Der Unternehmerinnen-Treff Erftstadt feiert 25-jähriges Namensfest. Im Interview spricht die Vorsitzende Ute Santander über die Entwicklung.
25 Jahre uTeBusinessfrau aus Erftstadt im Interview: „Unternehmerin sein macht auch Spaß“

Ute Santander ist seit 2018 Vorsitzende von uTe.
Copyright: Eva-Maria Zumbé
Der Unternehmerinnen-Treff Erftstadt, kurz „uTe“, ist seit Jahren ein etabliertes Netzwerk für Gründerinnen und Unternehmerinnen, auch über die Stadtgrenzen Erftstadts hinaus. In diesem Jahr feiert der Verein sein 25-jähriges Namensfest. Ute Santander ist Gründungsmitglied und seit 2018 erste Vorsitzende.
Im Interview mit Eva-Maria Zumbé spricht die Immobilienmaklerin über die Entwicklung des Netzwerks, über Herausforderungen für Unternehmerinnen und darüber, wie uTe ihr (Arbeits-)Leben bereichert.
Frau Santander, Sie feiern in diesem Jahr 25 Jahre uTe. Wie hat sich das Unternehmertum für Frauen seit der Gründung aus Ihrer Sicht verändert?
Ute Santander: 1991 waren es 25 Prozent der Frauen, die selbstständig waren, mittlerweile sind es 35 Prozent. Es hat sich etwas verändert, aber es gibt noch sehr viel Luft nach oben. 30 Prozent unserer uTe-Frauen haben gegründet, bevor sie 30 waren, mitten im Studium oder während ihrer Ausbildung. Das hat sich geändert. Heute gründen weniger Frauen unter 30.
Deshalb ist es wichtig, schon Kindern in Grundschulen das Unternehmertum näherzubringen. Wenn wir Kinder immer noch strikt in Blau und Rosa einteilen, Mädchen die Puppe und Jungen den Kran geben, dann können wir doch nicht erwarten, dass es Frauen in die MINT-Berufe (Anm. d. R. Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) schaffen, geschweige denn Lust auf eigenes Business haben.
Was war der Auslöser für die Gründung des Netzwerks?
Der Auslöser ging von der Stadt Erftstadt aus. Nach einer Fraueninformationsbörse 1998 haben Frauenbüro und Wirtschaftsförderung gesagt: Wir bringen Existenzgründerinnen und Unternehmerinnen zusammen. Das hieß damals E.U.-Treff. Da haben sich zwölf Frauen inklusive mir getroffen. Dieses Netzwerken und den Austausch fand ich sehr spannend.
Wir haben uns dann langsam gefunden und Ziel und Zweck unserer Zusammenkünfte definiert. Bei Frauen ist der Findungsprozess länger und sorgfältiger. Die Stadt hat zwar das Ganze angeschubst, aber schon bald wollten wir alleine weitergehen, wir sind ja schließlich Unternehmerinnen.
Welche Meilensteine in den vergangenen 25 Jahren sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Das erste Treffen und der Name uTe. Und wir haben direkt losgelegt mit Homepage und E-Mail-Adresse. Das war für Frauen zu dieser Zeit ungewöhnlich. Weitere Meilensteine sind neue Formate wie das Ladies-Dinner oder die Bildungsveranstaltung „Rendezvous mit der Zukunft”. 2022 haben wir uns als Verein gegründet. Wir haben einige Auszeichnungen erhalten, unter anderem den 1. Platz beim Heimatpreis Erftstadt.

Die feiernden uTe-Frauen bei der 25-Jahre-Party.
Copyright: Hannah Schulz
Mit welchen Herausforderungen haben Unternehmerinnen heute besonders zu kämpfen?
