Die Aktion soll dazu dienen, miteinander ins Gespräch zu kommen.
„Pinsel statt Powerpoint“Bayer-Mitarbeiter lernen Kunstwerke im eigenen Haus kennen

Claudia Mann diskutierte mit Bayer-Mitarbeitern Kunst, die sollen die Erkenntnisse an die Belegschaft weitertragen.
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Wie viele Kunstwerke in den Fluren und Büros an der Kaiser-Wilhelm-Allee hängen, weiß vermutlich keiner der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auswendig. Und auch darüber, wer sie geschaffen hat und was sie bedeuten könnten, machen sich die wenigsten Menschen Gedanken, wenn sie auf dem Weg ins nächste Meeting sind.
Das will der Konzern aber mit der Aktion „Pinsel statt Powerpoint“ ändern. Wer Interesse hat, hat nun die Möglichkeit, sich mit der Bayer-Kunst am eigenen Arbeitsplatz auseinanderzusetzen. Kunst und der Leverkusener Konzern sind seit Langem eng verbunden. Rund 3000 Kunstwerke befinden sich nach Angaben des Unternehmens im Besitz der Bayer AG. Seit mehr als 100 Jahren sammelt der Konzern Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen. Der Bestand ist in den vergangenen Jahren erheblich kleiner geworden, durch Auktionen und andere Aktionen hat sich Bayer inzwischen von vielen Werken getrennt.
Mitarbeiter sollen ins Gespräch kommen
Eine kleine Gruppe von Interessierten traf sich jetzt zum Auftakt der Aktion zu einem ersten Workshop, geleitet von der bildenden Künstlerin Claudia Mann. Die hatte ein halbes Dutzend Bücher über Kunst dabei und erzählte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern etwas über die Werke, an denen sie tagtäglich vorbeigehen. Dabei sei es aber nicht geblieben, berichtet die Künstlerin: „Eigentlich haben wir uns übers Menschsein unterhalten.“ Über Berührungen, über ausbleibenden Kontakt in einer immer digitaler werdenden Welt. Über den Lockdown.
Und dabei habe sie festgestellt, dass der Wunsch da sei, mehr zusammenzukommen. Und zwar nicht digital. Und da setzt „Pinsel statt Powerpoint“ an. Es gehe darum, innerhalb der Arbeit neue Wege zu finden, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Jeder bringt etwas rein und das ist dann eine geteilte Wahrheit“, so die Künstlerin über den Ansatz, über Kunst zu reden.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops sind jetzt sozusagen die Vernetzer. Sie sollen in „Coffee Chats“, also in etwa „Kaffee-Pläuschchen“, wiederum mit anderen Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch kommen. Über Kunst natürlich, aber eigentlich über alles, was sie beschäftigt.
„Das Angebot an sich ist ein bisschen das Ziel der Aktion“, sagt Andrea Peters, die Kunstverwalterin des Unternehmens. Es gehe darum, ins Gespräch zu kommen. Für das Unternehmen sei das ein Angebot wie Sport. Quartalsweise sollen die „Coffee Chats“ gehalten werden. „Die Resonanz bisher war sehr erfreulich“, sagt Peters. Womöglich könnte „Pinsel statt Powerpoint“ irgendwann auf andere Bayer-Standorte ausgeweitet werden.

