Nadja Schubert hat die Leitung der städtischen Bernd-Alois-Zimmermann-Musikschule übernommen. Im Interview gibt sie Einblicke in ihre Pläne.
Musikschule ErftstadtNeue Leiterin: „Ich blicke sehr positiv in die Zukunft“

Nadja Schubert hat die Leitung der Bernd-Alois-Zimmermann-Musikschule der Stadt Erftstadt übernommen.
Copyright: Eva-Maria Zumbé
Nadja Schubert hat zum 1. März 2026 die Leitung der Bernd-Alois-Zimmermann-Musikschule der Stadt Erftstadt übernommen. Die Musikschule hat im vergangenen Jahr für Schlagzeilen gesorgt. Nachdem die Klaus-Geske-Musik- und Kulturstiftung angeboten hatte, die städtische Musikschule vollständig zu übernehmen, hatte sie dieses Angebot überraschend wieder zurückgezogen. Sie begründete dies im Wesentlichen damit, dass die Lehrkräfte in öffentlicher Trägerschaft bleiben wollten. Sie fördert nun für das Jahr 2026 eine Vollzeitstelle.
Die Stelle der Musikschulleitung war seit dem 1. Oktober vakant, nachdem die ehemalige Leiterin Julia Berg in derselben Position zur Bergischen Musikschule nach Wuppertal gewechselt war. Im Interview mit Eva-Maria Zumbé sprach die neue Leiterin unter anderem über ihre ersten Wochen, welche Rolle musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche spielt, und über ihre Vision für die Zukunft der Musikschule.
Frau Schubert, die Bernd-Alois-Zimmermann-Musikschule der Stadt Erftstadt genießt einen guten Ruf. Was hat Sie daran gereizt, die Musikschule zu leiten?
Nadja Schubert: Es ist richtig, dass die Bernd-Alois-Zimmermann-Musikschule einen sehr guten Ruf genießt, und zwar nicht nur hier in Erftstadt, sondern weit über die Region hinaus. Für mich ist diese Musikschule ein ganz besonderer Ort, der einzigartige Möglichkeiten bietet. Da ist zum einen das einmalige Ambiente, das wir hier mit dem Anneliese Geske Musik- und Kulturhaus haben und das uns als Musikschulteam ein ideales Arbeitsumfeld bietet. Zum anderen erlebe ich ein Umfeld, das sehr kultur- und musikinteressiert ist. Das ist natürlich eine sehr schöne Ausgangssituation.
Wie waren Ihre ersten Wochen im Anneliese-Geske-Musik- und Kulturhaus?
Meine ersten Wochen waren sehr spannend und bereichernd. Ich habe viele interessante Gespräche führen können und von allen Seiten große Unterstützung und Zustimmung erfahren. Das hat mich sehr gefreut. Ich konnte daraus schnell erste Ideen entwickeln.
Welche persönliche Note wird Ihre Arbeit als Leiterin haben?
Erstmal ist es mir ein großes Anliegen als Leiterin der Musikschule, meine Begeisterung für Musik und vor allem für Musikvermittlung weiterzugeben. Für mich gibt es nichts Schöneres, als sich live mit Musik zu beschäftigen. Ich möchte genau das in besonderen Veranstaltungen hier erlebbar machen. Wir haben ein ganz tolles, bereits bestehendes Angebot, das ich unter anderem unbedingt durch neue Konzertformate bereichern und erweitern möchte. Ich denke da beispielsweise an Mitsingkonzerte für Groß und Klein, bei denen alle mitmachen können.
Welche Rolle spielt musikalische Bildung für Kinder und Jugendliche?
