Mit einer international hochkarätig besetzten Fotoausstellung und einem vielfältigen Festwochenende geht es im Norden Finnlands los.
2026So startet Leverkusens Partnerstadt Oulu ins Kulturjahr

Mit diesem Plakat wirbt Leverkusens finnische Partnerstadt im Kulturhauptstadt-Jahr.
Copyright: Harri Tarvainen
In einer Woche geht es richtig los: Mit einer international besetzten Fotoausstellung fällt am Mittwoch, 14. Januar, der Startschuss für das Kulturhauptstadt-Jahr in Leverkusens finnischer Partnerstadt Oulu. 17 Künstlerinnen und Künstler – unter ihnen der vor einem Monat verstorbene Martin Parr, der 2011 das Punk-Paar Sara und Kasper in Oulu fotografierte – zeigen in der Pekuri-Einkaufspasssage ihre Bilder. „Play“ soll das Oberthema illustrieren, das sich Oulu für das Jahr gesetzt hat: „kultureller Klimawandel“. Kuratiert wird die Ausstellung von Jorven Viilik, der die Filiale des schwedischen Fotografiska-Museums in der estnischen Hauptstadt Tallinn leitet.
Zwei Tage später wird erstmals ein richtig großes Rad gedreht in der größten Stadt Nordeuropas. Das Eröffnungsfest zieht sich über drei Tage, auf zentralen Plätzen, im Oulu-Theater, im Kunstmuseum, der Zentralbibliothek und im Kinderkulturzentrum gibt es mehr als 20 Veranstaltungen: Konzerte, Hockey, Akrobatik, Theateraufführungen und natürlich jede Menge zu essen.
Rap in samischer Sprache
Unter den Musikern, die vom 16. bis 18. Januar auftreten, sticht Yungmiqu alias Mihku Laiti hervor: Er rappt in seiner Muttersprache, das ist Nordsamisch. Die Samen sind das einzige indigene Volk auf dem Gebiet der EU, und in Oulu lebt die größte samische Gemeinde außerhalb von Sápmi, dem ursprünglichen Siedlungsgebiet. Wie wichtig diese Volksgruppe nach Jahrzehnten restriktiver Sprachpolitik inzwischen wieder genommen wird, zeigt sich auch an der Universität von Oulu: Das Giellagas-Institut dort ist der einzige Ort in Finnland, an dem man samische Kultur und Sprachen auf Muttersprachenniveau studieren kann.

Henri Turunen gehört zu den Organisatoren des Kulturhauptstadt-Jahres in Oulu.
Copyright: Harri Tarvainen
Neben dem Rapper Mihkku Laiti werden eine samische Oper und eine Ausstellung mit samischen Künstlerinnen und Künstlern im Kunstmuseum Oulu Bestandteil des Kulturhauptstadt-Jahres. Nicht zu vergessen das Dálvemánnu-Festival rund um den samischen Nationalfeiertag. Der ist in der ersten Februarwoche.
Charakteristisch für die schnell wachsende und wirtschaftlich potente Boomtown im Norden Finnlands ist natürlich das raue Klima. Am Dienstagnachmittag lag die Temperatur bei minus 20 Grad. Also spielen Schneeskulpturen, Eisschwimmen und Lichtinstallationen auf gefrorenen Seen eine große Rolle im Kulturhauptstadt-Jahr. Dazu kommt ein internationales Saunaseminar im Herbst; am Strand entsteht eine öffentliche Sauna.

Angst vor kaltem Wasser haben Nordfinnen nicht. Dabei ist es auch im Sommer nicht allzu warm in Leverkusens finnischer Partnerstadt.
Copyright: Oulu-Kulturhauptstadt-Festival
Und während nach leichtem Schneefall der Radverkehr in Leverkusen weitgehend zum Erliegen kommt, wird in der Fahrradstadt Oulu vielfach weitergestrampelt: Eine amtliche Statistik zeigt, dass auch im Winter noch mehr als zehn Prozent aller Fahrten in der sehr weitläufigen Stadt auf das Rad entfallen. Dabei hilft, dass die Radwege geräumt werden, bevor die Straßen dran sind. Das Netz umfasst 950 Kilometer und verläuft vielfach getrennt vom Autoverkehr.
Der Effekt einer guten Rad-Infrastruktur zeigt sich im Sommer noch wesentlich deutlicher: Mehr als 20 Prozent aller Fahrten in Oulu werden mit dem Rad zurückgelegt. Auch eine Sache, die zwar nicht mit dem kulturellen, aber dem atmosphärischen Klimawandel zu tun hat. Der wird in der Europäischen Kulturhauptstadt 2026 natürlich nicht ausgeblendet.