Ein ganz großes Thema ist das Gender Funding Gap (Anm. d. R. geschlechtsspezifische Lücke bei der Finanzierung von Unternehmensgründungen). Männliche Teams erhalten im Durchschnitt fast neunmal mehr Kapital als weibliche Teams. Dazu kommt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wenn das Kind krank ist, sind es oft die Mütter, die Termine absagen. Hier mangelt es an gerechter Rollenverteilung. Für Alleinerziehende ist es durch die Planungsunsicherheit noch schwieriger, selbstständig zu sein. Da hilft ein gutes Netzwerk enorm.
Häufig fehlen auch weibliche Vorbilder. Ein weiterer Punkt ist die schlechte Infrastruktur. Gerade in ländlichen Gegenden gibt es lange Anfahrtswege und ein anderes Betreuungsangebot für die Kinder als in der Stadt. Hauptfaktor, warum die Frauen sich für die Selbstständigkeit entscheiden, sind Flexibilität und Autonomie.
Wie profitieren die uTe-Frauen konkret von dem Netzwerk?
Das uTe-Netzwerk ist eine Schicksalsgemeinschaft, man versteht die anderen und kennt die Probleme, hilft. Die Frauen vernetzen sich, es werden Freundschaften und Kooperationen geschlossen, sie unterstützen sich gegenseitig und finden neue Kundinnen. Der Teamgeist gibt ein gutes Gefühl, in unseren vielfältigen Projekten etwas gemeinsam zu schaffen, zu lernen und zu gestalten. Jede bringt sich mit ihren Fähigkeiten ein, so wie sie kann.
Und Sie?
„Profitieren“ würde ich gerne zu „bereichern“ ändern. Finanziell ist es so, dass auch ich natürlich daraus Kundinnen rekrutiere. Mich bereichert aber vor allem, dass ich mit meiner Kreativität und Begeisterung nach innen zum Wohl unseres Netzwerks wirksam werden kann und nach außen meine Stimme nutzen kann. So bin ich in meiner Rolle als uTe-Vorsitzende auch im Frauenbeirat, bei der beratenden Versammlung der IHK und im Jobcenter Rhein-Erft im Beirat und mache auf die Anliegen von uns Unternehmerinnen aufmerksam.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft für Unternehmerinnen in Erftstadt und für uTe?
In erster Linie Gleichberechtigung, immer größere Vernetzung und bei den Businessfrauen Bewusstsein für ihre eigene Stärke. Dazu gehören aber der Ausbau von Infrastrukturen und steuerlicher Ausgleich für Carearbeit. Es braucht noch mehr Frauen in Entscheidungspositionen. Ich wünsche den Frauen mehr Sichtbarkeit und Mut, Dinge auszuprobieren, mehr Pippi Langstrumpf zu sein. Natürlich braucht es Ernsthaftigkeit, ein solides Grundwissen und einen Businessplan. Aber: Unternehmerin sein macht auch Spaß. Im uTe-Netzwerk zu sein, ergänzt Gleichgesinntheit, die zusätzliche Energie bringt.
Das Netzwerk
Den Unternehmerinnen-Treff Erftstadt gibt es seit 1999. Seit 2022 ist uTe ein eingetragener Verein. Von der Apothekerin über die Metzgerin bis zur Trauerbegleiterin: Mittlerweile gibt es mehr als 100 uTe-Frauen mit einem Team aus Projektleiterinnen. Das Netzwerk ist laut Ute Santander weiter offen für Neuzugänge aus Erftstadt und der Region. „Schön wäre es, wenn wir noch mehr Frauen aus dem Handwerk und aus dem IT-Bereich gewinnen könnten“, sagt die Vorsitzende.
Den Namen uTe trägt das Netzwerk seit 2001. Am vergangenen Wochenende feierten die uTe-Frauen daher ihr 25-jähriges Namensfest mit einer Party im erweiterten uTe-Kreis. Laut Santander waren fast 300 Gäste, zwei Drittel der Mitglieder sowie Unterstützer und Kooperationspartner dabei. Weitere Informationen hier. (eva)
