Der Friedhof in Bergisch Neukirchen dient seit mehr als 160 Jahren als Begräbnisplatz.
Friedhöfe in LeverkusenZypressen-Alleen schaffen besondere Atmosphäre in Bergisch Neukirchen

Der Friedhof in Bergisch Neukirchen ist von hohen Scheinzypressen geprägt.
Copyright: Peter Seidel
Es ist kalt an diesem Tag Anfang Januar auf dem Friedhof Bergisch Neukirchen. Ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung streut Salz auf den Wegen des Friedhofs, die vom Schnee des Wochenendes geräumt sind. Weiterer Schneefall ist angekündigt und die Hauptwege auf dem Gottesacker in Bergisch Neukirchen müssen frei bleiben.
Direkt neben dem heutigen Haupteingang an der Burscheider Straße liegt rechts die Trauerhalle. „Meine Zeit steht in deinen Händen“ steht in Bronze-Lettern an der Wand neben dem Eingang. Vers 16 aus Psalm 31 drückt Vertrauen auf Gott in höchster Not aus.
Vor der Trauerhalle steht ein historischer Grabstein: „Hier ruhen in Gott die Pfarrer der Gemeinde Neukirchen“, steht darauf, und dann folgen die Namen von Peter Christoph Scheibler, Wilhelm Kleinschmidt und Jean Trapp, die als Pfarrer der evangelischen Kirche das Gemeindeleben durch das 19. Jahrhundert hindurch prägten. Der Grabstein steht nicht an seiner ursprünglichen Stelle, denn als Peter Christoph Scheibler 1814 starb, existierte der Friedhof Bergisch Neukirchen noch gar nicht. Dessen Einweihung als Friedhof der evangelischen Kirchengemeinde fällt in das Jahr 1862. Jedenfalls ist das die Jahreszahl, die im schmiedeeisernen Tor des ehemaligen Haupteingangs ausgestanzt ist.
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1862 – das Jahr der Einweihung des früheren evangelischen Friedhofs in Bergisch Neukirchen steht im schmiedeisernen Tor zum Gottesacker.
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Scheibler, der das Pfarramt von seinem Vater übernahm und dessen Großvater ebenfalls bereits Pfarrer im benachbarten Burscheid war, hat für die evangelische Gemeinde eine bis heute fortwirkende Bedeutung. Denn der Theologe, der die Gemeinde von 1773 bis 1814 41 Jahre lang führte, ließ das Schiff der nur wenige Schritte vom Friedhof entfernt, etwas die Burscheider Straße hinauf liegenden Kirche erneuern, wie auf einer Plakette an der Kirche vermerkt ist.

Der Friedhof Bergisch Neukirchen mit der evangelischen Kirche im Hintergrund
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Der Friedhof blieb bis 1984 in evangelischer Hand. Vor 42 Jahren ging er dann in städtischen Besitz über, erzählt ein Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung. Ein Jahr darauf fand auf dem Friedhof ein katholischer Geistlicher seine letzte Ruhe, der das kirchliche Leben in Bergisch Neukirchen und Pattscheid mehr als ein halbes Jahrhundert lang geprägt hatte: Monsignore Alois Zimmermann. Zimmermann, der Geistliche mit dem Rauschebart, hatte Zeit seines Wirkens ein gutes Miteinander mit der evangelischen Mehrheitsgemeinde in Bergisch Neukirchen gepflegt.
Doch 30 Jahre nach seinem Tod, 2015, gab es plötzlich heftige Aufregung um sein Grab. Die Stadt hatte, ob mit oder ohne Benachrichtigung der Verwandten, darüber gehen die Meinungen auseinander, sein Grab nach Ende der Ruhefrist eingeebnet, den Grabstein entfernt. Nichts erinnerte mehr an ihn auf dem Friedhof. Doch dabei blieb es zur Genugtuung aller, die den tatkräftigen Mann in Ehren halten wollten, nicht. 2017 weihte Stadtdechant Heinz-Peter Teller einen neuen Grabstein für Zimmermann ein. Und der steht jetzt fast direkt neben jenem, der an die evangelischen Pfarrer aus dem 19. Jahrhundert erinnert.
Ebenfalls direkt am Eingang erinnern Grabdenkmale an zwei bedeutende Industriellenfamilien aus der Bergisch Neukirchener Ortsgeschichte. Breit und groß sowie auf den ehemaligen Haupteingang mit dem schmiedeeisernen Tor ausgerichtet ist das Grabmal der Fabrikantenfamilie Tillmanns.

Das Grabmal der Fabrikanten-Familie Tillmanns
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Johann Isaak Tillmanns hatte 1859 im südlich an Bergisch Neukirchen angrenzenden Wiembachtal mit seinen Söhnen eine Schraubenfabrik gegründet, die Sohn Johann Abraham dann ab 1872 leitete. Letzter steht mit seiner Frau Johanna Wilhelmine zentral auf dem großen, unter Denkmalschutz stehenden Grabstein, rechts und links weitere acht Familienmitglieder. An die Familie erinnern in Bergisch Neukirchen auch mehrere Fabrikantenvillen sowie der Tillmanns-Park direkt gegenüber dem Friedhof.
Auf der Rückseite des Tillmanns-Grabes – und auf den neuen Hauptweg ausgerichtet – die „Ruhestätte Illbruck“, wie es auf dem Grabmal aus rötlich-braunem Sandstein heißt. Das Grabmal ziert ein für einen Grabstein ungewöhnliches alttestamentarisches Bibelzitat. „Gott sprach: Ich werde eine Sintflut kommen lassen, denn die Menschen sind nicht mehr erfüllt von meinem Geiste.“

Das Winterlicht fällt schräg durch die Reihen von alten Scheinzypressen
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Der zürnende Gott, der von diesem Grabstein spricht, sollte aber keinesfalls von einem Rundgang über den mehr als 160 Jahre alten Friedhof abhalten. Auch und gerade im Winter nicht, wenn manchmal der Schnee auf den Nebenwegen unter den Schuhen knirscht. Er nimmt den Besucher vor allem durch seine alten und etliche Meter hohen Reihen von Scheinzypressen ein, die die Hauptwege säumen. Wenn das Wintersonnenlicht schräg zwischen ihren Stämmen hindurch die Wege bescheint, gibt das diesem Ort eine eigentümlich intime Atmosphäre.

Auch Luca Oggianu liegt in Bergisch Neukirchen begraben.
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Auf dem Rundgang fällt ein noch recht frisches Grab mit etlichen Grablichtern, roten Kugeln und sogar einem kleinen Weihnachtsbaum auf. Es ist die Ruhestätte von Luca Oggianu. Der junge Mann kam Ende März 2023 ums Leben, als er versuchte, die Autobahn 3 in Opladen zu Fuß zu überqueren. „Ich trage dich weiter für immer hier bei mir, ich trage dich weiter, bleibst für immer ein Teil von mir“, steht auf dem Grabstein, ein Zitat aus einem Lied der Sängerin Herzchen, die das Lied für ihre früh gestorbene Nichte geschrieben hat.
Wolken verdecken die Wintersonne. Es fängt wieder an zu schneien.

