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Leverkusen und Rhein-WupperWas steigende Preise im Handwerk für Verbraucher bedeuten

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Baustelle Leverkusen Symbolbild

Baustelle am Freudenthaler Weg in Schlebusch (Symbolbild)

Leverkusen/Rhein-Wupper – Das Leben wird teurer, merken Verbraucherinnen und Verbraucher aktuell an allen Ecken und Enden. Das gilt auch für Aufträge an Handwerksbetriebe. Warum das so ist und welche Rolle die Psychologie dabei spielt, führt Marcus Otto aus, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land.

„Die Preissteigerungen sind mannigfaltig“, sagt Otto. Ursachen für diese gebe es viele. Anfang des Jahres habe das schon mit der CO2-Abgabe begonnen, die vielen Produkten auferlegt wurde. „Das war zum Beispiel bei Beton, Bitumen und Erdöl-Produkten spürbar“.

Hamsterkäufe auch im Handwerk ein großes Problem

Dann habe es durch den Angriff Russlands auf die Ukraine viel Unsicherheit und einen weiteren Anstieg der Kosten gegeben. „Durch Putins Krieg wurde die Nachfrage nach Ölprodukten erhöht“, sagt Otto. „Weiterhin haben wir auch die Unterbrechung von Lieferketten.“ Aufgrund von Corona-Schutzbestimmungen seien wieder viele Häfen in China geschlossen. Zudem mangele es auch hierzulande an Fachkräften in Häfen: „Im Hamburger Hafen haben sich viele Container gestaut, die abgearbeitet werden müssen.“

Ein weiteres Problem seien die Hamsterkäufe. „Die finden ja nicht nur im privaten Bereich statt, sondern auch durch verarbeitende Betriebe selber“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, die unter anderem Betriebe im Rheinisch-Bergischen Kreis und Leverkusen vertritt. „Wer 30.000 Liter Öl pro Woche braucht, kauft jetzt die doppelte Menge auf Vorrat“, nennt Otto ein Beispiel. Das Thema Hamsterkäufe ziehe sich durch fast alle Gewerke.

Deutliche Preissteigerungen

Neben den gestörten Lieferketten bedeute die Verteuerung von Energie das größte Problem für Handwerksbetriebe. Für deren gewerbliche und private Kunden führe die aktuelle Situation deshalb auch zu deutlichen Preissteigerungen: Bitumen, der zum Beispiel in Anstrichen zum Schutz von Gebäuden gegen Wasser oder als Dachabdichtung verwendet wird, sei im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent teurer.

Die Preise für Beton und Stahl seien zwischen 39 und 54 Prozent gestiegen, so Otto. Holz sei schon im vergangenen Jahr teurer geworden, die Preise hätten sich nun auf hohem Niveau eingependelt. Auch die Kosten für Heizungsanlagen seien deutlich gestiegen. Nicht jedes Preisplus sei in Gänze nachvollziehbar, beim Öl sei das extrem: „Wir haben keinen Liter weniger Öl in Deutschland, die Russen haben ja noch geliefert.“

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Psychologie spiele bei Preisen und Verfügbarkeit eine wichtige Rolle, sagt Otto und wählt das Beispiel Supermarkt: „Die Kette wird gestört, weil jemand meint: Ich muss jetzt 20 Liter Sonnenblumenöl mitnehmen.“

Marcus Otto rät dazu, trotz dramatischer Preisentwicklungen die Ruhe zu bewahren: „Wir sind weit weg von einer Mangelwirtschaft“, sagt er. „Es kommt aktuell zu Verzögerungen, aber einen Notstand haben wir nicht. Man sollte nicht so schnell super nervös werden. Die Preise steigen – und ich hoffe, dass sie bald wieder runtergehen.“