Mit rund 2000 Teilnehmenden war die dritte Parade die größte in der Geschichte von Leverkusen Pride.
CSDLeverkusens Pride-Parade tanzt durch Sonnenschein und Regendusche

Die Sugar Twins aus Köln freuen sich über das aufgeschlossene Leverkusener Publikum.
Copyright: Stefanie Schmidt
Noch bevor sich die Demonstration in Gang setzt, dreht Julia Cramer ihre Runde, ausgestattet mit einer kleinen roten Kühltasche. Sie klappert die Einsatzwagen ab, die die Wegstrecke der 3. Leverkusen-Pride-Demonstration absichern, und versorgt die Polizeibeamten mit Eis. „Ich bin selbst Polizistin, habe heute aber frei, da dacht’ ich mir, ich tu den Kollegen was Gutes“, sagt sie. Polizist Andreas Höhl steht mit seinem Streifenwagen an der Kreuzung Mülheimer Straße / Willy-Brandt-Ring und lässt sich das Eis schmecken. „Danke, tolle Aktion!“, lobt er die Kollegin.
Die Lage lässt die Eispause bei mehr als 30 Grad zu: Alles ist friedlich und entspannt. Zum Start am Schlebuscher Brauhaus stimmt die Musikbox auf dem Wagen die Demonstrierenden mit „I am what I am“ von Gloria Gaynor auf den Start ein. Die Parade steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gemeinsam wachsen wir. Sichtbar. Stark. Queer.“ Und das Versprechen wird gehalten: Mit rund 2000 Demonstrierenden ist es die wohl größte Pride-Parade in der jungen Leverkusener Geschichte.
Zum zweiten Mal mit dabei sind die „Pink Pomps“, die sich selbst „Europas erste männliche Cheerleadergruppe“ bezeichnen. Ausgestattet mit pinken und schwarzen Pompoms tanzen sie trotz der Hitze ohne Pause über den Asphalt. Die Kölner Gruppe besucht Pride-Veranstaltungen in ganz Europa. „Uns ist wichtig, gerade so junge Veranstaltungen wie hier in Leverkusen zu unterstützen, denn die haben es oft schwerer als die großen, bekannten Events“, sagt Sprecher Rainer.
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2024 war die Premiere
2024 fand die erste Leverkusener Pride-Demonstration in Schlebusch noch in Kooperation mit dem Schlebuscher Schützen- und Volksfest statt – damals liefen Kirmes und CSD parallel, inklusive Straßenfest in der Fußgängerzone, so wollte man möglichst viele Menschen erreichen. 2025 trennten die Organisatoren die Formate: Pride am Rhein machte den CSD zur eigenständigen Veranstaltung. Das hat sich bewährt. 2026 geht der Leverkusen-Pride im dritten Jahr in Folge in Schlebusch über die Bühne – die in diesem Jahr mit umfangreichem Programm auf dem Marktplatz steht. Die Mischung aus politischer Botschaft und Straßenfest zeigt sich hier deutlich: Zwischen Live-Musik, etwa von Planschemalöör und der Tribute-Band Roxxette, Shows mit Dragqueen und DJ-Sets finden auch immer wieder Talkrunden zu verschiedenen queeren Themen statt.

Politische Prominenz: Karl Lauterbach, Stefan Hebbel und Nyke Slawik
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Pride am Rhein betont dabei ausdrücklich den politischen Anspruch: Der Pride sei „vor allem ein politischer Ausdruck queeren Lebens und queeren Protests“, die Demonstration der Kern des Wochenendes. Die politische Prominenz begleitet die Verantwortlichen von Pride am Rhein rund um Marco Sahler auf dem ersten Wagen: Die Leverkusener Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach (SPD) und Nyke Slawik (Grüne) rahmen Oberbürgermeister Stefan Hebbel (CDU) ein. Parteipolitik spielt an diesem Tag keine Rolle, nur die Botschaft: Bunt statt Braun.
Besuch aus Köln
Dafür sind auch die „Sugar Twins“ aus der Nachbarstadt angereist: „Vielfalt zu zeigen ist überall wichtig, deswegen kommen wir gerne aus Köln nach Leverkusen“, sagen die beiden in Pink gekleideten Männer. Zwar stehen hier nicht so viele Menschen am Wegesrand wie in Köln, die, die gekommen sind, jubeln und feiern aber begeistert mit. „Die Stimmung ist sehr offen und herzlich“, loben die Twins. Aber auch einige Leverkusener Gruppen sind vertreten: etwa das Junge Musical Leverkusen, die Käthe-Kollwitz-Schule und das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. „Wir gehen zum ersten Mal mit“, sagt Alexa Mönning, die als Lehrerin am Schlebuscher Gymnasium auch die Queer-AG leitet. Die bestehe aus zehn Schülerinnen und Schülern, aber doppelt so viele haben sich der Demonstrationsgruppe angeschlossen, etwa mit der Botschaft: „Auch bunte Blumen dürfen wachsen.“

Willkommene Regendusche am Wegesrand
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Vollen Einsatz am Rand mit Jubel und Regenbogenfahnen zeigen auch Lea Kalb und Jenny Heyer kurz nach dem Start an der Mülheimer Straße. Sie wohnen in Leverkusen, zur Pride-Demonstration sind sie zum ersten Mal gekommen. „Es ist uns wichtig, Vielfalt sichtbar zu machen“, sagt Lea Kalb. Sie wolle die Bewegung unterstützen, damit die Parade auch weiterhin in Leverkusen stattfindet.
Zu „Walking on Sunshine“ aus den Boxen schließen sie sich am Ende dem Tross an, der weiter Richtung Schlebuscher Innenstadt und dem Festgelände am Marktplatz zieht. Ein Stück weiter die Mülheimer Straße hinauf hat ein Anwohner den Gartenschlauch mit Brause auf die Straße gezogen und besprüht jene, die eine Abkühlung wünschen, mit Wasser. „Worum geht es hier eigentlich?“, fragt er lachend. Pride? sagt ihm nichts. Aber das bunte Treiben findet er lustig. Und die Demonstrierenden tanzen unter seiner Regendusche.
