Inga Feuser ist Lehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Pulheim. Im Interview spricht sie über ihr Engagement für den Umweltschutz.
UmweltschutzLehrerin in Pulheim: „Wir müssen darum kämpfen, die Erde bewohnbar zu halten“

Bei der Preisverleihung: Inga Feuser (Mitte) wurde in der Kategorie „Umweltschützer/Umweltschützerin im Staatsdienst“ ausgezeichnet.
Copyright: DUH Deutsche Umwelthilfe
Kürzlich hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) erstmals den Bürgerschafts- und Engagementpreis „Druck machen – Für die Umwelt“ an drei Umweltheldinnen verliehen. Inga Feuser, 44, verheiratet, Mutter von zwei Töchtern, wurde in der Kategorie „Umweltschützerin im Staatsdienst/Harald-Kächele-Preis“ ausgezeichnet.
Was hat es für Sie persönlich bedeutet, diesen Umweltpreis zu erhalten?
Inga Feuser: Ich habe mich sehr gefreut. Die DUH ist ein wichtiger Player im Klima- und Umweltschutz und es ist eine Ehre, von ihr ausgezeichnet zu werden. Zu sehen, dass mein Engagement Wirkung entfaltet und dass Organisiationen wie die DUH es wichtig finden, gibt mir Kraft weiterzumachen.
Sie setzen sich seit Jahren für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) ein – was hat Sie ursprünglich dazu motiviert?
Früher hat mich einfach der Wunsch angetrieben, die Welt ein bisschen besser und gerechter zu machen. Das geht dort am wirksamsten, wo man Expertise hat. Deshalb engagiere ich mich als Lehrerin für BNE. Die Erfahrung, selbst etwas verändern zu können, ist ein gutes Gefühl. Aber 2019 hat sich etwas verändert. Ich habe gemerkt, dass es nicht nur um abstrakte Gerechtigkeitsvorstellungen geht, sondern um die Zukunft meiner eigenen Kinder. Wir müssen darum kämpfen, die Erde bewohnbar zu halten und gerade sieht es nicht gut aus. Das macht mir Angst. Dagegen hilft das eigene Engagement: Ich muss nicht tatenlos zusehen, ich kann handeln. Selbstwirksamkeitserfahrungen schützen auch mich vor Ohnmacht.
Welche Rolle spielen Schulen Ihrer Meinung nach im Kampf gegen den Klimawandel und für eine starke Demokratie?
Laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist Bildung einer von sechs „sozialen Kipppunkten“ für eine klimaneutrale Gesellschaft. Genauso unverzichtbar ist sie für unsere Demokratie: Junge Menschen stark und mündig zu machen, ist der zentrale Auftrag von Schule. Wo sonst sollen Kinder lernen, sich in gesellschaftliche Aushandlungsprozesse einzubringen und ihre Interessen zu vertreten? Entscheidend ist auch, wie wir die Bildungsprozesse gestalten. Demokratiebildung lebt nicht von Institutionenkunde, sondern von echter Beteiligung – auch im Schulalltag. Da gibt es an den meisten Schulen noch viel zu tun. Im Hinblick auf den Klimawandel ist es wichtig, dass wir den Fokus auf die Veränderungskraft der jungen Menschen legen und uns nicht in individuellen Schuldzuweisungen verstricken. Und die Verantwortung bleibt bei uns Erwachsenen. Wir müssen unseren Kindern eine intakte Welt übergeben. Gute Demokratie- und Nachhaltigkeitsbildung zeigt ihnen, wie sie dieses Recht einfordern können.
Können Sie ein konkretes Projekt aus Ihrem Unterricht oder Ihrer Schule nennen, das Ihnen besonders am Herzen liegt?
Es sind Projekte, die junge Menschen ermutigen und befähigen, sich politisch und gesellschaftlich einzubringen. Ein Beispiel ist unser Klimarat: Er hat viel erreicht, unter anderem den Umbau der Heizungsanlage. Durch die Abkopplung der Warmwasseraufbereitung kann sie jetzt im Sommer abgeschaltet werden. Zudem haben die Jugendlichen drei PV-Module installiert, die wir auch für den Unterricht nutzen können. Unser aktuelles Projekt ist der TuEs-Day: Alle Schülerinnen und Schüler der 7. Klassen setzen ein Schuljahr lang eigene Nachhaltigkeitsprojekte in Schule und Kommune um.
Welchen Stellenwert haben Umwelt- und Klimaschutz am GSG?
In vielen Bereichen sind wir vorbildlich: Projekte wie der Klimarat und der TuEs-Day werden vom Kollegium und der Schulleitung unterstützt. Im Schulalltag bemühen wir uns um Nachhaltigkeit: Wir haben Solar auf dem Dach, ein vegetarisches Angebot in der Mensa und fliegen nicht mehr auf Kursfahrten. Als Klimaaktivistin sage ich: Die Brisanz des Themas ist wie überall noch nicht genug angekommen. Aber als Teachers-for-Future-Mitglied weiß ich: Im Vergleich mit anderen Schulen sind wir sehr weit, viele meiner Teachers-Kolleginnen und -Kollegen bewundern, was wir machen.
Sie sind Mitgründerin von „Teachers for Future“: Welche Ziele verfolgt die Initiative und was konnten Sie bisher erreichen?
Wir wollen Lehrkräfte befähigen, Schulen zu Orten gelebter Demokratie und Nachhaltigkeit zu machen. Junge Menschen sollen lernen können, ihre Zukunft aktiv mitzugestalten. Durch Workshops, Tagungen und Veröffentlichungen haben wir viele Lehrkräfte erreicht, ein bundesweites Netzwerk geschaffen und Engagierte, die oft alleine dastanden, zu einer Gemeinschaft zusammengebracht. So stärken wir ihr Engagement. Aktuell arbeiten wir mit der GEW und Greenpeace an der Kampagne „Schule zeigt Haltung“, um Schulen gegen Rechtsextremismus stark zu machen.
Was möchten Sie jungen Menschen mitgeben, die sich selbst für Umwelt- und Klimaschutz engagieren möchten?
Viel Kraft und Resilienz – beides werden sie brauchen. Und ich möchte ihnen mitgeben, dass es sich lohnt, zu kämpfen und dass sie sich nicht entmutigen und nicht vorschreiben lassen sollen, wie sie sich engagieren.