Meiner Meinung nach leistet Musik einen sehr wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung von Kindern und Jugendlichen. Mit Musik hat man die Möglichkeit, Gefühle auszudrücken. Sie kann ein toller Rückzugsort für Kinder und Jugendliche sein und dabei helfen, besser mit Stress in der Schule oder mit Schwierigkeiten im privaten Umfeld umzugehen. Wenn man Musik macht, geschieht das oft in einer Gemeinschaft. Man lernt, zusammen auf ein Ziel hinzuarbeiten, wie beispielsweise „unsere“ wunderbaren „Jugend musiziert“-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer, die sich kürzlich für den Bundeswettbewerb qualifiziert haben. Ich denke hier auch an die vielen bestehenden Ensembles der Musikschule, die immer wieder neue Konzertprogramme einstudieren und gemeinsam erleben, wie schön es sein kann, vor einem interessierten Publikum zu spielen.
Ihr Instrument ist die Blockflöte. Wie vermitteln Sie Ihre Begeisterung für das Instrument Ihren Schülerinnen und Schülern?
Meine erste Lehrerin hat mit sehr viel Herzblut und großem Engagement Blockflöte unterrichtet. Diese Leidenschaft hat sich sofort auf mich übertragen, ich habe direkt gemerkt: Das ist mein Instrument und das ist bis heute so geblieben. Meine Begeisterung versuche ich meinen Schülerinnen und Schülern weiterzugeben, indem ich ihnen neben ihrem Unterricht vielfältige Möglichkeiten biete, regelmäßig aufzutreten – in kleinem und in großem Rahmen – oder auch an Wettbewerben teilzunehmen.
Sie teilen Ihren Familiennamen mit Franz Schubert. Haben Sie einen Lieblingskomponisten oder eine Lieblingskomponistin?
Man kommt im Laufe der Zeit mit vielen Komponistinnen und Komponisten zusammen und lernt immer wieder neue kennen. Ich bin sehr genreübergreifend unterwegs, besonders gern mag ich nach wie vor Barockkomponisten wie beispielsweise Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi oder Georg Philipp Telemann. Aber ich habe mich auch sehr gerne mit Komponistinnen und Komponisten aus dem Spektrum der Neuen Musik (Anm. d. R. etwa 1910 bis Gegenwart) beschäftigt und im Studium viel spannende Literatur gespielt. Insofern freue ich mich sehr darüber, dass ich nun die Bernd-Alois-Zimmermann-Musikschule leiten darf.
Die Musikschule steht vor finanziellen Herausforderungen und arbeitet mit befristeten Fördermitteln – derzeit fördert die Klaus-Geske-Musik- und Kulturstiftung für ein Jahr eine Vollzeitstelle. Wie möchten Sie die Musikschule unter diesen Bedingungen künftig aufstellen?
Ich werde mit meinem gesamten Team alles dafür tun, dass wir bestenfalls keinerlei Einschränkungen im Angebot haben. Den Zukunftsplanungen, auch personell, werde ich mich in den kommenden Wochen und Monaten sehr intensiv widmen und die Ideen auch den entsprechenden Gremien und der Politik frühzeitig vorstellen.
Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Wo soll die Musikschule in fünf Jahren stehen?
Ich blicke sehr positiv in die Zukunft und freue mich auf die Aufgabe. Ich stelle mir die Bernd-Alois-Zimmermann-Musikschule in fünf Jahren als sehr lebendige, kulturelle Begegnungsstätte vor, die offen für alle Erftstädter Bürgerinnen und Bürger und für die gesamte Region ist. Ich sehe diesen Ort als ein einzigartiges Zentrum für Musik und Kultur, das neben einem attraktiven und sich ständig weiterentwickelnden Unterrichtsangebot auch tolle Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern entstehen lässt, von denen die Besucherinnen und Besucher im besten Fall noch Jahre später begeistert sprechen.
Zur Person
Ihr Diplom legte Nadja Schubert an der Hochschule für Musik Köln ab. Ihr Instrument, die Blockflöte, unterrichtete sie unter anderem auch als Lehrbeauftragte an der Universität zu Köln.
Die 55-Jährige war zuletzt als stellvertretende Leiterin an der Musikschule Voreifel der Städte Rheinbach und Meckenheim sowie der Gemeinde Swisttal aktiv. Schubert lebt in Köln und kommt gebürtig aus Nürnberg. (eva)
