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VorsitzenderGerd Kortschlag nach 19 Jahren im Tierschutzverein Leverkusen abgewählt

Im Tierschutzverein Leverkusen hat es eine Revolte gegen den vieljährigen Vorsitzenden gegeben, die in der Abwahl endete.

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Gerd Kortschlag und Hunde auf einem Bild von 2020 im Leverkusener Tierheim.

Gerd Kortschlag und Hunde auf einem Bild von 2020 im Leverkusener Tierheim.

Das Leverkusener Tierheim war seit fast zwei Jahrzehnten nicht ohne ihn denkbar: Seit 2007 war der Feuerwehrmann Gerd Kortschlag Leiter des Leverkusener Tierschutzvereins. Vor kurzem wurde der Odenthaler in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Leverkusener Forum abgewählt.

Den Verein führt jetzt bis zu einer Neuwahl kommissarisch der bekannte Leverkusener Veranstalter Werner Nolden. Er ist vom amtierenden Vorstand gebeten worden. Seit Längerem hatte sich offenbar eine Oppositionsgruppe innerhalb des Vereins gebildet, die ihre Leute gut mobilisieren konnte. Auf der Versammlung am 7. Oktober stimmten 104 dafür, Kortschlag aus dem Amt zu fegen. Nur etwa 50 Mitglieder unterstützten ihn.

Erfolgreicher Vorsitzender oder Diktator?

Nolden, der sagt, er habe noch zwischen den Fronten vermitteln wollen, sagte zu den Gründen: „Ich will nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, aber da war nichts mehr zu machen. Die Ehe war zerrüttet.“ Dem Feuerwehrmann Kortschlag (75), der vor seiner Pensionierung die Leverkusener Hauptwache an der Stixchesstraße geleitet hat, wird ein manchmal allzu bestimmender Umgangston mit den Ehrenamtlern und Angestellten im Tierschutzzentrum vorgeworfen.

In der hitzigen Versammlung soll er böse als „Diktator“ betitelt worden sein. Mit seiner deutlichen Art sind offenbar viele gut klargekommen – manche aber auch nicht. Nolden, der die Mitgliederversammlung am 7. Oktober geleitet hat, sagt, Tierschützer und Tierschützerinnen seien eben bisweilen „schwierig“. Die Verdienste Kortschlags für den Leverkusener Tierschutz seien enorm, sagt auch Nolden.

Daran gibt es wohl keinen Zweifel:  Der ausgemachte Hundefreund übernahm 2007, fünf Jahre vor seiner Pensionierung, den Tierschutz Leverkusen e. V. als verschuldeten Verein mit 800 Mitgliedern; heute sind 1600 eingeschrieben und auf dem Konto sollen zwei Millionen Euro liegen. Der „TS-Lev“ soll einer der reichsten Tierschutzvereine überhaupt sein. In den vergangenen Jahren wurde investiert: Unter Kortschlag wurde das Hans-Richartz-Tierschutzzentrum im Wald hinter der Autobahn an der Reuschenberger Straße mit einem Neubau erweitert, dort gibt es jetzt auch eine neue, gut ausgestattete Tierarztpraxis.

Auch Juristen involviert

Dennoch gibt es neben dem unscharfen Problem des Umgangstons weitere Vorwürfe, die inzwischen auch Juristen beschäftigen. Kortschlag soll sehr erfolgreich im Spendensammeln gewesen sein. Manchmal konnte er die Sachen offenbar gar nicht unterbringen, so wie eine Waschmittelspende, die er als Hilfslieferung in die Ukraine umgeleitet haben soll, weshalb er jetzt mit einer Anzeige zu tun hat. Kortschlag, der gemeinsam mit seiner ehemaligen zweiten Vorsitzenden Christa Westerheider zum Gespräch in die Redaktion gekommen war, konnte über die Umwidmung seiner Waschmittelspende nicht reden: Das Verfahren läuft noch.

Gerd Kortschlag Bild: Ralf Krieger

Der enttäuschte Gerd Kortschlag beim Redaktionsbesuch.

Kortschlag gibt im Gespräch zu, dass er Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern klare Ansagen gemacht habe: „Ja, ich habe schon regiert im Verein.“ Allerdings sei ein Tierschutzverein, der sich auch verpflichtet habe, die Fundtiere der Stadt aufzunehmen, auch etwas anderes als etwa ein Karnevalsverein. „Das ist wie ein Wirtschaftsunternehmen, nur ohne Produktion.“ Im Tierschutzzentrum sind acht Tierpflegerinnen und sieben Auszubildende angestellt. Das Tierheim muss immer besetzt sein: Der Verein besitzt mehrere Dienstwohnungen im Tierheim.

Christa Westerheider, die bisher die Vereinszeitung verantwortet hat, gehört zu der Fraktion, die gut mit dem Vorsitzenden zusammengearbeitet hat. Die Heftigkeit, mit der die Kortschlag-Opposition im Verein vorgegangen sei,  könne sie sich nicht abschließend erklären. Sie ist gemeinsam mit ihm von ihrem Amt zurückgetreten und schreibt in einer Notiz zur Abwahl: „Warum das alles? Ist es die Freude an der Macht über einen finanzkräftigen Verein mit Personal, Dienstwohnungen und eigener Tierarztpraxis?“

Eine der Wortführerinnen der Abwahl soll für sich und ihren Mann Zusatz-Jobs im Verein erhofft haben, was Kortschlag abgelehnt haben soll.

Beide, Westerheider und Kortschlag, bleiben als einfache Mitglieder im Verein. Kortschlag wird sich wohl jetzt auf seine anderen „Hobbys“ konzentrieren. Er ist Vizepräsident im Landestierschutzverband und neuerdings zweiter Vorsitzender im Tierheim Kürten. Ob auch sein Engagement für die von Russland angegriffene Ukraine, für die er mehrfach im Jahr Hilfslieferungen organisiert, eine Rolle bei der Abwahl gespielt hat, ist unklar.