40 Wohnungen für Senioren mit Gemeinschaftsräumen und Betreuung sollen entstehen, Anwohnende finden die Planung überdimensioniert und fürchten Parkchaos.
Bruchhauser StraßeSchandfleck soll Seniorenwohnhaus werden – Leverkusener haben Bedenken

Das leerstehende Gebäude an der Ecke Steinbücheler Straße/Bruchhauser Straße soll durch ein Seniorenwohnhaus ersetzt werden.
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Der „schwarze Schandfleck“ hat Klaus Müller schon gestört, als er 2019/20 mit der HKM-Stiftung das Hospiz Pallilev gebaut hat. Damit meint er das mittlerweile leerstehende und verfallene Wohnhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen Bruchhauser- und Steinbücheler Straße. Damals wollte der Eigentümer nicht verkaufen, später sei eine 26-köpfige Erbengemeinschaft auf ihn zugekommen. Der Erwerb war schwierig, auch weil das Grundstück zum Teil der Stadt gehört, letztendlich hat Müller es mit der HKM Haus- und Vermögensverwaltung erworben.
Und große Pläne für das Grundstück: Nach dem Abriss der Ruine soll hier ein dreigeschossiges Gebäude inklusive Staffelgeschoss mit 40 Wohnungen plus Gemeinschaftsräumen für altersgerechtes, betreutes Wohnen entstehen.

Bernd Luts, Hildegard Koldin und Kai-Uwe Merten sind nicht glücklich mit den Plänen von Klaus Müller.
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An der Größe des Baus allerdings stört sich eine Bürgerinitiative aus Anwohnenden. „Wir sind nicht gegen Altenwohnungen, im Gegenteil, aber in einem vertretbaren Umfang“, sagt Bernd Luts, der die Initiative koordiniert. Er fürchtet einen „überdimensionierten Klotz“, der sich nicht gut in die bestehende Bebauung einfügt, vor allem aber eine weitere Verschlechterung der Verkehrssituation. Die Bruchhauser Straße sei schon jetzt stark befahren und vor allem häufig so zugeparkt, dass Anwohnende kaum Parkplätze finden und Busse bei Gegenverkehr über die Gehwege ausweichen müssen – eine Gefahr für Fußgänger, vor allem für Kinder.
Zu wenig oder zu viele Parkplätze?
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Hinter dem Haus seien 18 bis 20 Parkplätze eingeplant, sagt Müller. „Viel zu wenig“, glaubt Luts. „Auch ältere Menschen und deren Besuch fahren Auto.“ Die Einschätzung teilt Müller nicht: „In Köln sind bei betreutem Wohnen ein Parkplatz pro vier Wohnungen vorgeschrieben, wir bauen im Verhältnis zwei zu eins, das sind eigentlich viel zu viele Parkplätze.“ Erfahrungswerte, etwa aus dem Sauerland, zeigten eher einen Bedarf von einem Parkplatz auf acht Wohnungen, sagt Müller. Möglicherweise könnten einige Parkplätze sogar noch an Anwohnende abgegeben werden. Luts schlägt den Bau einer Tiefgarage vor, das lehnt Müller ab, nicht nur weil auf dem Gelände genug Platz für ebenerdiges Parken sei: „Gerade ältere Menschen wollen nicht in enge Tiefgaragen fahren.“
Sorge um den Garten
Hildegard Koldin wohnt in der Hegelstraße hinter dem geplanten Neubau. Sie fürchtet um ihren Garten. „Das ist eine grüne Oase“, sagt die Seniorin. „Da gibt es einen Teich mit Fröschen, das wird doch alles gestört.“ Auch weitere Anwohnende fürchten eine Verschattung der Gärten. „Wir haben eine Beschattungsstudie in Auftrag gegeben, die zeigt ganz eindeutig, dass kein Schatten in die Gärten kommt“, entgegnet Müller. Außerdem werde ein Fachmann für Wurzelschutz zugezogen, um zu klären, wie die Parkplätze angelegt werden, ohne die großen Bäume auf der anderen Grundstücksseite zu schädigen, deswegen sei auch die genaue Anzahl noch unklar.

Klaus Müller rechtfertigt seine Pläne an der Bruchhauser Straße.
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Das Haus an der Bruchhauser Straße ist nicht das einzige in dieser Art, das Müller umsetzen will, aktuell baut er bereits in Bergisch Gladbach, auch an der Pfarrer-Klein-Straße in Lützenkirchen soll ein Haus nach dem eigenen „Lebensraum“-Konzept entstehen. Die Idee: Ein Wohnhaus mit kleinen, bezahlbaren Wohnungen, in denen Senioren eigenständig leben können, aber gleichzeitig Unterstützung bekommen. Das beinhaltet angebundene Pflegedienste, einen Gemeinschafts- und Gymnastikraum und einen Concierge, der ansprechbar ist und koordiniert. Auch mit einem örtlichen Supermarkt hat Müller bereits über die Möglichkeit gesprochen, Einkäufe liefern zu lassen. Auch zwei möblierte Appartements für Übernachtungsbesuch der Bewohner werden mitgeplant, schließlich sei der Besuch von Kindern und Enkeln ein Hauptgrund, warum viele Ältere ihre eigentlich viel zu großen Häuser nicht verlassen wollen.

Gegen das ebenfalls von HKM gebaute Pallilev gab es auch Bedenken, heute ist es in der Nachbarschaft gut angesehen, sagt Müller.
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Die Leitung der HKM-Bauprojektentwicklung, dem Stammunternehmen, das vor allem Neubauprojekte für Eigentum und Vermietung umsetzt, hat Klaus Müller bereits seinen drei Söhnen übertragen. Mit seiner Frau Heike leitet er die HKM-Haus- und Vermögensverwaltung. „Wir sind jetzt in einem Alter, wo man sich Gedanken darüber macht, wie man später leben möchte“, sagt Müller. Die wenigsten Senioren wollen in ein Altenheim. „Außerdem kann der Staat genug Altenheime gar nicht bauen, wenn erst einmal die Boomer-Jahrgänge kommen“, ist er überzeugt. Deswegen sei das „Lebensraum“-Konzept für ihn auch ein Herzensthema für selbstbestimmtes, aber unterstütztes Wohnen im Alter.
„Wir wollen einen offenen Dialog mit der Stadt und dem Investor“, fordert die Bürgerinitiative. Müller sei dazu bereit, sagt er, ein Vor-Ort-Termin mit Vertretern aus der Politik habe auch bereits stattgefunden. In den nächsten Tagen soll der Bauantrag eingereicht werden, eine Fertigstellung plant er grob für Mitte 2028.
