Und der demografische Wandel verschärft die Lücke zwischen Bestand und Bedarf noch.
Grünen-AnfrageLeverkusen hat viel zu wenig barrierefreie Wohnungen

Die WGL, hier die Skizze des Blocks am Königsberger Platz in Rheindorf nach dem Umbau, hat nach eigenen Angaben derzeit 415 barrierefreie Wohnungen im Bestand.
Copyright: WGL
Etwa zehn Prozent der im Jahr 2024 angebotenen Mietwohnungen in Leverkusen waren „barrierefrei“ oder „barrierearm“. Das geht aus einer Anfrage der Grünen an die Stadtverwaltung hervor. Die hat die Zahlen aus dem Wohnungsmarktbericht, nach dem insgesamt 1745 Mietwohnungen, sowohl in Neubauten als auch im Bestand, angeboten worden waren.
Die Frage der Grünen, wie viele barrierefreie und barrierearme Wohnungen es derzeit in Leverkusen gibt, lässt sich aber auch mit dieser Zahl nicht beantworten. Denn in der Statistikstelle der Stadtverwaltung gibt es zu „barrierefrei oder barrierearm“ bei den Wohnungen keine Datenbank, das werde auch nicht untersucht. Diese Faktoren seien auch beim Zensus 2022 nicht erfasst worden.
Das Landesministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung schätzt, dass es etwa 580 „umfassend barrierereduzierte Wohnungen“ in Leverkusen gibt. Das geht aus dem „Wohnungsmarktgutachten über den quantitativen und qualitativen Wohnungsneubaubedarf in Nordrhein-Westfalen bis 2040“ hervor, teilt die Leverkusener Stadtverwaltung mit. Das hatte ein Wohnungsforschungsinstitut (Gewos) im Auftrag des Ministeriums erstellt. Aber: Aktuell ist auch dieses Zahl nicht, die Daten stammen aus dem Jahr 2018.
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Leverkusen: Neubauten nur noch barrierefrei
Diesen Daten zufolge liegt der Anteil barrierereduzierter Wohnungen in Leverkusen bei rund einem Prozent, in ganz Nordrhein-Westfalen sind es laut Stadt immerhin zwei Prozent. Als seniorengerecht gelten aktuell zehn Prozent (2209) der Wohnungen. Das habe die Verwaltung für den Wohnungsmarktbericht 2025 bei den Wohnungsunternehmen in der Stadt abgefragt.
„Der ermittelte Bedarf an altersgerechtem Wohnraum übersteigt den Bestand an umfassend barrierereduzierten Wohnungen“, so die Stadtverwaltung in ihrer Antwort an die Grünen. Die Versorgungslücke liege auf Basis der 2018er-Daten des Gewos-Gutachtens bei 5710 Wohnungen. Und wegen des demografischen Wandels werde der Bedarf nach barrierereduzierten Wohnungen zunehmen, weiß man im Rathaus. Bis 2040 rechnet die Stadt mit rund 26 Prozent (1660 Menschen) mehr mobilitätseingeschränkten Leverkusenerinnen und Leverkusenern, die älter sind als 65. Landesweit soll der Anstieg sogar bei 36 Prozent liegen.
Nur durch Neubauten könne das Problem nicht gelöst werden, heißt es von den Stadtplanern. Der Bedarf müssen umfassend angepasst werden. Vor allem, weil viele ältere Menschen gern lange in ihren Wohnungen bleiben möchten. Aber: „Die Modernisierung des Wohnungsbestands stellt jedoch eine privatrechtliche Aufgabe dar und obliegt den Privatleuten oder den zuständigen Wohnungsunternehmen.“
Wir planen darüber hinaus in den nächsten fünf Jahren den Bau von weiteren mindestens 300 barrierefreien Wohnungen.
Wie der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL), Gerald Hochkamer, mitteilt, gebe es rechtlich den Begriff „barrierearm“. Die WGL hat in ihrem Portfolio laut Hochkamer 415 Wohnungen, die nach DIN 180402-Vorgabe „barrierefrei“ seien. Das entspreche 5,9 Prozent des Bestandes. Dazu zählen zum Beispiel die im sanierten Block am Königsberger Platz in Rheindorf. Jedoch seien nur zwei Wohnungen rollstuhlgerecht.
Inzwischen baue die WGL nur noch barrierefreie Wohnungen, teilt Hochkamer mit: Derzeit sind das 75. Drei davon seien Wohnungen für Rollstuhlfahrer, sie sollen Ende des Jahres fertig sind. Hochkamer weiter: „Wir planen darüber hinaus in den nächsten fünf Jahren den Bau von weiteren mindestens 300 barrierefreien Wohnungen.“
Von den insgesamt 2150 Wohnungen im Bestand des Gemeinnützigen Bauvereins Opladen (GBO) seien 465 barrierefrei und 40 barrierearm, berichtet Vorstand Alexander Dederichs. Bei Modernisierungen von bestehenden Wohnungen versuche man, „Barrieren abzubauen“. Immer gehe das aber nicht. In Quettingen sollen bald 17 neue Aufzüge eingebaut werden, so sollen „zusätzlich 130 Bestandwohnungen möglichste barrierearm“ werden. Wie die WGL auch, baut auch der GBO neu immer barrierefrei.

