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„Lieblingsorte“Der Busbahnhof in Wiesdorf strahlt durch innere Schönheit

Die Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“ stellt ihre Lieblingsplätze in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid vor.

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Der Busbahnhof in Wiesdorf

Der Busbahnhof in Wiesdorf

Geht es nach dem französischen Autor Antoine de Saint-Exupéry, sieht man nur mit dem Herzen gut. „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, heißt es in dessen Klassiker „Der kleine Prinz“. Im Fall des Busbahnhofs in Wiesdorf lässt sich sagen: Der Mann hat recht. Denn eine Augenweide kann man bei einem Verkehrsknotenpunkt in der Innenstadt nun wirklich nicht erwarten.

Dabei sollte dort nach dem Umbau nicht weniger als „ein transitorischer Raum von urbaner, identitätsstiftender und lebendiger Aufenthaltsqualität“ entstehen. So heißt es zumindest auf der Website des Architekturbüros, das den ZOB entworfen hat. Im Alltag sieht dieser Raum in Wiesdorf aber vor allem aus wie ein Meer aus Beton, über das sich die Busse wie schwerfällige Tanker schieben. Es riecht nach Abgasen, Autoreifen und – abhängig vom Standort – nach frischem oder schon älterem Urin.

Am Busbahnhof in Wiesdorf ist (fast) alles möglich

Zwischen all den Mülleimern und Wartetafeln bleibt dennoch Raum für Schönheit. Da ist der Busfahrer, der zwei Frauen mit einem Lächeln und viel Geduld erklärt, welche Verbindung sie nehmen müssen, obwohl seine Abfahrtszeit schon längst verstrichen ist. Oder der Vater, der mit seinem Kind am Straßenrand spielt. Wer etwas Neues erkunden will, geht einfach durch die Unterführung und steigt an Gleis 3 in den Zug nach Koblenz. Oder er läuft ein paar Minuten und nimmt am Horst-Henning-Platz den Flixbus nach Wien oder Budapest. Fast alles ist möglich.

Es findet sich sogar Platz für Kapitalismus-Kritik in Wiesdorf. Auf das Klohäuschen hat jemand „Kunst statt Konsum“ mit schwarzer Farbe gesprüht. Und ein bisschen ist der Busbahnhof tatsächlich ein Gleichmacher. Hier warten sie schließlich alle gemeinsam: die Business-Frau, die Schulklasse, der Bodybuilder. Manchmal nur ein paar Minuten, manchmal eine halbe Ewigkeit. Wer will, kann dabei nicht weniger als den Weg zur Erleuchtung finden. Schließlich ist die Geduld eine der wichtigsten Tugenden im Buddhismus. Und wem das zu doof ist, der darf auch mal laut fluchen. Verständnis dafür gibt es hier allemal.

Und so ist dieser graue Platz mit seinen 15 Haltestellen für Busse eben doch ein wunderschöner Ort. Man muss nur mit dem Herzen hinsehen. Wer das nicht tun will, hat Glück: In wenigen Minuten kommt sicher ein Bus, der den Bahnhof schnell hinter sich lässt.


Serie „Lieblingsorte“

Erst kürzlich stellte das TV-Format „TV Total“ die These auf, dass Leverkusen zu den hässlichsten Städten der Welt gehört. Das stimmt nicht, findet die Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“. Ihre Lokalreporterinnen und Lokalreporter stellen deshalb Plätze in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid vor, auf denen sie sich gerne aufhalten. (nip)