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Extreme HitzeRettungseinsätze in Leverkusen verdreifacht – Remigius-Krankenhaus überlastet

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Kühlender Sprühnebel in der Wiesdorfer City.

Hitze: Die Feuerwehr stellt eine Dusche in der City auf.

Die Stadt richtete einen Krisenstab ein. Kühle Orte stehen bei Avea und im Bayer Kasino offen. 

Die Zahl der Rettungseinsätze von Feuerwehr und Rettungsdiensten ist am Wochenende in der Rekordhitze auf das dreifache üblicher Zahlen für einen Samstag gestiegen. Die Stadt berichtet am Sonntag, dass von Samstag, 7 Uhr, bis Sonntag, 7 Uhr, 153 Rettungseinsätze nötig waren. Durchschnitt sind für einen Samstag 50 bis 60 Einsätze. Seit Samstagabend seien deshalb zusätzliche Krankentransport- und Rettungswagen im Einsatz.

Zudem prüft die Stadt, ob zwischen Samstagmorgen und Sonntagnachmittag gemeldete Todesfälle im Zusammenhang mit der Hitzewelle stehen. Bei 19 Fällen bestehe dieser nach bisherigen Erkenntnissen möglicherweise, so die Stadt am Sonntagnachmittag. Und weiter: „Ob und in welchem Umfang die Hitze im Einzelfall ursächlich war, wird geprüft. Zudem ermittelt in einigen Fällen die Kriminalpolizei.“

Während die Notrufe in die Höhe schnellten, musste die Feuerwehr am Samstagnachmittag auch das St. Remigius-Krankenhaus in Opladen unterstützen, weil dessen Notaufnahme überlastet war. „Die Feuerwehr Leverkusen war mit rund 30 Kräften vor Ort und hat mit Material – unter anderem Monitoren, Infusionen und Beatmungsgeräten – aus dem ‚Mobilen Krankenhaus‘ unterstützt. Zudem wurde eine Station mithilfe der Hochleistungslüfter der Feuerwehr belüftet“, heißt es dazu in der Mitteilung der Stadt. Der unterstützende Einsatz für das Team in der Opladener Klinik war gegen 22.30 Uhr beendet.

Angesichts der Lage alarmierte die Stadt am Samstagnachmittag um 16.30 Uhr den Krisenstab. Dessen Mitglieder sind seitdem durchgängig in Kontakt mit den Altenheimen und weiteren Betreuungseinrichtungen in der Stadt, um gegebenenfalls schnell Hilfe zu organisieren. Als Rückfalloption nahm die Stadt am Sonntag das klimatisierte Forum in Betrieb. Im Terrassensaal wurden vorsorglich Notfallbetten aufgestellt, um zum Beispiel Altenheimen Entlastung anzubieten. Bis Sonntagmittag wurde davon jedoch zunächst kein Gebrauch gemacht.

Stadtverwaltung, Rotes Kreuz, Malteser und Feuerwehr ändern auch beim Gesundheitstag am Samstag in der Wiesdorfer Fußgängerzone kurzfristig ihr Programm. Die Feuerwehr hat mit einer Konstruktion aus Schläuchen und Löschlanzen eine Kühlinsel geschaffen. Dafür ist jede und jeder dankbar.

Kühlinsel in der Fußgängerzone

Die Kühlinsel in der Fußgängerzone war am Samstag sehr gefragt.

Da, wo eigentlich Inklusion Thema sein soll, geht es nun um die Hitze.  „Wir haben unser Angebot kurzfristig umgestellt“, erklärt Jan Klar vom Malteser Hilfsdienst. Anfangs haben sie Reanimationspuppen aufgebaut, aber bei den Temperaturen hat niemand Lust, sich körperlich zu betätigen: Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung per Handdruck ist anstrengend.

Stattdessen informieren sie, wie man sich gegen Hitze schützt, und beschreiben die Symptome bei zu viel Sonneneinstrahlung. Zum Beispiel: „Die Rettungsdecke ist eine gute Möglichkeit, jemandem ein wenig Erleichterung von der Hitze zu verschaffen. Aber nicht, indem man ihn einwickelt“, erklärt Klar. Dass eine Seite kühlt und eine wärmt, sei ein Gerücht, ergänzt der Malteser-Mitarbeiter. Die unterschiedlichen Farben gebe es wegen der Sichtbarkeit. Schatten spenden könne man mit der Decke, indem man sie als Sonnendach nutzt.

Zwei Männer halten eine Rettungsdecke über einem dritten.

Wie man einen Sonnenschutz mit der Rettungsdecke schafft, zeigen die Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes.

