Die Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“ stellt ihre Lieblingsplätze in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid vor.
„Lieblingsorte“Was das Erholungshaus für Leverkusen bedeutet

Das Erholungshaus ist für unseren Autor nicht nur ein Kulturort, sondern ein Symbol für den Anspruch, dass eine Stadt mehr sein könnte.
Copyright: Timon Brombach
Das Erholungshaus widerspricht doch so vielen Vorstellungen, die Außenstehende von Leverkusen haben. Es erinnert an eine Zeit, in der man offenbar noch wusste, dass Wohlstand allein kein ausreichendes Zukunftsmodell ist. Dass Menschen nicht nur Arbeitsplätze brauchen, sondern auch Kunst.
Nicht nur Infrastruktur, sondern Inspiration. Nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern Orte, an denen man sich mit Dingen beschäftigt, die größer sind als ihr Alltag. Vielleicht fasziniert mich das Haus deshalb so sehr. Es ist eine Erinnerung daran, dass Leverkusen einmal den Anspruch hatte, mehr zu sein als wenigstens eine funktionierende Stadt.
Warum Kultur mehr kann als Unterhaltung
Ich habe hier unzählige Abende verbracht. Als Bayer-Kind. Als Besucher. Als Journalist. Als jemand, der neugierig war. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dieses Jahr die Jazzrausch Big Band beim Start-Festival, die 6000 Besucher angelockt hat. Ein Abend, an dem Jazz, elektronische Musik und orchestrale Wucht miteinander verschmolzen und man für einen Moment das Gefühl hatte, mitten in einer europäischen Kulturmetropole zu sitzen.
Solche Momente gab es viele. Große Konzerte der Bayer Philharmoniker. Schauspielabende. Lesungen. Produktionen des Jungen Musicals Leverkusen. Immer wieder stand ich dort und fragte mich, warum diese Sensationen so selten im Stadtleben verfangen.
Das Schaffen des Erholungshaus erfüllt seit 120 Jahren einen Zweck, der sich nur schwer messen lässt. Es erlaubt uns, für einige Stunden aus den Routinen des Alltags auszubrechen. Es konfrontiert uns mit Gedanken, Perspektiven und Emotionen, die im täglichen Funktionieren oft keinen Platz finden. Während überall Effizienz gefordert wird, erlaubt Kunst das Gegenteil. Sie darf zweckfrei sein. Vielleicht liegt gerade darin ein Wert.
Ein Ort, den man erst vermisst, wenn er fehlt
Das Erholungshaus ist deshalb für mich weit mehr als eine Spielstätte. Es steht für eine Idee von Stadt, von Zusammenleben, die heute fast altmodisch wirkt: Dass kulturelle Exzellenz nicht nur in Metropolen stattfinden muss. Dass auch eine Industriestadt den Anspruch leben darf, ihre Bürgerinnen und Bürger mit großen Gedanken, großer Musik und großen Geschichten zu konfrontieren.
Wenn ich also nach meinem Lieblingsort in Leverkusen gefragt werde, denke ich nicht an einen Platz, eine Aussicht oder ein Gebäude. Ich denke an einen Konzertsaal voller Menschen, die für zwei Stunden gemeinsam etwas erleben, das größer ist als sie selbst. Und ich denke daran, dass eine Stadt sehr gut beraten ist, solche funktionierende Orte niemals für selbstverständlich zu halten.
Serie „Lieblingsorte“
Erst kürzlich stellte das TV-Format „TV Total“ die These auf, dass Leverkusen zu den hässlichsten Städten der Welt gehört. Das stimmt nicht, findet die Redaktion des „Leverkusener Anzeiger“. Ihre Lokalreporterinnen und Lokalreporter stellen deshalb Plätze in Leverkusen, Leichlingen und Burscheid vor, auf denen sie sich gerne aufhalten. (nip)
