Die jetzt noch stehenden Gebäude der alten Brennerei stehen nicht unter Denkmalschutz, allerdings steht der Landschaftsschutz im Weg.
Für EinfamilienhäuserLeverkusener Inhaber wollen die Grunder Mühle abbrechen

Die jetzt noch stehenden Gebäude der alten Brennerei stehen nicht unter Denkmalschutz, allerdings steht der Landschaftsschutz im Weg.
Copyright: Ralf Krieger
Die Inhaber der Grunder Mühle wollen das alte Mühlengebäude abbrechen und an der Stelle fünf Einfamilienhäuser bauen. Es gibt nur ein Problem: Die Mühle liegt im Landschaftsschutzgebiet.

Ein Archivbild aus 2006 von der Grunder Mühle. Die Inhaber hatten eine Lizenz zum Schnapsbrennen.
Copyright: Ralf Krieger
Die Inhaber, darunter der Leverkusener Architekt Bernd Schendzielorz, stellten das Vorhaben im Naturschutzbeirat vor, „um ein Meinungsbild zu der Sache einzuholen“, sagte er. Schon seit Längerem steht er zum Abbruch der Mühle und deren Umwandlung mit der Stadtverwaltung im Kontakt. Vorweg: Es gab Diskussionen, aber die Mitglieder im Naturschutzbeirat gaben dem Vorhaben ihren vorläufigen Segen, der allerdings noch keinerlei rechtliche Relevanz hat.
Ein städtischer Mitarbeiter der Naturschutzbehörde machte in der Sitzung klar, dass die Hürden für die Umsetzung hoch lägen. Zum Beispiel hatte die Verwaltung den ursprünglichen Plan der Inhaber gekippt, an der Stelle zehn Einfamilienhäuser zu bauen. Im Landschaftsschutzgebiet müsse wenigstens eine deutliche Verbesserung der ökologischen Situation erreicht werden, damit das Projekt genehmigungsfähig eingestuft werden könne. Eine Befreiung fürs Bauen im Landschaftsschutzgebiet ließe sich nur erreichen, wenn sich an dem Projekt ein überwiegendes öffentliches Interesse finden lasse.
Eigentümergemeinschaft möchte das Tal verändern
Schendzielorz machte das Projekt schmackhaft für die Mitglieder im Beirat. Er erklärte, dass sich in der Summe eine Entsiegelung ergebe. Das große Mühlenensemble ist gewissermaßen ein altes Gewerbegebiet; um die Gebäude herum liegt eine feste Betonplatte. Sein stärkstes Argument für die Mitglieder im Naturschutzbeirat war, dass er den unter der Mühle im verschlossenen Kanal liegenden Ölbach freilegen würde. Er versprach, dass entlang des geöffneten Bachs nur standortgerechte Pflanzen gesetzt werden sollen, gleiches soll für die fünf Hausgärten gelten. Der messbare ökologische Wert des Grundstücks werde steigen, so Schendzielorz.
Die Mühle gehört einer Eigentümergemeinschaft von drei Ehepaaren, die als Nachbarn die Immobilie vom letzten Mühlenbesitzer und Schnapsbrenner Ernst-Peter Esser gekauft hatten, erläuterte die Landschaftsplanerin Bettina Wagner. Das eigentliche, denkmalgeschützte Gebäude, das alte Mühlengebäude aus Fachwerk, sei abgebrochen worden, weil es einsturzgefährdet gewesen sei. Teile der Mühlentechnik liegen im abgesperrten Hof. Der Schornstein wurde 2018 gesprengt, weil er schief geworden war. Das große Gebäude, das jetzt noch steht, sei nicht denkmalgeschützt.

Was von der Technik der Grunder Mühle übrig blieb, liegt jetzt im Hof.
Copyright: Ralf Krieger
Die eigentliche Mühle sei schon kurz darauf von der Bauaufsicht wegen Baufälligkeit gesperrt worden: die Mühle zu erhalten, ein Ding der Unmöglichkeit. Das Gebäude sei ein Groschengrab, sagte Schendzielorz.
Jetzt sehe man die Chance, die ein Umbau mit sich bringe. Als Inhaber könne man sich die Leute aussuchen, die in die neuen Häuser einziehen, damit die Zusammensetzung passe, so der Architekt. Die Häuser sollen nach neuesten Standards gebaut werden, mit viel Holz. Man sei keiner der üblichen Bauinvestoren und verfolge keine Gewinnabsichten. Die am Projekt Beteiligten lebten alle im Bereich der Mühle und wünschten sich, den weiteren Verfall ihrer Umgebung zu stoppen, erklärte Bernd Schendzielorz.
Es gab Einwände: Sobald der neue Landschaftsplan in Kraft trete, sollen Gebiete oberhalb und unterhalb der Mühle als Naturschutzgebiete gelten, sagte Sascha Eilmus. Das sei zu berücksichtigen. Benedikt Rees erinnerte daran, dass die Inhaber die Mühle einst als Denkmal gekauft hätten und sie jetzt abbrechen wollten. Bemängelt wurde auch, dass vor der Sitzung keine Unterlagen im Ratsinformationssystem eingestellt worden seien.
Grunder Korn
Bis 2010 wurde in der Grunder Mühle noch der „Grunder Korn“ gebrannt. Das war die letzte Brennerei, die in Leverkusen noch produzierte. Der letzte Inhaber mit der Lizenz zum Brennen war Ernst-Peter Esser, der dort 84-prozentigen Alkohol aus einer vergorenen Pampe aus Weizenschrot und Wasser destillierte. Nachdem die garantierte Abnahme des Alkohols nach dem Auslaufen des sogenannten Branntweinmonopols nicht mehr geregelt war und Esser seine Schnäpse selbst vermarkten musste, trug sich das Geschäft nicht mehr lange. Esser musste seine mehrere Meter hohe Destille aus Kupfer endgültig stilllegen.

Eine Flasche Grunder Korn.
Copyright: Ralf Krieger

Archivbild 2006: Inhaber und Schnapsbrenner Ernst-Peter Esser vor seiner Destilliersäule aus Kupfer, produzierte den Grunder Korn.
Copyright: Ralf Krieger
Korn wurde in der Mühle ab 1799 gemahlen, die Brennerei gab es seit 1864, gekühlt wurde die Destillierschlange mit Quellwasser. 1996 wurde die Mühle als Baudenkmal eingetragen. (rar)
