Die Empörung über das Vorgehen der Leverkusener Ausländerbehörde im Fall der Familie Rouf aus Sri Lanka ist nach wie vor groß. Der Vater und die Tochter Ramla, die sich in der Vorbereitung aufs Abitur befunden hatte, sind am vergangenen Freitag abgeschoben worden. Die Mutter und vier minderjährige Kinder sind in Leverkusen zurückgeblieben, auch sie sollen nach Sri Lanka ausreisen.
Die Leverkusener Ausländerbehörde habe jetzt zugesagt, auf eine Abschiebung bis zum 2. November zu verzichten, teilte die Gemeindereferentin der katholischen Gemeinde Köln-Kalk, Marianne Arndt, jetzt mit. Sie unterstützt die Familie. Deshalb sei die Familie derzeit auch nicht im Kirchenasyl. Am 2. November 2026 um 16 Uhr kommt der Leverkusener Stadtrat zu einer öffentlichen Sondersitzung in der Sache zusammen.
Der Rat kann keine Duldung aussprechen
Der Rat kann zwar keine Aufenthaltsgenehmigung oder Duldung ausstellen, aber er kann der Verwaltung Vorschriften machen: In einem gemeinsamen Antrag fordern die Fraktionen von SPD, Grünen, der Linken und Volt/Bürgerliste die Beendigung der bisherigen Praxis des Ausländeramts. Die Abstimmung darüber dürfte knapp ausfallen.
Das Ausländeramt arbeitet in bestimmten Aufenthaltsverfahren, bei dem die Asylbewerber keine Ausweispapiere haben, mit einem umstrittenen Verwaltungsvorgang. Dabei wird eine bestehende Duldung entzogen und stattdessen eine „Bescheinigung über den vorübergehenden Aufenthalt ohne amtliche Aufenthaltsdokumente“ ausgestellt. In diesem Augenblick verlieren die Asylbewerber ihre Arbeitserlaubnis und eine Abschiebung wird möglich. Auch dann, wenn es, wie im Fall der Familie Rouf, eine anderslautende Empfehlung der Härtefallkommission geben mag.
Unterstützer sprechen von einem Trick. Und es trifft gelegentlich falsche: Mit der gleichen Methode wäre etwa der zuvor geduldete Dachdecker-Azubi Sekou Sidibe fast aus Leverkusen abgeschoben worden, obwohl auch sein Arbeitgeber alles versuchte, das zu verhindern. Der Fall hatte ebenfalls hohe Wellen geschlagen. In der Sitzung des Petitionsausschusses im Landtag NRW hatte der Leverkusener Sozialdezernent Alexander Lünenbach die Stadt Leverkusen vertreten. Er wird in einer Mitteilung zitiert: „Ich kann gut nachvollziehen, dass die Ereignisse viele Menschen beschäftigen und Fragen, Sorgen oder auch Unverständnis ausgelöst haben.“ Aus dem Petitionsausschuss gibt es noch kein Ergebnis.
Die Stadt Leverkusen bezieht Stellung: Vorwürfe gegen die Ausländerbehörde weist die Stadt Leverkusen zurück. Abschiebemaßnahmen würden auf der Basis geltender gesetzlicher Bestimmungen und Leitfäden durchgeführt, die die Rechte der Betroffenen im Sinne einer menschenwürdigen Behandlung wahren. Der vorliegende Fall sei außerdem in sämtlichen verwaltungsgerichtlichen Instanzen geprüft und immer negativ beschieden worden. Am Freitag hatte das Kölner Verwaltungsgericht diese juristische Haltung bestätigt.
Familie Rouf ist nicht allein
Die Familie Rouf soll laut Informationen der Unterstützerinnen Euandra Budke und Marianne Arndt, die in den Kölner Vereinen „Mosaik“ und „Seebrücke“ Asylsuchende beraten, nicht als einzige von der Leverkusener Verwaltungspraxis betroffen sein. Zwei weitere Familien seien in einer ähnlichen Lage.
Zur sechsköpfigen irakischen Familie Jiris gibt es im Internet eine Petition. Auch diese Familie sei geduldet gewesen und besonders die Kinder sollen gut integriert sein, wie bei der Familie aus Sri Lanka. Eine Tochter soll an der Realschule Am Stadtpark Klassensprecherin sein. Der Vater habe vor einem Jahr seinen Job verloren, weil ihm die Ausländerbehörde die Arbeitserlaubnis entzogen habe.