Nebenan sitzt die Feuerwehrbesatzung unter einem Pavillon und bewacht ihre kühlende Konstruktion. „Unsere Kühlinsel wird gut angenommen“, freut sich Andreas Schuhen vom Löschzug Wiesdorf. „Kaum war die aufgebaut, da rannten bereits die ersten Kinder durch. Das war auch am Freitag schon so.“

Ein Löschschlauch, hoch über dem Erdboden angebracht, wurde mit Löschlanzen kombiniert. Letztere haben kleine Löcher an der Spitze. Sie sind normalerweise dafür da, in Hohlräumen platziert zu werden. In der City verbreiten sie einen leichten Wasserfilm, der sich länger in der Luft hält.

Während die Feuerwehr für die äußere Abkühlung sorgt, kümmern sich Leute vom Roten Kreuz um die Abkühlung innen. Sie stehen mit ihrem Zelt neben dem Trinkwasserbrunnen. „Eine der Kernkompetenzen des DRK ist tatsächlich die Ausgabe von Trinkwasser“, erklärt Maximilian Groß, Beauftragter für Katastrophenschutz. „Das weiß nur kaum jemand, weil es hier bei uns kaum nötig ist.“

Wasserausgabe des Roten Kreuzes in der Fußgängerzone

Eine Kernkompetenz des DRK, die sonst kaum gefragt ist: Wasserausgabe

Dieses Jahr war das anders. „Wir wären eh auf dem Gesundheitstag gewesen“, sagt Groß. „Da haben wir kurzfristig umgeswitcht und der Stadt die Wasserausgabe angeboten.“ An diesem heißen Tag ein beliebtes Angebot.

Überhaupt hat die Stadt Leverkusen mit dem veränderten Programm offenkundig den Nerv getroffen. Mirja Stevens, die Leiterin des Gesundheitsamtes, und Janine Severins vom Amtsärztlichen Dienst geben praktische Tipps zur sofortigen Abkühlung. „Die Fragen der Menschen gehen in diesem Jahr vermehrt in Richtung Sofortmaßnahmen“, haben sie erfahren. „Wenn der Ventilator nichts mehr bringt, erhöht sich der Effekt, wenn man Eiswürfel davorlegt“, erklärt Stevens. „Auch ein nasses Tuch um die Handgelenke bringt schon viel, oder feuchte, aufgehängte Badetücher in den Räumen.“

Wenn es darum geht, eine Person schnell herunterzukühlen, hat Severins diese Tipps: „Am besten kühlt man unter den Achseln, am Hals und auf den Handgelenken. Das sind Bereiche, wo die Blutgefäße nahe unter der Haut liegen und so schnell erreicht werden.“ Im Rathaus geht man davon aus, dass Akutmaßnahmen gegen Hitze in Zukunft öfter angeboten werden müssen.

Kühle Orte – bis Sonntagabend im Bayer Kasino und bei der Avea

Wer dringend Abkühlung benötigt, findet am Sonntag bis abends 19 Uhr Unterschlupf bei der Avea-Zentrale im Eisholz. Mitarbeitende der Stadt, des Roten Kreuzes und des Malteser Hilfsdienstes stehen dort als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Bayer AG hat am Sonntag bis 20 Uhr das Bayer Kasino als kühlen Ort geöffnet und bietet Schutzsuchenden kostenlos Trinkwasser an. Das Hitzetelefon ist bis Sonntagabend 19 Uhr unter 0214/7505 512 erreichbar. Geschultes Personal informiert Anrufende dort zu allen Fragen rund um die Sommerhitze. (ps)


So erkennt man Hitzenotfälle

Bei einem Hitzschlag herrscht eine erhöhte Körpertemperatur, die Haut ist heiß und trocken, der Pulsschlag hoch. Krämpfe und Erbrechen, Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit können dazukommen.

Bei einem Sonnenstich leidet man in der Regel unter Kopfschmerzen, Schwindel. Der Kopf ist rot und heiß, Übelkeit, Erbrechen und Nackenschmerzen können dazukommen.

Die Hitzerschöpfung erkennt man an Schwäche und Abgeschlagenheit, kalter und feuchter Haut, Übelkeit, Fieber und starkem Durst.

Was tun? In den Schatten gehen oder Patienten dorthin bringen, den Körper kühlen, zum Beispiel mit nassen Tüchern. Bei Verdacht auf einen Hitzschlag und bei Bewusstlosigkeit den Notruf 112 wählen. Es müssen nicht immer alle Symptome auftreten. (sjs)