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Geschützter Hitdorfer BaggerseeVogelfreunde registrieren mithilfe Künstlicher Intelligenz immer mehr Arten

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Ornithologe Roger Briesewitz und ein Aufzeichnungsgerät für Vogelstimmen in Hitdorf. Bild: Ralf Krieger

Der Ornithologe Roger Briesewitz kontrolliert eines der akustischen Aufzeichnungsgeräte in Hitdorf am Buschbergsee. 

Tonaufnahmen, die am See täglich 24 Stunden aufgezeichnet werden, müssen nicht abgehört werden – eine spezielle KI übernimmt diese Arbeit.  

Ein gängiges Vorurteil bescheinigt Naturfreunden eine gewisse Technikfeindlichkeit, in Hitdorf nutzen Leverkusener „Ökos“ aber sogar Künstliche Intelligenz für ihre Arbeit im Freien. Im kommenden Naturschutzgebiet Buschbergsee hilft die Technik, einen viel genaueren Überblick über die Vogelwelt zu bekommen.

Wie das funktioniert, erklärte der Leverkusener Ornithologe Roger Briesewitz vom Leverkusener Nabu im Naturschutzbeirat: Am Buschbergsee hängen versteckt Aufnahmegeräte, die dafür optimiert sind, Vogelstimmen aufzuzeichnen. Alle fünf Tage fährt Briesewitz zum Buschbergsee und wechselt im Aufnahmegerät, das äußerlich einer Wildkamera ähnelt, die Speicherkarte aus.

Dann kommt die Künstliche Intelligenz ins Spiel: Die Dateien werden auf die Plattform „Birdnet“ hochgeladen und dort von der KI analysiert. Die automatisierte Erkennungssoftware wurde von der Universität Chemnitz programmiert, die auch die Webseite öffentlich zur Verfügung stellt. Die Software sei nicht ganz fehlerfrei, die Fachleute müssten im Zweifel selbst hineinhören und die Vögel anhand der Erfahrung bestimmen, aber auch die automatische Erkennung wird weiterentwickelt.

Ornithologe Roger Briesewitz und ein Aufzeichnungsgerät für Vogelstimmen in Hitdorf. Bild: Ralf Krieger

Ein Aufzeichnungsgerät für Vogelstimmen am Buschbergsee.

Auf diese Weise bekomme man einen Überblick, welche Vogelart sich wann am Buschbergsee einfinde. Um das übersichtlich darzustellen, hat der Wissenschaftler gemeinsam mit einem Partner ein eigenes Programm geschrieben.

Tonaufnahmen aus Hitdorf existierten seit 2025. Im vergangenen Jahr habe man überraschenderweise 122 Vogelarten akustisch nachgewiesen. In den ersten Monaten des laufenden Beobachtungsjahres 2026 sogar schon 136 Arten. Mehr als man dort jemals habe beobachten können. Ein Grund sei, dass die Aufnahmegeräte 24 Stunden täglich scharf geschaltet seien.

Viele Vögel machen in Leverkusen am Buschbergsee Station

„Wir haben Arten, die das ganze Jahr über am See sind, manche nur im Winter oder im Sommer, andere ziehen nur kurz durch und sind schnell wieder weg“, sagt Briesewitz. Darunter seien auch „Überraschungsgäste“: Der Bergpieper sei zum Beispiel etwas Besonderes, denn er lebe übers Jahr hoch oben in den Bergen der Alpen und komme im Winter nach Leverkusen an den Rhein, weil hier ein vergleichsweise mildes Wetter vorherrscht.

Das Windrad neben dem Buschbergsee soll höher werden, als der Kölner Dom, erklären v.l. Jörg Baade. Hans-Martin Kochanek, Stefanie Bias, Roger Briesewitz und Wolfgang Heep bei einer gemeinsamen Pressekonferenz des Nabu  aus Monheim und Leverkusen.   Foto: Ralf Krieger

Der Buschbergsee ist eingezäunt, damit die Tiere dort ihre Ruhe haben.

Dann habe man ein seltenes Uhu-Pärchen registriert. Dass die großen  Nachtjäger zu Besuch kommen, sei  eine weitere Überraschung. Briesewitz hat die Tondatei auf seinem Handy und spielt den langgezogenen Ruf im Beirat vor. „Von dem hätten wir wohl nichts erfahren, denn nachts sind wir Ornithologen normalerweise nicht am See.“ Weitere Seltenheiten seien etwa 65 Sturmmöwen, von denen es in ganz NRW nur 400 bis 500 gebe, sowie Nachtigallen und Uferschwalben. Etwas anderes sind streng geschützte Kreuzkröten, die man hier eher von Bahngeländen kennt. Auch ihre lauten nächtlichen Rufe haben die Geräte aufgezeichnet.

Im See gibt es kaum Fische, weshalb fischfressende Vögel, wie Kormorane, dort kaum anzutreffen sind. Der Vorsitzende im Naturschutzbeirat, Martin Denecke, betont öfter, dass es wichtig sei, positive Mitteilungen im Beirat weiterzugeben. Denn in der Regel müssten sich die Mitglieder häufiger mit dem Verlust von Landschaft, Wald, Bäumen oder Arten befassen.

Der Buschbergsee, eine erst 2009 stillgelegte Kiesgrube, steht bislang nicht unter strengem Naturschutz, das hat die Leverkusener Naturschutzbehörde aber vor; mit einem neuen Landschaftsplan soll der Status amtlich werden. An dem Plan werde weitergearbeitet, so die Mitteilung aus der Leverkusener Naturschutzbehörde. Einen Fertigstellungstermin könne man aber bisher nicht nennen.