Es ist selbstverständlich ein Zufall, dass die beiden Ereignisse zeitlich so nah beieinander liegen: Die Ausländerbehörde der Stadt Leverkusen will eine Familie, die offenbar gut integriert ist, entgegen der Empfehlung der Härtefallkommission und ohne zeitliche Not abschieben. Und am Dienstagabend besuchen Spitzenpolitiker der Partei Leverkusen, die sich „Abschieben“ sozusagen zum Motto gemacht hat.
Das alles kann einen natürlich erschaudern lassen. Die beiden Demonstrationen – gegen die Abschiebung am Montagmorgen und gegen die AfD am Dienstagabend – zeigen aber auch, dass die Leverkusener Stadtgesellschaft sich nicht einfach dem Fatalismus hingibt. Leverkusen zündet in schwierigen, womöglich sogar dunklen Zeiten damit eine Kerze der Menschlichkeit an. Mehr noch: eine gut sichtbare Fackel.
Es ist deshalb schade, dass die Partei, die die größte Fraktion im Stadtrat stellt, sich so aus der Bewegung herauszieht. Dabei besteht kein Zweifel: Die Christdemokraten grenzen sich deutlich von der AfD ab, das ist gut und gilt es zu respektieren.
Dennoch verliert die Leverkusener CDU bei dieser Positionierung, die auch durch die Rolle der Berliner Linken und die Diskussion über Antisemitismus in der Partei getrieben ist, in diesem Fall das Wesentliche aus den Augen: Dass es in ihrer Heimatstadt gerade übers Politische hinausgeht
Es geht um das Menschenbild, für das ihre Stadt stehen soll und für das auch die CDU unmissverständlich eintritt. Es geht nicht ums Parteibuch. Nicht um Unvereinbarkeitsbeschlüsse oder eine Brandmauer nach links.
Es ist viel einfacher, aber dafür auch viel wichtiger: Sehr viele Leverkusenerinnen und Leverkusener haben in diesen Tagen gezeigt, für welches Menschenbild sie stehen. Für welche Gesellschaft. Und zu dieser Art Gesellschaft gehören alle demokratischen Kräfte in der Stadt.




