Interlev hatte die Mahnwache vor der Rathaus-Galerie organisiert.
MahnwacheLeverkusen gedenkt der Menschen im Iran

Fotos und Lichter vor der Rathaus-Galerie: Interlev hatte eine Mahnwache für die Menschen im Iran organisiert.
Copyright: Jessy Schmidt
Die Dämmerung zieht langsam über die Rathaus-Galerie. Der Platz vor dem Eingang liegt fast verlassen dar, obwohl das Einlaufcenter noch ein paar Stunden geöffnet hat. Kaum ein Kaufwilliger kreuzt die freie Fläche, die von Gastronomie und freien Sitzmöglichkeiten umrahmt ist. In der Mitte des Platzes liegen zahlreiche Portraits junger Menschen in einem geschlossenen Kreis auf dem Boden. Lachende Gesichter. Menschen gekleidet in Alltagskleidung oder in traditioneller Tracht. Kerzen erleuchten das Bilderarrangement, platziert am Rande des Bildereises. Zwischen den Bildern liegen Blumen, wie ein letzter Gruß an Menschen, die für den Kampf um ein wenig Freiheit ihr Leben ließen.
Diese Menschen bildeten den Mittelpunkt einer Mahnwache, die die Internationale Liste Leverkusen (Interlev) am Freitag organisiert hatte. Eine Mahnwache, die den Menschen im Iran gilt. Den Menschen, die aktuell in einem extremen Ausnahmezustand leben.
Langsam kommen mehr Menschen, um ihre Unterstützung für die Iraner auszudrücken. Viele der Teilnehmenden stammen selbst aus dem Land in Vorderasien. Sie haben Familie und Freunde dort. Die Bilder im Kreis sind Freunde, Familienmitglieder oder Bekannte, die die Proteste nicht überlebt haben. Dicht an dicht spenden sich die Anwesenden Trost, halten Plakate und Bilder in den Händen und entzünden immer wieder neue Kerzen. Eine andächtige Stille liegt über dem Platz. Die Zeit scheint stillzustehen.
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Viele gehören iranischer Gemeinschaft an
Viele der Anwesenden gehören der iranischen Gemeinschaft in Leverkusen an. Ihr Vorsitzender, Mahmoud Taghavi, berichtet von der aktuellen Situation in seinem Heimatland: „In den letzten zwei Tagen hat es rund 20.000 Tote gegeben“, sagt er. „Die Verletzten werden auf 100.000 geschätzt. Um ihre Toten zurückzubekommen, müssen die Familien Geld zahlen, 4000 bis 5000 Euro“, so Taghvi. Das Land sei abgeriegelt wie Nordkorea. Informationen gelangten aktuell meist nur mit den Menschen über dem Landweg in den Westen, die dann erzählen. Ausreisende würden nach Videos und Fotos kontrolliert.
„Wir haben keinen Kontakt zu unseren Familien und machen uns große Sorgen.“ Mit diesen Worten wendet er sich wieder den Mitsreitern und Mitstreiterinnen zu, begrüßt weiter Ankommende, bedankt sich für ihre Anwesenheit. Währenddessen verteilt eine Frau Gebäck an die Menschen im Kreis. Die Gründe für ihre Anwesenheit sind ähnlich. „Es ist das Einzige, was wir tun können“, erklärt Taghavi. „Wir möchten den Menschen im Iran so zeigen: Wir denken an euch, wir verurteilen die Gräueltaten und unterstützen die Befreiung.“
Wir stehen hier aus Solidarität, für die Demokratie, gegen Faschismus, für Menschenrechte und gegen Femizide.
Auch Mitglieder von „Omas gegen rechts“ sind gekommen. „Wir stehen hier aus Solidarität, für die Demokratie, gegen Faschismus, für Menschenrechte und gegen Femizide“, sagte Regine Mertgen. „Wir möchten ein Zeichen für die Getöteten setzen, die für den Wunsch nach Demokratie gestorben sind.“
Neben dem Wunsch, ein allgemeines Zeichen für die demokratischen Werte zu setzen, kommen bei manchen aber auch persönliche Gründe hinzu. Freunde im Iran oder die Bekanntschaft mit iranischen Familien in der Umgebung führte die ein oder andere „Oma“ zum Rathaus nach Wiesdorf. Eine Stunde lang gelten die Gedanken von etwa 80 Menschen gemeinsam den Bürgerinnen und Bürgern im Iran, die gerade ihr Leben im Kampf für mehr Freiheit, Demokratie und wirtschaftlicher Stabilität riskieren.
Danach ist alles wieder schnell vorbei. Innerhalb von wenigen Minuten liegt der Platz wieder da wie vorher. Die Bilder, Blumen und Kerzen sind verschwunden. Die abgebrannten Wachsreste aufgelesen. Die Teilnehmenden verabschieden sich. Der Platz der Stille für 60 Minuten füllt sich wieder mit Alltag. Die Gedanken an ihre Familien aber nehmen die Teilnehmenden mit nach Hause,.


