Die Schlebuscher Schreinerei Feinschnitt baut Bahnen aus Holz für Modellauto-Rennen, Slotfire eben. Der Betrieb hat damit ein Alleinstellungsmerkmal.
Handwerk in LeverkusenIn Schlebusch lässt Slotfire Männerträume wahr werden

Dirk Wahn lässt ein Porsche-Modell über die Slotfire-Bahn flitzen.
Copyright: Peter Seidel
Der 1970er Porsche 917K Targa Florio zieht etwas zögerlich seine Runden. In der Steilkurve wird er sogar so langsam, dass er kurz hängenbleibt. Aber kein Problem: Dirk Wahn läuft schnell zu ihm und setzt ihn wieder gerade in die Spur, besser gesagt den Schlitz (englisch: „slot“), aus dem er seinen Strom zieht. Und weiter geht's, jetzt schon ein bisschen forscher, denn der Mann am Drücker traut sich, den Porsche-Rennwagen zügiger über die Bahn zu jagen.
Wir stehen in der Halle für die Endmontage und -kontrolle der Schreinerei Feinschnitt am Ortsrand von Schlebusch. Vor uns steht eine dreispurige „Slotfire“-Rennbahn, von ein paar Scheinwerfern an der Decke ins rechte Licht gerückt: 23 Meter lang, aus Holzbauteilen, am Start drei Porsche 917 K-Modelle im Maßstabe 1:32. Die Bahn ist die Demonstrationsanlage der Schreinerei, die seit 2005 Slotracingbahnen aus Holz anbietet – in dieser standardisierten Form als einziges Unternehmen weltweit. „Wenn Kunden zu uns kommen, die zu Hause schon eine Carrerabahn stehen haben, und sie das erste Mal ein Auto auf unserer Bahn fahren, ist das immer so der Aha-Moment“, sagt Dirk Wahn, der in der Schreinerei für das Marketing und den Verkauf der Slotfire-Bahnen zuständig ist.
Denn, wenn man zu Hause eine Bahn aus Kunststoffbauteilen zusammenstecke, kenne man die Probleme: „Mal bricht was ab, dann fehlt irgendwo der elektrische Kontakt oder es ruckelt“, so Wahn – obwohl man doch überzeugt war, alles richtig zusammengesteckt zu haben. Probleme, die es bei einer Slotfire-Bahn nicht gibt. Eine Bahn wie in der Schlebuscher Halle ist aus viel weniger Bauteilen zusammengesetzt als eine Bahn aus Kunststoff. Die einzelnen Bauteile sind also viel schwerer als bei Bahnen aus Kunststoff, zudem gibt es viel weniger Übergänge. Wahn: „Bei unserer 23 Meter langen Bahn hier, haben wir ganze sieben Übergänge von einem Bauteil zum nächsten.“
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Eine computergesteuerte Maschine fräst, bohrt und sägt in der Werkstatt der Schreinerei eine MDF-Platte für die nächste Rennbahn.
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Aber Holz? Arbeitet das nicht und verzieht sich mit der Zeit, sodass dann gar nichts mehr zusammenpasst? „Die Bahnen werden aus MDF-Platten gefertigt.“ MDF steht für „Mitteldichte Holzfaserplatte“, die aus Holzfasern, die mit einem Bindemittel zu einem homogenen Material zusammengepresst werden. Anders als Vollholz „arbeiten“ MDF-Platten so gut wie nicht unter normalen Raumbedingungen. Und die Platten werden in der Schreinerei mit großer Präzision gefertigt. „Wir reden von einer Fehlertoleranz von unter einem Zehntel Millimeter“, erläutert Wahn.
Das sorgt für Laufruhe auf der Rennstrecke. Kein Wunder, dass da die Augen potenzieller Kunden zu leuchten beginnen. Von Kundinnen zu sprechen, erübrigt sich hier fast. „Seitdem ich für Slotfire arbeite, habe ich fünf Rennbahnen an Frauen verkauft. Drei davon arbeiteten in Agenturen, haben die Bahnen also im dienstlichen Auftrag gekauft, die anderen beiden haben die Bahnen verschenkt“, so Wahn. An Männer natürlich.

Drei Porsche 917 K-Modelle stehen am Start der Slotfire-Bahn.
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Der klassische Privatkunde sei ein Mann über 50. 90 Prozent davon besäßen bereits eine Carrerabahn. Privatkunden machen die Hälfte des Geschäfts aus, die andere Hälfte seien Firmenkunden, die sich Bahnen zum Beispiel zu Werbezwecken fertigen lassen. Die Kundschaft komme vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Nach Österreich ging auch die teuerste, bisher verkaufte Slotfire-Bahn, ein digitales, zweispuriges Modell mit der Möglichkeit des Spurwechsels für knapp 30.000 Euro, Einsteigermodelle sind für eine mittleren vierstelligen Betrag zu haben.
„Unsere Slotfire-Bahnen stehen in jedem bewohnten Erdteil.“ Die Schreinerei habe Bahnen in die USA, nach Australien, nach Südamerika und in die Emirate verkauft. Auch an der berühmten Autorennstrecke im französischen Le Mans steht eine Modellauto-Rennbahn aus Schlebusch: achtspurig, sechs mal 14 Meter groß. 20 bis 25 Bahnen werden Jahr für Jahr am Dünnwalder Grenzweg gefertigt.
Das beliebteste System sei die dreispurige Bahn. „Das 300er-System ermöglicht ganz viel Strecke auf relativ wenig Raum.“ So eine Bahn passt auch auf ein Türblatt, wie ein auf eine Tür montiertes Demonstrationsobjekt in der Halle zeigt. Oder „Mann“ lässt sich maßstabsgetreu den Verlauf den Nürburgring nachbauen. Den Träumen motorsportbegeisterter Männer sind in Schlebusch kaum Grenzen gesetzt.
2004 in Köln gegründet
Der Unternehmensberater Rolf Schneidereit hat „Slotfire“ 2004 in Köln gegründet. Auf der Suche nach einer Schreinerei, die Slotcar-Rennbahnen aus Holzmodulen fertigen könnte, kam er 2005 auf die Schlebuscher Schreinerei Feinschnitt zu. 2010 erwarb die Schreinerei die Marke „Slotfire“ von Schneidereit. Paul Bacher, Gründer der Schreinerei, ist für die Konstruktion der Bahnen nach den Wünschen der Kunden verantwortlich. Der 64-jährige Bacher stammt aus Opladen und ist auch stellvertretender Obermeister der Tischlerinnung Bergisches Land und Lehrlingswart in der Innung. Zur Zeit bildet er drei Auszubildende zu Tischlern aus. (ps)

