Der Prozess mit den wahrscheinlich meisten Verhandlungstagen im Leverkusener Amtsgericht geht weiter.
AmtsgerichtEndlos-Verfahren um Leverkusener Zahnarzt nähert sich noch immer nicht seinem Ende

Das Amtsgericht Leverkusen.
Copyright: Ralf Krieger
Mit bisher 26 Verhandlungsterminen am Amtsgericht Leverkusen dürfte der Prozess gegen eine Zahnarzthelferin mindestens in die Annalen des Gerichts eingehen. Nach den Erinnerungen eines Mitarbeiters soll es nie einen Prozess mit mehr Verhandlungstagen gegeben haben.
Der Fall: Ein Leverkusener Zahnarzt glaubt, dass seine ehemalige Helferin innerhalb mehrerer Jahre um Hunderttausende Euro in der Praxis unbemerkt veruntreut hat. Wie sie das gemacht haben soll, Bargeld womöglich einfach eingesteckt und Rechnungen ins Computersystem hochgeladen, dafür wird das Computersystem und die Datenbank der Praxis bis in die kleinsten Details erforscht.
Die Gegenseite vermutet hinter der Beschuldigung gegen die Angestellte einen infamen Versuch des Dentisten, eine Steuerhinterziehung zu vertuschen und das fehlende Geld auf seinem Konto mit der Veruntreuung zu erklären. Der Verteidigerin Pantea Fahrazadi und dem Verteidiger Abdou A. Gabbar wird es reichen, wenn sie erreichen, dass Zweifel an der Schuld der Zahnarzthelferin bestehen bleiben, denn dann würde sie freigesprochen.
Leverkusen: Prozess dauert viele Stunden
Amtsrichter Dietmar Adam hat dieses Endlos-Verfahren am Hals, er bleibt stets ruhig, wenn sich die vier Anwälte angiften, was manchmal geschieht. Als er zu Beginn der 26. Verhandlung um 14 Uhr sagte: „Ich habe heute nichts mehr vor “, ahnte er vermutlich nicht, dass sein Arbeitstag wirklich bis in den Abend gehen würde.
Der Zahnarzt selbst musste als Zeuge aussagen, er ist gleichzeitig Nebenkläger im Verfahren und er wird von zwei Anwälten vertreten, die zudem noch zu jeder Sitzung eine eigene Schreibkraft zur Dokumentation mitbringen. Die Frau tippt jedes Wort, das gesprochen wird, in ihren Laptop.
Unklarheiten in der Datenbank
Der Dentist musste nicht zum ersten Mal zur Sache aussagen: Wer kann sich auf welchem Praxiscomputer mit welchen Benutzernamen einloggen, wer kannte Passwörter, nicht alles rund um die Computer scheint in der Praxis klar geregelt gewesen sein, anscheinend kannten alle Angestellten die meisten Passwörter.
Das wird wahrscheinlich zwar in vielen Praxen ähnlich gemacht, wenn sich jeder ein- und ausloggen müsste, wäre ein reibungsloser Praxisbetrieb vermutlich erschwert. Dadurch werden aber auch Unklarheiten geschaffen, die Arbeitsschritte lassen sich nicht klar einzelnen Angestellten zuordnen.
Der Zahnarzt selbst spricht manchmal unverständlich leise; neben ihm sitzt einer seiner Anwälte als Zeugenbeistand und sie entscheiden, welche Frage sie beantworten müssen. Das Steuergeheimnis scheint über allem zu schweben, die Steuerakte der Praxis wären zwar im Verfahren interessant; Richter Dietmar Adam hat mehrfach versucht, an die Akten zu kommen, aber das Finanzamt hält sie unter Verschluss. Das Endlos-Verfahren wird nicht so bald zu Ende gehen: Drei Sitzungstermine im neuen Jahr sind schon terminiert.
