Pride am Rhein organisierte die Mahnwache in Schlebusch, damit in der politischen Debatte die eigentlichen Opfer nicht vergessen werden.
Mahnwache in SchlebuschLeverkusens queere Gemeinde gedenkt Opfern des CSD-Anschlags

Ronja Eppert (l.) spricht kurz zu den versammelten Menschen, dann beginnt eine Schweigestunde als Mahnwache am Schlebuscher Lindenplatz.
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Die Buchstaben sind ein wenig durcheinandergeraten, aber die Botschaft ist deutlich: „Schade, dass die Frau gestorben ist“, hat die sechsjährige Janne auf ihr Poster geschrieben. „Ich komme nach den Ferien erst in die Schule, aber meine Mama hat mir schon ein bisschen Schreiben beigebracht“, erzählt sie. Als sie von der Mahnwache für den Anschlag auf den CSD erfahren hat, wollte sie auch etwas beitragen und ist mit Vater und Bruder zum Lindenplatz gekommen.

Die sechsjährige Janne mit ihrem selbst geschriebenen Plakat: „Schade, dass die Frau gestorben ist.“
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„Nach dem Attentat haben sich die Beileidsbekundungen direkt in eine politische Diskussion verwandelt“, eröffnet Ronja Eppert von Pride am Rhein die Mahnwache. Doch die Diskussion drehe sich mehr um Asylrecht, Polizeiarbeit und darüber, „wer in Deutschland willkommen ist“ als um den Angriff auf die queere Gemeinschaft. „Die eigentlichen Opfer gehen in der allgemeinen Debatte unter“, findet Eppert. Damit meint sie in erster Linie die direkt vom Anschlag Betroffenen: die 65-jährige Frau, die mit ihrer Tochter aus Polen zum CSD nach Berlin gekommen war und nicht mehr heimkehrte. Die Verletzten und deren Angehörige. Die, die vor Ort alles miterleben mussten. Aber auch alle, die sich mit der queeren Gemeinschaft identifizieren und auf deren Lebensweise der Anschlag zielte.
Nicht nur in Köln und Düsseldorf
Deswegen war ihr direkt nach der Nachricht aus Berlin klar, dass sie auch in Leverkusen eine Solidaritätsaktion starten will. „Wir brauchen einen Raum, um darüber zu sprechen und zu trauern“, sagt Eppert. „Und es ist uns wichtig zu zeigen, dass so etwas nicht nur in Köln und Düsseldorf stattfindet, sondern auch in Leverkusen.“
Gekommen waren rund 30 Menschen, größtenteils von Pride am Rhein, aber auch ein paar „Omas gegen Rechts“, Vertreter der SPD Manfort-Wiesdorf legten ein Blumengesteck ab. Nach kurzen, einleitenden Worten ruft Eppert die Versammelten zu einer Schweigestunde auf. „Wir wollen still beisammen sitzen und der Opfer gedenken“, sagt sie. Anschließend solle noch ein Austausch stattfinden. „Wenn wir uns zeigen, darüber reden und uns gegenseitig unterstützen, können wir gestärkt aus der Veranstaltung hervorgehen“, hofft Eppert.
