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Show in LeverkusenJürgen Becker leistet musikalische und kabarettistische Aufmunterungsarbeit

3 min
„Deine Disco“ heißt das aktuelle Programm von Jürgen Becker.

„Deine Disco“ heißt das aktuelle Programm von Jürgen Becker.

Jürgen Becker kommt mit seinem Programm „Deine Disco“ nach Leverkusen.

Einer müsse es ja tun. Während schlechte Nachrichten und Krisen das Weltgeschehen prägen, geht Jürgen Becker einen anderen Weg. Einen hoffnungsvolleren. Einen, der seinem Publikum guttut, wie der Kölner Kabarettist aus Gesprächen nach seinen Vorstellungen zu berichten weiß. „Ich leiste mentale Aufmunterungsarbeit“, sagt Becker im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“. Der Kanzler könne das schließlich nicht.

Aber auch künstlerisch beschreitet der Kabarettist neue Pfade. Oder zumindest nimmt er ein paar Schlenker. Denn klassisches Kabarett ist „Deine Disco“ nicht. Am Freitag, 24. April, gastiert er mit dem Programm in der Leverkusener Friedenskirche. Wie der Name schon vermuten lässt, spielt Musik eine große Rolle. Becker bringt sozusagen eine Radiosendung auf die Bühne. Eine Show, zu der Musik und Redebeiträge gehören: „Wie Musik Politik macht“ hat er das Programm untertitelt.

Denn Beispiele für diese These gibt es genug. Jimi Hendrix und die 68er, Bap für die Friedensbewegung in Deutschland, Ina Deter für die Frauenbewegung. Veränderungsbewegungen seien immer untrennbar mit Musik verbunden gewesen. Das will Jürgen Becker zeigen. Denn die Ziele mögen noch so edel sein: Ohne die Menschen emotional mitzunehmen, funktioniere das nicht, ist er sich sicher.

Kaum Bands bei Fridays for Future

Das sei ihm aufgefallen, als er für die Fridays-for-Future-Bewegung auf die Bühne gegangen sei. Aber Musik habe bei den Veranstaltungen der Klimaaktivisten quasi keine Rolle gespielt. Ein Umstand, von dem Jürgen Becker glaubt, dass er dazu beigetragen habe, dass die Bewegung inzwischen ziemlich verflacht sei. „Du kannst das Klima nicht retten ohne Musik“, sagt er. Die Menschen hätten auch die Emotionen bedienen müssen, findet Becker.

Kein Udo Lindenberg, kein Herbert Grönemeyer, auch wenige jüngere Bands hätten mit ihm auf der Bühne gestanden. „Das hatten sie nicht auf dem Schirm“, meint der Kabarettist. Es gehe um etwas anderes, habe man ihm gesagt, als er die Organisatoren darauf angesprochen habe. „Musik verursacht Emotionen“, sagt er. Das fehle der Bewegung.

Dass das nicht nur Becker begriffen hat, trägt auch bedauerliche Blüten: „Die Rechten haben das ja leider auch verstanden“, sagt er. Viele bei der Klimabewegung aber nicht. Dabei gebe es sicher genug Musikerinnen und Musiker, die dafür infrage kämen. „Wahrscheinlich mehr als je zuvor“, vermutet Becker. Und erst recht in Streamingzeiten, in denen Musiker fast nur noch durchs Auftreten Geld verdienen können, sei das doch eine gute Möglichkeit.

Am Anfang war das Wort? Falsch! Am Anfang war die Musik.
Jürgen Becker

In „Deine Disco“ will Jürgen Becker über diese Funktionsweise der Musik berichten. Denn, auch wenn das Johannesevangelium das behauptet: „Am Anfang war das Wort? Falsch! Am Anfang war die Musik“, weiß Becker. Die ersten Menschen hätten schon mit Geräuschen Kinder zum Schlafen gebracht. Die Sprache sei erst später gekommen. „Und die Musik ist auch das Letzte, was geht“, sagt er und führt als Beispiel an, dass demente Menschen, die schon kaum noch reden könnten, häufig noch in der Lage seien, Lieder von früher zu singen.

Und diese Bedeutung, die will Becker vermitteln. Das Radio-Format habe er gewählt, weil er das früher selbst immer sehr gemocht habe: Wenn Musik lief und der Radiomoderator dann in die Übergänge gesprochen habe. So ähnlich soll das dann auch auf der Bühne werden: „Ich glaub, sowas gibt’s noch nicht“, sagt der Kölner. Mit diesem Format, so glaubt er, kämen jedenfalls alle auf ihre Kosten: die Musik- genauso wie die Kabarettliebhaber.

Jürgen Becker, „Deine Disco – Geschichten in Scheiben – Wie Musik Politik macht“, Freitag, 24. April, 20 Uhr, Friedenskirche.