche entstehe.
Man kann Stille spielen hören
Für Eckert ist der Auftritt von Tord Gustavsen am Dienstag, 27. Oktober, ebenfalls 19 Uhr, ein Höhepunkt. Er sei jemand, der viel mit Pausen arbeite. „Man kann Stille spielen hören“, sagt Eckert über den Norweger, der zu den führendsten Vertretern des spirituellen Jazz gehöre. „Magisch“ sei das, was er mache. Eher ein Geheimtipp sei Igor Lazarev. Er kommt mit dem „Lazarev acoustic project“ am Mittwoch, 28. Oktober (19 Uhr), nach Wiesdorf. Ein Trio: Gitarre, Bass und Schlagzeug. „Fein und filigran“ sei das Gitarrenspiel des Mannes mit russischen Wurzeln, kündigt Eckert an.
Etwas ganz anderes bieten die Spiritual Jazzdays am Donnerstag, 29. Oktober. Dann kommt der 80-jährige Franzose Jean Faure mit seinem Son Orchester für „Chanson goes Jazz“ in die Christuskirche. „Ein unglaublicher Entertainer“, kündigt Siegfried Eckert an. Und ein Abend, an dem man auch in der Kirche mal einen Rotwein genießen könne.
Den konzertanten Abschluss bildet dann die Supertramp Revival Band am Freitag, 30. Oktober. Bandleader ist Pianist Marcus Schnikel, ein Freund von Eckert, der schon häufiger mit Projekten bei den Spiritual Jazzdays dabei war. Ein richtiges Fest erwartet Eckert an diesem Abend, der zeigen soll, dass zu Spiritualität, genauer gesagt zum „Spirit“ auch „Extase und Feiern“ gehöre.
Für Samstag, 31. Oktober, 11 Uhr, den Reformationstag, hat sich Wilfried Schmickler als Kanzelredner zum Reformationsgottesdienst angesagt. Auch dabei: Uwe Steinmetz (Saxofon), Begründer des kirchlichen Jazznetzwerks „Blue Church“, dem auch Eckert angehört, sowie Hans-André Stamm (Orgel/Klavier).
Spiritual Jazzdays, Christuskirche, Wiesdorf, Konzertbeginn immer um 19 Uhr, Einlass 18.30 Uhr, Karten gibt es bei Kölnticket. Weitere Informationen gibt es online.

